Vataireopsis araroba. Eine Pflanze zur Behandlung von Hautkrankheiten

November 5, 2016 | Author: Lucas Langenberg | Category: N/A
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1 MICHAEL KALISCH Vataireopsis araroba. Eine Pflanze zur Behandlung von Hautkrankheiten Morphologische Charakterzüg...

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MICHAEL KALISCH

Vataireopsis araroba. Eine Pflanze zur Behandlung von Hautkrankheiten

Morphologische Charakterzüge der Leguminosen (Hülsenfruchtartigen) Da die goetheanistische Beurteilung einer Einzelpflanze ein Bild ihres Verwandtschaftszusammenhangs voraussetzt, müssen wir erst die typischen Züge der so umfangreichen und bedeutenden Ordnung der Leguminosae herausarbeiten, bevor wir auf Vataireopsis araroba eingehen können. Wie bei vielen Blütenpflanzengruppen, die sowohl in den Tropen als auch in der gemäßigten Zone Vertreter haben, finden wir auch bei den Leguminosen tropische Bäume, Kräuter in den gemäßigten Breiten (einige Astragalus-, Oxytropis- und Lupinus-Arten bis in arktische bzw. hochalpine Zonen) und vermittelnde Strauchformen in den Subtropen (Mittelmeerraum, Kapregion, Wüsten). Dabei prägen sie die Physiognomie von Regenwäldern, Savannen, Wiesen und Steppen oft wesentlich mit. Die Baumform bezeichnet den Ausgangspunkt der Evolution der Blütenpflanzen allgemein und so auch bei den Leguminosen. Die vorwiegend krautigen Formen unserer Breiten, die die goetheanistische Betrachtung häufig in den Mittelpunkt gestellt hat (vgl. Rohlfs 1985), mit dem dreifiedrigen Kleeblatt als vermeintlichem »Typus« der ganzen Ordnung, markieren das Ende der Entwicklungslinien. Mit Rücksicht auf den Forschungsstand der Blütenpflanzenevolution muss der »Eurozentrismus« in der goetheanistischen Pflanzenbeschreibung durch den Einbezug der tropischen »Stammväter« überwunden werden. Die Systematik der Leguminosen ist so stark in Bewegung gekommen, dass auch die lange für erwiesen gehaltene Nähe zu den Rosales neuerdings in Frage gestellt wird (Judd & al. 2008). Als nächst verschwisterte Gruppe könnten die Polygalaceae 189

gelten, die ähnliche »Schmetterlingsblüten« haben (Wojciechowski 2003). Die Leguminosen (Tab. 1) umspannen Extreme: riesige Regenwaldbäume (Koompassia excelsa, bis 90 m hoch, Abb. 1) und eisenharte Hölzer, aber auch feingliedrig-zarte, kaum sich allein aufrichtende Kräuter mit Ranken (z. B. Vicia, Lathyrus, Abb. 2). Von den an der Basis stehenden Caesalpiniaceae (vermutlich keine geschlossene Verwandtschaftsgruppe) über die Mimosaceae zu den Papilionaceae (Fabaceae) als den eigentlichen »Schmetterlingsblütlern« entwickelt sich die Blüte von einem offenen (Abb. 3) oder sogar strahlig versprühenden Organ (Abb. 4) zu einem geschlossenen und zygomorph-einseitswendigen. Hier interessiert vor allem die dritte und größte Familie: 4000–5000 Gattungen mit 12.000 Arten; die größte Gattung ist Astragalus, zugleich eine der größten Gattungen der Blütenpflanzen überhaupt, sie enthält Kräuter und Halbsträucher in ca. 2000 Arten; Indigofera und Crotalaria haben je 500, Trifolium 300 Arten (Urania 1991). Die horizontal orientierte Schmetterlingsblüte mit ihren seitlichen »Flügeln« und der wie Flügeldecken darüberliegenden »Fahne« nähert sich in der Form wie auch der Geste dem Insekt. Der Bestäubungsapparat ist hochspezialisiert, das Versprühen der Staubfäden bei den Mimosaceen wird ganz in das Innere zurückgenommen, die Filamente sind meist zu einer Röhre vereint. Zusammen mit dem umschlossenen Stempel entsteht eine »Konstruktion«, die ausgelöst durch das Insekt verschiedene Bestäubungsmechanismen ausführen kann. Das Einschließen der Staubgefäße in der Blüte führt zu einem Aufstauen mechanisch-elastischer Spannung, die sich im Extrem in »explosiver« Weise entladen kann, wenn das Insekt auf der Blüte landet; dabei wird der Pollen auf das Insekt übertragen. Die Blüten sind häufig von einheitlicher und intensiv ansprechender Farbe. Praktisch das gesamte Farbspektrum wird abgedeckt, auch Weiß und Schwarz. Worauf die Bezeichnung »Schmetterlingsblüte« hindeutet, ist real zu nehmen: Diese Pflanzen kommen dem Wesen des Tierischen sehr weit entgegen – sie müssen also von den astralischen Kräften sehr tiefgehend geprägt sein. Die Überformung einer Serie von homologen Organen (Ätherleib) zu einem höheren Ganzen, wie in der Schmetterlingsblüte, ist Stempelabdruck dieser Kräfte. Denn während das Ätherische den physischen Leib zu einem lebendigen Ganzen aufbaut, bauen die astralischen Kräfte oder der Astralleib das Ätherische ihrerseits wieder ab, und dabei überführt das Astralische das Ätherisch-Vitale in bleibende Form, in dauerhafte, sogar tote Strukturen (Holzbildung, zu Dornen umgebildete Blätter u. a.), und sogar bis in physikalische Mechanismen, die bezeichnenderweise gerade in der Blüte auftreten, wo die Pflanze dem Tierisch-Astralischen begegnet (»Bestäubungsapparat«).

