Wirtschaftliche Entwicklung und Bevölkerungswachstum am Beispiel von China, Indien und Pakistan

August 20, 2017 | Author: Ferdinand Dresdner | Category: N/A
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Wirtschaftliche Entwicklung und Bevölkerungswachstum am Beispiel von China, Indien und Pakistan Von Manuel Slupina Im Schatten Chinas hat Indien eine rasante Entwicklung genommen. Die Bevölkerung hat sich seit 1950 mehr als verdreifacht. In etwa zehn Jahren dürfte Indien China als bevölkerungsreichstes Land ablösen. Ob Indien China auch wirtschaftlich einholt, bleibt dagegen fraglich. Immerhin hat sich das indische Bevölkerungswachstum seit Mitte der 1970er Jahre stetig verlangsamt, und davon könnte das Land ökonomisch profitieren. Aber nur dann, wenn die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, wird Indien auf mehr wirtschaftliches Wachstum hoffen können. Dasselbe gilt für Pakistan, wo zwar wesentlich weniger Menschen leben, das aber gegenwärtig prozentual eine deutlich größere Bevölkerungszunahme verzeichnet als Indien und erst recht als China. Indiens Weg an die Spitze Bevölkerungsentwicklung in Indien, China und Pakistan, mittlere Prognose der Vereinten Nationen im Jahr 2010

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Derzeit ist China noch das bevölkerungsreichste Land der Welt. Doch in etwa zehn Jahren dürfte Indien es eingeholt haben. In beiden Länder werden dann jeweils knapp 1,4 Milliarden Menschen leben. Für die darauf folgenden Jahrzehnte wird erwartet, dass die indische Bevölkerung auf deutlich über 1,6 Milliarden Menschen anwachsen wird. Die chinesische Bevölkerung dagegen dürfte etwa ab 2030 abnehmen. Pakistan liegt derzeit mit 185 Millionen Einwohner auf Platz sechs der bevölkerungsreichsten Länder der Welt, bis 2050 wird es mit 335 Millionen auf Platz vier vorrücken (Datengrundlage: Vereinte Nationen).

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Die Scheitel beim Bevölkerungswachstum sind überschritten Jährliches Bevölkerungswachstum in Pakistan, Indien und China, nach mittlere Prognose der Vereinten Nationen im Jahr 2010

Im Jahr 1950 wiesen alle drei Länder ein ähnlich hohes Bevölkerungswachstum von knapp unter zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr auf. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Einwohnerzahl in diesen Ländern jedoch sehr unterschiedlich: China erreichte seinen Höhepunkt beim Bevölkerungswachstum Ende der 1960er Jahre, Indien um 1975 und Pakistan erst Anfang der 1980er Jahre (Datengrundlage: Vereinte Nationen).

Nach den Prognosen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2050 über 400 Millionen Menschen mehr in Indien leben als heute. Zwar hat sich auch in Indien seit 1975 das Bevölkerungswachstum verlangsamt und dieser Trend wird sich wohl bis 2050 fortsetzen. Aber anders als in China wird das abgeschwächte Wachstum in Indien in absehbarer Zeit nicht in einem Bevölkerungsrückgang münden. Im Vergleich zu Indien sorgten in China staatliche Eingriffe, die vor allem die Geburtenrate senkten, für einen früheren und viel drastischeren Rückgang des Wachstums. Hinzu kam Chinas starkes Engagement im öffentlichen Gesundheitswesen in den 1950er Jahren, das die Kindersterblichkeit deutlich schneller als in Indien oder Pakistan eindämmte. Der Erfolg führte kurzfristig zu einem „Baby-Boom“, weil nun Kinder überlebten, die vorher gestorben wären. Langfristig jedoch senkte es die Fertilität, und China erlebt einen deutlich schnelleren demografischen Übergang als Indien. 3

China erreicht nach einer rasanten Entwicklung den Höhepunkt Verhältnis von Menschen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren zu der Gruppe der unter 15- und über 64-Jährigen in China, Indien und Pakistan

Der Anteil der unter 15-Jährigen an der Gesamtbevölkerung stieg in Indien bis 1970. Seitdem nimmt er ab, während gleichzeitig der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 bis 64 Jahren steigt. Die Altersstruktur der indischen Gesellschaft verändert sich im Vergleich zu China langsamer. Dort setzte um 1980 eine rasante Entwicklung ein, der den Schwerpunkt der chinesischen Bevölkerung in wenigen Jahren ins erwerbsfähige Alter verschob. Dies war ein wesentlicher Faktor für die rasante wirtschaftliche Entwicklung im Reich der Mitte. Dieser Trend hat derzeit in China seinen Höhepunkt erreicht. Die Entwicklung in Pakistan folgt der in Indien, jedoch mit einem zeitlichen Abstand von 15 bis 20 Jahren (Datengrundlage: Vereinte Nationen).