Abb. 1: Koompassia excelsa auf Borneo, Höhe 81.9 m (aus Brett Mifsud, www.landmarktrees.net/borneo.html, mit freundlicher Genehmigung)

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Ordnung

Leguminosae / Fabales

Familien

Caesalpiniaceae Mimosaceae Papilionaceae (heute: Fabaceae)

Großgliederung mit Triben

»Dalbergioide« (aeschynomenoide Gruppe nach Doyle & al. 2000): Adesmieae – Aeschynomeneae – Dalbergieae – Bryinae (≈ Subtriben der vormaligen Desmodieae) »Genistoide«: Genisteae – Thermopsideae – Crotalarieae – Liparieae – Podalyrieae und einige Mitglieder der Sophoreae »Phaseolide« (»Milletieae, Phaseoleae and allies« nach Doyle & al. 2000): Millettieae – die Subtriben Desmodiinae und Lespedezinae der Desmodieae – Abreae – Phaseoleae – Psoraleeae »Hologalegina« (»galegoid clade« nach Doyle & al. 2000), die die vorwiegend temperaten Krautigen umfassen: Galegeae – Carmichaelieae – Cicereae – Hedysareae – Trifolieae – Vicieae – mit Robinieae und Loteae s.l. (incl. Coronilleae) Ein möglicher fünfter Ast mit zahlreichen Papilionaceen wurde vorgeschlagen: Bossieae – Mirbelieae

Tab. 1: Jüngere Vorstellungen über die Gliederung der Ordnung Leguminosae (nach Autoren wie Doyle & al. 2000, Pennington & al. 2001, Wojciechowski 2003, Wojciechowski & al. 2004, u. a.). Die Einordnung von Vataireopsis ist noch nicht völlig geklärt, die Gattung könnte als Teil eines »vataireoid clade« in die Nachbarschaft der Genistoiden gehören (Wojciechowski & al. 2004).

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Abb. 2: Links Lathyrus nissolia (Blattlose Platterbse) mit grasblattartig verlängerten Stipeln, rechts Lathyrus aphaca (Ranken-Platterbse) mit großen laubigen Stipeln. (Aus http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/thome/band3/tafel_136.jpg, mit freundlicher Genehmigung)

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Abb. 3: Beispiel für die offene, mehr oder weniger radiäre Blüte der Caesalpiniaceen (Bauhinia galpinii, Foto: Forest & Kim Starr, http://www.org.starr, Creative Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unported)

Abb. 4: Beispiel für den versprühenden Blütentyp der Mimosaceen (Albizia julibrissin, Seidenakazie, Foto: Fanghong, GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2)

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Wie steht die Leguminosen-Frucht in diesem Gesamtbild? Sie gleicht im Prinzip einem kurzgestielten Blatt, geschlossen durch schlichte Faltung nach oben, häufig grün (Bohne, Erbse) – und damit verrät sie eine Verwandtschaft mit der grünen Blattspreite. Eine starke Umwandlung des Ätherisch-Vegetativen hat hier nicht stattgefunden! Dennoch bleibt es keineswegs immer bei einer »Bohnenhülse«. Wir finden erstaunliche Weiterentwicklungen: Schließfrucht, gegliederte Hülse (in einsamige Bruchstücke zerfallend), Balg, einsamige Achäne, ja, sogar Steinfrucht mit fleischigem Endokarp, fleischige Beere, Ausbreitung durch Kletthaare (Tierfelle), durch Ameisen (Samen mit Anhängseln), durch den Wind bei luftgefüllten Schließfrüchten oder Flügelfrüchten, oder »explosives« Ausschleudern der Samen. Trotz der stark überformten und intensiv farbigen Blüte verraten auch die Blütenblätter (Petalen), dass sie sich wenig von der Laubartigkeit entfernt haben: Sie gehen häufig aus einem Stiel in die Breite und deuten eine Mittelrippe an. Man vergleiche das mit dem zweiflügeligen, mittelrippenlosen Blütenblatt einer Rose – eine Metamorphose des Unterblattes mit seinen zwei Stipeln (Nebenblättern; s. Kalisch 2009). Das typische Laubblatt der Leguminosen ist aus vielen Paaren etwa ovaler Fiederblättchen zusammengesetzt und von einer Endfieder abgeschlossen. Es herrscht das Prinzip der Wiederholung des Ähnlichen, das wir wiederum in der Frucht entdecken: Darin liegen ja eng aufgereiht viele Samen, wie »pflanzenhafte Tropfen«. Manchmal verrät ein rhythmisches Verdicken und Verdünnen der Hülsenform diese proportionierte Samenvielheit und führt im Extrem zum Zerbrechen in Einzelglieder. Dieses rhythmisch proportionierte Vervielfältigen weist hin auf besonders starke Wirkungen des chemischen Äthers (Marti 1981), denen wir dann auch im Stofflichen wiederbegegnen. Vor allem die Frucht erhebt sich im Grunde kaum über die Stufe des Vital-Ätherischen, das die Laubblätter hervorbringt, und daraus gehen auch die Samen mit ihrem Eiweißreichtum hervor. So entstehen wichtigste Nahrungslieferanten, und da bereits die grüne Pflanze »fruchtartig« nahrhaft wird, auch Tierfutterpflanzen. Wie sich zeigen wird, dringt die astralische Wirkung dennoch tief in das Vegetative der Leguminosen ein. Die Sojapflanze ist deshalb nicht nur eiweißreich, sondern dieses Eiweiß ist dem tierischen ziemlich ähnlich. Um das Wesensbild der Leguminosen am Kontrast zu verdeutlichen, bauen wir uns das Bild eines »typischen« Krautes auf: eine Pflanze, die von oben nur von der Astralität tangiert wird. Bei ihr endet der generative Prozess an einem oberen Punkt mit strahlig geöffneter Blüte und mit auf das Tier oder den Wind wartenden Samen in Kapseln, Nüsschen oder kleinen saftigen Beeren. Dies wird sich als idealer Gegenpol zum Leguminosentypus erweisen: Er ist geprägt von einer starken Durchdringung von astralischem Blühimpuls und ätherischer Vitalität. Man erkennt das zum Beispiel an den Stipeln: Bei vielen unserer krautigen 194

Leguminosen fällt die Zartheit, ja, Fragilität der Sprossbildung auf – sie wird durch Ranken kompensiert, Umgestaltungen der Endfieder, äußerer Blattfiedern, manchmal des ganzen Blattes. Assimilatorische Funktionen übernehmen nun die laubigen Stipeln. Die Nebenblätter sind aber jenes »Material«, aus dem die Metamorphose das Blütenblatt entfalten wird, indem es Stiel und Spreite zurückdrängt (Kalisch 2009). Sie sind hier besonders betont, aber nicht als Vorgriffe auf die Blüte (Farbigkeit), sondern gerade als Lauborgane. Diesen zarten Gestalten, die mit ihren Ranken wie hilfesuchend nach der Aufrichtekraft anderer Pflanzen greifen, stehen in den Tropen und Subtropen Bäume als anderes Extrem gegenüber mit spezifischen Holzeigenschaften, die eine stark nach innen genommene, verstofflichte Astralisierung vegetativer Sprossorgane verraten: große Härte, Dauerhaftigkeit und Resistenz gegen Nässe oder Schädlingsbefall, starke Färbungen und Anreicherung von Gerbstoffen, sogar von Giften. Es ist nämlich nicht das »Salzprinzip«, das dauerhaft macht, sondern das Verinnerlichen von Imponderabilien, also der »Sulfur«, der auch das Astralische in die Substanzbildung leitet. »Salzartiges« würde sich hingegen der Umgebung hingeben (Steiner 1920). Insbesondere sind Gerbstoffe ein Anzeichen dafür, dass »das Astrale stark eingegriffen hat (Steiner 1924a)«. Zu den dabei entstehenden »Eisenhölzern« existiert aber auch das andere Extrem: das schwammige Holz von Aeschynomene elaphroxylon, eines der leichtesten überhaupt. Eine herausragende ökologische Rolle erlangen die Leguminosen durch eine Besonderheit in der Wurzelsphäre: die Umwandlung des inerten Luftstickstoffs in organisch verfügbaren mithilfe von Bakterien (Rhizobium, Bradyrhizobium), die in spezialisierten Wurzelknöllchen in Symbiose leben. Dies legt den Verdacht nahe, dass die Leguminosen sich nicht nur von Astralität oberflächlich berühren lassen, damit der Blühimpuls erzeugt wird wie bei »normalen« krautigen Pflanzen, sondern sie tief in sich »einsaugen«, denn der Stickstoff ist der »empfindende Vermittler« für das Astralische oder anders gesagt für das, »was von den Sternen ausgeht (Steiner 1924b)«. Das entspricht übrigens mehr dem Wesen des Baumes: »… in der Tropenzone saugt die Erde am allermeisten das Außerirdische ein und entwickelt aus diesem eingesogenen Außerirdischen dasjenige, was sie dann als Vegetation hervorsprießen lässt«. In dieser tropischen Vegetation dominieren aber sowohl nach Artenzahl wie nach Größe die Baumformen. Den Gegensatz bilden die Pole: »… da wird am meisten zurückgeworfen vom Außerirdischen« (Steiner 1921), und es gibt dort wie auch im Hochgebirge keine Bäume, sondern nur Krautformen, selbst Dauergewächse wie Salix herbacea nehmen Krauthabitus an. Bäume sind überhaupt »Ansammlungen … von astralischer Substanz« (Steiner 1924c). Dass wir bei den Leguminosen auf eine außerordentliche Fülle von scheinbar nutzlosen Sekundärstoffen stoßen, ist ein weiteres Indiz für das bezeichnete tiefe Einsaugen der Astralität. Und nun wird auch ein seltsam anmutendes Phänomen 195