Der Zeitpunkt und die Geschwindigkeit, in denen die drei Länder ihre Kehrtwende beim Bevölkerungswachstum erlebt haben, spiegeln sich in der Altersstruktur ihrer Bevölkerungen wider. China ist auch hier den anderen in seiner Entwicklung voraus. Seit der ersten Hälfte der 1980er Jahre verschiebt sich der Schwerpunkt der chinesischen Bevölkerung ins erwerbsfähige Alter. Der Bevölkerungsanteil der 15- bis 64- Jährigen ist seitdem sprunghaft angestiegen. Derzeit ist die Gruppe der Chinesen im erwerbsfähigen Alter mehr als zweieinhalb Mal so groß wie die der Jugendlichen und Rentner zusammen. Durch den langsameren Rückgang des Bevölkerungswachstums wächst in Indien auch die Gruppe der Menschen im erwerbsfähigen Alter langsamer. Dadurch wird aber auch der Höhepunkt dieser Entwicklung erst um das Jahr 2040 erwartet, also deutlich später. Pakistan, dessen Bevölkerungswachstum am wenigsten zurückgeht, folgt dem indischen Pfad mit einem zeitlichen Abstand von 15 bis 20 Jahren.

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Indien und Pakistan bleiben weit hinter China zurück Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner für China, Indien und Pakistan in Kaufkraftparität, zum Basisjahr 2005, in internationalem Dollar

Bis in die Mitte der 1990er Jahre lagen China, Indien und Pakistan beim Pro-Kopf-Bruttoinlandprodukt gleichauf. Dann setzte in China, unterstützt durch die demografische Entwicklung, ein starkes Wirtschaftswachstum ein. Indien und Pakistan fielen in den folgenden Jahren zurück. Erst in den letzten Jahren verstärkte sich das wirtschaftliche Wachstum Indiens. Pakistan konnte bei der wirtschaftlichen Entwicklung nicht Schritt halten und fiel erst hinter China und später auch hinter Indien zurück (Datengrundlage: Weltbank).

Neben dem Bevölkerungswachstum beeinflusst insbesondere die Altersstruktur der Bevölkerung die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Wächst der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter, sinkt der Beitrag, den jeder Einzelnen für wirtschaftlich Abhängige wie Kinder oder Rentner leisten muss. Das kann die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes fördern, sodass die Länder die demografische Dividende verwirklichen können. Dies gelingt aber nur, wenn die wachsende Zahl der Erwerbsfähigen auch eine Beschäftigung findet – und der Mangel an Arbeitsplätzen nicht zu steigenden Arbeitslosenzahlen führt. Lag China bis Ende der 1980er Jahre beim Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner noch hinter Indien und Pakistan, konnte es aufgrund eines rasanten Wirtschaftswachstums beide in den folgenden zehn Jahren überholen. China nutzte die Chancen, die sich aus der demografischen Veränderung seiner Gesellschaft ergaben, und konnte die demografische Dividende einfahren. Während China beim Anteil der Erwerbsfähigen an der Gesellschaft schon den Höhepunkt erreicht hat, befindet sich Indien noch am Anfang dieser Entwicklung. Auch hier verbessern sich seit Mitte der 1990er Jahre die demografischen Vorzeichen für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes spürbar. Wenn Indien es schafft, dass die wachsende Zahl der Erwerbsfähigen auch eine angemessene Beschäftigung findet, kann es mit einer demografischen Dividende in Höhe von einem zusätzlichen Prozent Wachstum beim Pro-Kopf5

Bruttoinlandsprodukt pro Jahr rechnen. Dass Indien dabei auf einem guten Weg ist, zeigt die wirtschaftliche Entwicklung der letzten zehn Jahre – nicht zuletzt deswegen konnte Indien Pakistan beim Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt überholen. Der kleine Nachbarstaat wird viel in Bildung und Arbeitsplätze investieren müssen, damit eine wachsende Zahl von potenziellen Erwerbstätigen in Zukunft auch zu einem höheren Entwicklungsstand des Landes führt. Literatur/Links Bloom, David E. (2011): India´s Baby Boomers: Dividend or Disaster? http://southasiainitiative.harvard.edu. Loewe, Markus (2007): Eine demografische Dividende für die Entwicklungsländer? Konsequenzen des weltweiten Alterungsprozesses. Bonn. http://www.die-gdi.de. UN (2011): World Population Prospects, the 2010 Revision. www.un.org. Worldbank (2011): World Development Indicators. www.worldbank.org. Stand: September 2011 Das Online-Handbuch Demografie des Berlin-Instituts wird gefördert von

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