verständlich: eine leise »Sensibilität«, die sich in Bewegungen äußert. Nach Berührung falten sich die zuweilen mit einem »Gelenk« versehenen Fiedern und ganzen Blättchen zusammen (Mimosa). Die Bezeichnung »Schlafstellung« für die gefalteten Blätter der Mimose ist irreführend, denn die normale Pflanze schläft eigentlich fortwährend. Wird sie stark von astralischen Kräften ergriffen, so lähmt das ihre Lebenstätigkeit; beim Tier ist das die Voraussetzung für Bewusstsein, also ein Erwachen. Die Reaktion der Mimose auf Berührung kann daher wie ein leises »Erwachen« empfunden werden, das die Vitalität der Pflanze etwas dämpft. Andere Arten reagieren auf den Tagnachtrhythmus (Robinia, Rotklee) oder vollführen ständige elliptische Bewegungen im Takt weniger Minuten (Desmodium gyrans), wie ein Abbild räumlicher Planetenbewegungen im Kleinen. In den Bestäubungsmechanismen wird die Berührung durch das Insekt ausgenützt, um angestaute Spannungen zu entladen; das geschieht auch beim gewaltsamen Wegschleudern der Samen aus aufreißenden Hülsen – die manchen Stickstoffverbindungen innewohnende Explosivkraft wird hier gewissermaßen in physikalischer Morphologie gestaut. Die Leguminosen verinnerlichen also die Astralität, sie machen sie sichtbar und führen sie zur Erde bis in stoffliche Manifestation. So wird auch die Merkwürdigkeit verständlich, dass manche Art ihre Fruchthülsen aktiv in den Boden pflanzen, wo sie unterirdisch ausreifen (Arachis hypogaea, Vigna subterranea, Trifolium subterraneum, Vicia angustifolia var. amphicarpa u. a.). Wir können dies auch als eine sozusagen zu Ende geführte »Baumgeste« begreifen, hat doch der Baum die Eigenschaft, aus einem »Springbrunnen« aufstrebender vegetativer Kraftentfaltung, die rhythmisch – im sekundären Dickenwachstum – Jahr um Jahr das Absterben und den Sieg des Astralischen überwindet, sein Blühen und erst recht sein Fruchten der Erde zurückzuschenken – man denke an die Obstarten und die Nussfrüchte, die vor allem in den Tropen bedeutende Schwere erreichen können. Manche Bäume manifestieren diesen Gestus sogar im Wuchs als aufstrebend-herabgeneigten Bogen (Apfel, Birne), und viele Fabaceen betonen ihn mit lang herabhängenden Blütengirlanden (»Flagelliflorie« z. B. bei Laburnum, Wisteria), aber auch in einer weit in die Horizontale ausgreifenden Krone (Schirmakazien, Abb. 5, Samana, Delonix). Ist die aufrechte Stammbildung Manifestation der ätherischen Leichtekräfte, die seitwärts gewandte Orientierung zygomorpher Blüten ein Ausdruck des Astralischen (das Tierische ist ja sowohl morphologisch als auch in seiner Tätigkeit vor allem in der Horizontalen organisiert), so fällt auf, dass unter den baumförmigen Leguminosen allgemein ein Wuchstypus vorherrscht, bei dem die Hauptachse bereits im Jugendstadium mit einer Seitwärtswendung beginnt und sich erst später in ihren älteren Teilen aufrichtet. Im Hinblick auf ihre Architektur gehören viele Leguminosenbäume zum sogenannten Troll’schen Modell, bei dem bereits die primären Achsen plagiotrop (etwa horizontal) wachsen und oft zweizeilig beblättert sind (Hallé & al. 1979): Die Sprosse dieser Bäume ähneln im Hinblick auf ihre Orientierung also ihren Blüten! 196

Abb. 5: Schirmakazie in Tansania (aus http://www.mein-afrika-online.de/tansania/ 16_02_07.htm#datum, mit freundlicher Genehmigung)

Abb. 6: Colutea arborescens (Blasenstrauch) mit luftgefüllten Hülsen (aus http://www.paeonia.ch/reiseninternet/sardegna/Colutea_arborescens_07.jpg, mit freundlicher Genehmigung)

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Normalerweise liegt der pflanzliche Keimling im Samen gestreckt, bei manchen Leguminosen krümmt er sich zusammen wie ein Tierembryo (amphitrop). Selbst darin scheint sich die Annäherung an das Tierische auszudrücken. Die Luft allgemein ist das Medium der astralischen Tätigkeit (Atmung, Bewegung). Merkwürdig, dass wir bei einigen Leguminosen (Colutea arborescens – Blasenstrauch, Baptisia, Astragalus-, Crotalaria-Arten) auf prall luftgefüllte reife Hülsen treffen, als sei eine »Ausatmung« aufgestaut (Abb. 6). Ihre Innenluft ist tatsächlich mit Kohlendioxid angereichert (~2.2 Vol.%), dem Veratmungsprodukt der in der grünen Fruchtwand gebildeten Kohlenhydrate (Bender 1875, Baumgärtel 1917). Auch der Bau der Schmetterlingsblüte lässt sich aus diesem betonten Baumgestus ableiten. Sie zeigt eine von oben nach unten weisende Geste in der sogenannten tektaten Petalenstellung: Das untere »Schiffchen«, aus zwei Petalen weitgehend verschweißt, wird bedeckt von den seitlichen Flügeln, und diese werden von oben von der Fahne abschließend eingehüllt. Flügel und Fahne aber können sich aufschlagen wie Flügelpaar und Flügeldecken eines Insekts (Abb. 7)!

Abb. 7: Tektater Blütenbau der Fabaceen (Vicia faba, v Fahne, a Flügel, c Schiffchen, aus: Taubert 1891, frei verfügbares Bild)

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Stoffliche Charakterzüge der Leguminosen Überleitend zu stofflichen Aspekten soll noch einmal auf die Wurzelsymbiose mit Bakterien ein Blick geworfen werden. Die Leguminosen zeigen die Tendenz zur »Tierwerdung«, soweit das einer Pflanze möglich ist. Was bedeutet der Besitz von prokaryotischen Endosymbionten, die einzig in der Lage sind, den Luftstickstoff in eine organische Form zu überführen? Wagen wir einen Vergleich mit der Pansenflora der Wiederkäuer. Bei ihnen leben die Endosymbionten, die die pflanzliche Zellulose aufschließen können, im kopfwärts gelegenen Teil des Vorderdarms. Bei den Leguminosen leben sie in dem Teil der Pflanze, der mit dem Kopf des Säugetieres bzw. des Menschen polar verwandt ist, nämlich in der Wurzel (vgl. z. B. Steiner 1920, 1924d). So wie die Wiederkäuer zu den »stoffwechselstarken« Säugetieren gehören, so die Leguminosen unter den Blütenpflanzen. Und sie kommen dem Stoffwechsel von Säugetieren sowie Vögeln als Nahrung besonders entgegen. Ihre Stärke zeigt sich aber auch darin, dass etwa die Hälfte alles in den Boden gelangenden Stickstoffs von ihnen stammt (Haider 1996), wovon wiederum die allgemeine Bodenfruchtbarkeit abhängt. Diese Fähigkeit hat sich möglicherweise sogar mehrfach entwickelt: erst unter den Fabaceen können fast alle Gattungen Stickstoff fixieren. Bei den eine Mittelstellung einnehmenden Mimosaceen ist es die überwiegende Zahl, bei den basisnahen Caesalpiniaceen nur weniger als die Hälfte. Die Auffindung des artspezifischen (Brady-)Rhizobiums wird wahrscheinlich durch die Lektine der Pflanze vermittelt – ein Hinweis darauf, welche Aufgaben Sekundärstoffe haben können. Der Impuls zum Vordringen in den unterirdischen Bereich ist überhaupt sehr stark; mehrjährige Kräuter unserer Breiten (Medicago, Astragalus u. a.) können Wurzeltiefen von 5–9 m erobern, Sträucher und Bäume in Steppen und Savannen über 20 m (Kutschera & Lichtenegger 1992). Ein beträchtlicher Anteil der Assimilationsprodukte der grünen Leguminose fließt nicht in den Aufbau eigener Organe, sondern muss der unterirdischen Tätigkeit der Knöllchenbakterien zur Verfügung gestellt werden, die eine starke Atmung entfalten (Marschner 1998). Blühprozess und Stickstoff-Fixierung sind in gewisser Weise Antipoden, denn ab der Blütezeit nimmt letztere ab. Hingegen kann die Entwicklung der Früchte die N-Fixierung sogar wieder fördern. Ungünstig für die N-Fixierung ist ein saurer, nasser und kalkarmer Boden. Das macht verständlich, weshalb so viele Leguminosen auf Kalkböden und in semiariden Zonen leben; die Ginsterarten fallen allerdings heraus, sie wachsen auch auf sauren Böden unter feuchten Bedingungen. Calcium spielt für die Leguminosen tatsächlich eine besondere Rolle, denn es ist notwendig für die Kontaktaufnahme der Pflanze mit den Bakterien und die anschließende Knöllchenbildung. Zu den Gebärden der Calciumprozesse im Pflanzlichen gehört allgemein das Hautbilden und »Behausen«

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sowie das Eingliedern in den durch Licht und Schwere polarisierten Raum; Calcium ist notwendig für die funktionelle sowie strukturelle Integrität aller Biomembranen, unerlässlich für die Graviperzeption der Wurzelhaube und für die Ausbildung der Zellpolarität. Die Leguminosen haben eine starke Beziehung zu diesem Element. Außerdem besteht bei den Leguminosen ein besonderer Bedarf an Phosphor und an Metallen: Eisen, Kobalt, Nickel und vor allem Molybdän. Indem die Leguminose im Tausch für reduzierten Stickstoff den Symbionten Kohlenhydrate überlässt, die sonst als Süße in die Frucht einzögen, sofern sie nicht für den Aufbau eigener Substanz und für die innere Energiebereitstellung verbraucht wurden, »fruchtet« sie im Grunde unter der Erde! Außerdem erscheint mir darin ein bei allen Bäumen betonter Prozess noch gesteigert, im Wurzelbereich »Äther zu entlassen«, während der oberirdische Bereich danach strebt, »das Astralische dichter heranzuziehen« (Steiner 1924c). Beides bedingt sich als kompensatorische Polarität, darum müsste das »Ätherentlassen« im Wurzelreich auf eine Verstärkung des oberirdischen »Astralität-Einsaugens«, wie es bei den Leguminosen ja vorliegt, antworten. Vielleicht kann man folgende Vorgänge als in sich geschlossenen Zusammenhang begreifen: das bei »normalen« Pflanzen unübliche Hereinbitten fremden Ätherlebens im Wurzelbereich (Rhizobien) und die entstehende Ätherarmut durch das Verausgaben von Assimilationsprodukten, das »Fruchten« unter der Erde. Der Gewinn daraus: die Stickstoffassimilation, die wiederum dem oberirdischen Einsaugen von Astralität als stoffliche Basis entgegenkommt … Eine interessante Parallele zu den Prozessen im Boden stellt bei Acacia-Arten der Savanne das oberirdische Beherbergen von Insekten in zu hohlen Dornen umgewandelten Nebenblättern dar. – In diesem Zusammenhang ist es nun von Bedeutung, dass Vataireopsis zu einer Reihe von Gattungen gehört, die keine Wurzelknöllchen bilden (Werner 2005).

Primärstoffe Im Bereich der Primärstoffe liegt ein großes Gewicht auf den Kohlenhydraten, dem »Merkuriellen«, was wir nur zum Teil bemerken, weil Beträchtliches davon unter der Erde verschwindet. Für den Aufbau großer Baumgestalten wird aber viel aufgewendet! Daher liefern Leguminosen uns bedeutende Nutzhölzer (z. B. Dalbergia-Arten), allerdings nicht allein aufgrund der Zellulose, sondern vor allem durch die erwähnten Qualitäten der Hölzer! Sie betonen aber auch das Eiweiß, die verlebendigte »Sal«-Stufe (Kalisch 1996). Daher dienen so viele Arten der menschlichen Ernährung (vielerlei »Bohnen«, Erbsen, Linsen), aber auch als Viehfutter oder Gründüngung. Auch die eiweißreiche krautige Pflanze nimmt das Fruchtwerden vorweg, sie »will fruchten, bevor es zur Blüte kommt« (Steiner 1924b). Viel 200

Eiweiß ist in den Keimblättern des Samens gespeichert, also im Blatt der neuen Generation. Die Samen bleiben lange keimfähig, die mit ihnen verbundene ätherische Kraft ist also stark. Damit nicht genug: auch auf der Seite des »Sulfurischen« besteht Reichtum, wir treffen zwei der wichtigsten Öllieferanten, Erdnuss und Soja.

Sekundärstoffe Die oben skizzierte »bogenförmige Baum-Geste« beinhaltet, dass die Pflanze kosmische Kräfte verinnerlicht, verarbeitet und dann der Erde übergibt, anstatt »angesichts« dieser Kräfte nur in verfeinertem Stoff in die Wärme zu verdunsten – wäre dieser Aufnahmeprozess von Astralität beschränkt auf den entvitalisierten Bereich der Blüte, würde er zur Bildung ungiftiger Ätherischer Öle, also in der Wärme verdunstender Duftstoffe, führen. Sie kommen hier zwar vor, aber mehr in Form von halbflüssigen Harzen, Balsamen, Gummen: Hymenaea (Caesalpiniaceae), Copaifera, Myroxylon u. a. Ätherische Öle scheinen vor allem bei baumförmigen und mehr basalen Fabaceen-Triben vorzukommen (Sophoreae, Psoraleae, Dipterygieae) oder bei Hymenaea (Caesalpiniaceae). Ihnen gemeinsam sind aufrechte Blütenstände heller Farbe. Acacia farnesiana (Mimosaceae), die einen Grundstoff der Parfümindustrie liefert, hat die typischen kugeligen Blütenköpfchen mit versprühenden gelben Staubgefäßen. Robinia pseudacacia mit ihrem betäubend starken Duft hat weiße Blüten, allerdings in dichten kurzen, herabhängenden Trauben. Psoralea riecht bitumenartig. Den Düften der Leguminosen wohnt oft etwas Dichtes, nicht selten Betäubendes inne. Da die Astralisierung aber tief in die Vitalität hineinwirkt, muss sie zwangsläufig Giftigkeit erzeugen, Folge der Durchdringung von Sulfur- und Sal-Prozess (Kalisch 1996). Die Zahl mehr oder weniger giftiger Stoffe ist daher groß: Alkaloide (die meisten finden sich bei den Genistoideae, Wojciechowski & al. 2004), nicht-proteinogene Aminosäuren (spezifisch für die Fabaceen, die sie in Samen und Wurzeln bilden), hämagglutinierende Lektine, fischlähmende oder -tötende Rotenoide, cyanogene Glykoside – viele davon Auffangbecken für einen überfließenden Stickstoffprozess. Im merkuriellen Bereich der Sekundärstoffe (häufig Glykoside), wo die Astralität weniger tief eindringt, herrscht vielleicht der größte Reichtum: Flavonoide, Isoflavonoide, Kumarine, die wegen Vataireopsis araroba besonders interessierenden Anthrachinonderivate (sie finden sich bekanntlich auch bei Arten von Cassia, Acacia leucophloea, Derris breviceps, Melanoxylon brauna, Abrus cantoniensis u. a.), Saponine, Gerbstoffe. Eine Besonderheit sind Süßstoffe, die keine Kohlenhydrate sind (Süßholz-Wurzel! Alhagi-Manna). Außerdem gibt es Farbstoffe (rot, gelb, blau, indigo), häufig aus Wurzeln oder oberirdischem Holz und Borke gewonnen (Daniel 2009, Hegnauer & al.). 201

Entsprechend groß ist die Vielfalt therapeutischer Anwendungsmöglichkeiten: bei Hauterkrankungen, inneren Erkrankungen, als Expektorantien, bei Tumoren, Entzündungen, Herzrhythmusstörungen, Atherosklerose, bei Darmparasitosen, als Östrogene, Aphrodisiaka und Abortiva, in der Augenheilkunde. Die Wirkungen der Gifte richten sich mehr auf den Stoffwechsel und das Blut, sie sind von »entzündlich-lähmendem Charakter« (Pelikan 1980), aber es finden sich – abweichend von Pelikans Eingrenzung – auch »neurotrope« Wirkungen: Pulverisierte Samen von Anadenanthera peregrina erzeugen Trancezustände, Mucuna urens enthält Nikotin; Borke von Bussea occidentalis wirkt leicht betäubend, erzeugt Durst und Kopfjucken, die Lippe prickelt, schwillt an, Hitze steigt in den Kopf. Nach einer Stunde klingt es ab. Ein ausgesprochenes Alkaloidporträt! Eine gewisse Gegenstellung zu den so betont neurotropen Solanaceen-Giften offenbart Physostigma, das Physostigmin ist Parasympathikomimetikum und Atropin-Antagonist! Die verbreiteten Gerbstoffe zeigen dort, wo sie auftreten, dass die Pflanze die Astralisierung vom Eindringen bis in die vitalen Ätherprozesse abhält und sie neutralisiert. Wo die astralischen Impulse in der Form abgefangen werden, kommt es zu Dornbildungen (s. oben Acacia, oder Ononis). In anderer Richtung geht die Bildung von Schleimen und Gummen. Hier werden der austrocknendzusammenziehenden Wirkung der Astralität – und äußerer Hitze und Trockenheit – Stoffe entgegengesetzt, die das Flüssige in sich festhalten (Pelikan 1980). Die Abwehr fremder Astralität gehört als Gegenpol notwendig zum Verinnerlichen von Astralität, sie äußert sich in einer Vielfalt sogenannter Phytoalexine, die reaktiv gebildet werden (Daniel 2009, Roth 1994). Zum Stoffspektrum kommen daher hinzu Wirkstoffe gegen Insekten (einsetzbar auch gegen Malaria-Überträger), gegen Nematoden, Ringelwürmer, Nager.

Vataireopsis araroba (Aguiar) Ducke Zwischen den baumförmigen Leguminosen bestehen oft feine Unterschiede und fließende Übergänge, und dies führt selbst für Systematiker zu Abgrenzungsproblemen und Verwechslungen – etwa zwischen Andira, Vatairea, Vataireopsis, Vouacapoua, Bowdichia, Geoffroea, Ferreirea, Lumbricidia, Tipuana, Pterocarpus, Ostryoderris. Manche Art trägt 2–5 Synonyme! Unsere Art hieß zuerst »Andira araroba«, genauere anatomische Studien führten zur Umbenennung zu Vataireopsis araroba (de Lima 1980). Ursprünglich wurde die Gattung zur Tribus Dalbergieae gestellt: Letztere umfasst Bäume (Abb. 8), Sträucher oder Lianen mit unpaarig ge202

Abb. 8: Pterocarpus indicus auf Bogor/Westjava (aus http://upload.wikimedia.org/ wikipedia/commons/7/79/Pteroc_indic_071125_1716_ipb.jpg, Autor: Wibowo Djatmiko; Wie146, Lizenz CC BY-SA 3.0, 2.5, 2.0, 1.0).

fiederten Blättern (viele bis 5, selten 3-1 Fiedern), der Blütenstand ist eine Traube oder Rispe. Die Wurzelknöllchen sind vom »aeschynomenoiden« Typ. Die Früchte der Dalbergieae zeigen gegenüber dem Leguminosen-Typus zwei auffällige Abweichungen: entweder als geflügelte, häutige bzw. ledrige Schließfrüchte (Dreh-, Schrauben- und Scheibenflieger) oder als saftige Steinfrüchte. Flügelnüsschen haben Dalbergia, Machaerium, Pterocarpus (Abb. 9), Platymiscium. In der Gattungsgruppe Geoffraeinae finden wir dagegen einsamige Steinfrüchte mit fleischigem Mesokarp und mehr oder weniger verholztem Endokarp; hierher gehören Andira sowie die Kumarin-haltige Tonkabohne. Die Steinfrüchte von Andira können Faustgröße überschreiten (ihr Name, umgangssprachlich für »Fledermaus«, nimmt wohl darauf Bezug, dass diese Tiere die saftigen Früchte fressen). In schlauchförmigen Behältern der Rinden sammeln die Dalbergieae Gerbstoffe oder Latex. Bei Andira finden sich jedoch keine Anthrachinone und Anthrone. 203

Abb. 9: Zwei Arten von Pterocarpus mit häutig geflügelten, noch unreifen Hülsen (aus http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c1/Pterocarpus_indicus_ Blanco1.205.png; gemeinfreies Bild, aus Francisco Manuel Blanco: Flora de Filipinas)

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Abb. 10: Habitus von Vataireopsis araroba (aus Lorenzi 2002, S. 217, mit freundlicher Genehmigung von H. Lorenzi)

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Abb. 11: Borke und Holz von Vataireopsis araroba (aus Lorenzi 2002, S. 217, mit freundlicher Genehmigung von H. Lorenzi)

Abweichend von den Dalbergieae ist bei Vataireopsis die Röhre aus miteinander verwachsenen Staubfäden nur zu ¼ ihrer Länge ausgebildet, eine primitive Eigenschaft. Jüngst wurde die Gattung Vataireopsis zusammen mit Vatairea und Sweetia, Exostyles, Harleyodendron und Luetzelburgia in einer eigenen Gruppe abgegrenzt, dem »vataireoid clade« (Pennington & al. 2001, Wojciechowski 2003): Ihnen allen ist das Fehlen von Wurzelknöllchen gemeinsam. Unsere Art ist ursprünglich im brasilianischen Küstenregenwald von Sul da Bahia und im Norden von Espírito Santo angesiedelt, dort wird sie Angelim araroba, Angelim amarelo oder Angelim amargoso genannt (Abb. 10). Es ist ein laubabwerfender Baum, der zur Zeit der ersten Blüte 20 m Höhe erreichen kann und bis 35 m heranwächst, mit einer Pfahlwurzel sowie einem zweiten, flachstreichenden Wurzelsystem. Ihr Holz ist rauchig-gelb bis dunkelkastanienbraun (Abb. 11), hat eine Dichte von 0.60 g/cm3 und soll übelriechend sowie bitter schmeckend sein. Es dient vielen Zwecken, nachteilig sind aber sich bildende Längsrisse und die hellgelben Einschlüsse, in denen sich das »Pó de araroba« (Araroba-Pulver) sammelt. Das findet sich übrigens auch im Holz von Vataireopsis surinamensis, vermutlich sogar bei allen Arten der Gattung (de Lima 1980). Die reich gefiederten Blätter (bis zu 50 Fiedern) stehen am Ende der Zweige gehäuft. Stipeln fehlen, dafür haben die Fiedern kleine Nebenblättchen. Die Blüten stehen in aufrechten Rispen am 206

Ende der Zweige (Abb. 12). Die Infloreszenz und die Blütenkelche sowie die Früchte sind wie alle jüngeren Teile anfangs von gelb- bis rostigbraunem Haarfilz überzogen. Die Blütenblätter sind blauviolett mit einem helleren Fleck und verbreitern sich aus einem schmalen Stiel, der leichte Blütenduft lockt vor allem Hautflügler zur Bestäubung. Die Zahl der Staubgefäße beträgt nur 9 (8). Die Blütezeit fällt in die trockenere Periode Mai-Juli und setzt mit dem Laubabwurf ein. Die anschließende Fruchtbildung soll sich über das gesamte Jahr erstrecken. Der Fruchtknoten scheint leicht exzentrisch in der Blüte zu stehen. Er entwickelt sich zur meist einsamigen, abgeflachten Nuss, die oberseits in der Mediane einen nach vorne verlängerten, papierdünnen Flügel sowie zwei seitliche Flügel trägt (Abb. 13). Im Innern findet sich über dem Samen ein weich-poröses Gewebe, das möglicherweise Wasser für die Keimung speichert. Die ähnlich unseren »Bohnen« nierenförmigen, aber etwas asymmetrischen Samen (Abb. 14) mit gekrümmtem Embryo sind ohne Endosperm. Die Keimung findet epigäisch statt.

Das Besondere an Vataireopsis araroba Vom eingangs skizzierten Leguminosen-Typus weicht unser Baum also zweifach ab: indem er trockene einsamige Flugfrüchte bildet und keine Wurzelknöllchen zur Stickstoffbindung hat. Bei den evolutiv älteren Caesalpiniaceen ist Letzteres noch verbreitet, aber unsere Art gehört zu den Fabaceen, allerdings eher an der Basis ihrer Entfaltung. Sie nimmt kein fremdes niederes Leben in die Wurzel herein, womit auch der starke Stickstoffprozess zurücktreten muss, während die eben erwähnten Dalbergieae mit Flügelnüsschen auch Wurzelknöllchen haben. Das »Entlassen von Ätherkräften« in der Wurzel sollte bei unserer Art schwächer sein – ist dafür oberirdisch das Einsaugen von Astralität abgemildert? Die Verhaltenheit von Blütenfarbe und -duft, der urtümliche, lockere Infloreszenztyp (Rispe) am Ende von Zweigen – nicht etwa in Blattachseln tiefer im Baum – deuten in diese Richtung. Von den immergrünen tropischen Bäumen mit schweren, oft saftigen Früchten entfernt sich unsere Art und wird laufabwerfenden Bäumen gemäßigter Breiten ähnlicher, wo auch die Windausbreitung dominiert. Die Frucht fällt weder schwer zur Erde, noch ist sie einem Tier gewidmet, sondern sie wird, vergleichbar mit Früchten von Birke, Ahorn, Hainbuche, Ulme u. a., von der Luft weggetragen (über ihre Flugeigenschaften gibt es leider keine Auskünfte). Die Blütezeit fällt bemerkenswerterweise in den südhemisphärischen Winter, die Trockenzeit. Unsere Art führt den »Bogengestus« nicht zur Erde herab, sondern öffnet ihn einer mehr »objektiven« Astralität, die im Wind um die Erde herum wirkt. Die Astralität arbeitet an ihr mehr von außen herein, indem sie die trockenen, für die Luft geschaffenen Flügelfrüchte hervorbringt. Was wir im Holz von Vataireopsis 207

araroba als Sekundärstoff finden, weist an sich auf eine tiefer »eingesaugte« Astralität hin. Als farbige, pulverig-trockene und intensiv – dabei ziemlich antipathisch – riechende und schmeckende Substanz nähert sie sich aber mehr dem entvitalisierenden sulfurischen Pol, während flüssige Substanzen (Gerbstoffe, Latex) merkurieller wären, da sie den vitalen Prozessen noch näher stehen.

Abb. 12: Zweigende und Infloreszenz von Vataireopsis araroba (aus Lorenzi 2002, S. 217, mit freundlicher Genehmigung von H. Lorenzi)

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Abb. 13: Geflügelte Früchte von Vataireopsis araroba (aus Lorenzi 2002, S. 217, mit freundlicher Genehmigung von H. Lorenzi) Abb. 14: Samen von Vataireopsis araroba (aus Lorenzi 2002, S. 217, mit freundlicher Genehmigung von H. Lorenzi)

Leguminosen mit Wirkungen auf die Haut Auf die Haut gerichtete Wirkungen (Tab. 2) sind unter den Leguminosen erstaunlich verbreitet – sowohl heilsame wie schädigende. Vataireopsis araroba ist möglicherweise nicht die einzige, die als Heilmittel für Psoriasis dienen kann. Unsere Art wird man erst beurteilen können, wenn man sie vor dem Hintergrund anderer Leguminosen mit ähnlichen Wirkungen und Inhaltsstoffen sieht.

Psoriasis; Fußpilz; Herpes circinatus; Kopfgrind (Porrigo scutulata, P. decalvans, eine ansteckende Pilzerkrankung der Haare, Kopfhaut und Nägel); Sycose (chronische Haarfollikelentzündung); Ekzem; Lichen (Knötchenflechte, akute oder chronische Hautkrankheit mit Bildung kleiner, flacher oder zugespitzter, einzeln oder gruppiert stehender, evtl. leicht schuppender Knötchen); Akne; Trichophytien (Hautpilz) u. a. Hautkrankheiten

Tab. 2:

Erkrankungen, bei denen»Goapulver« aus Vataireopsis araroba, als Paste oder Salbe zubereitet, angewendet wurde.

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Das Beispiel von Trifolium pratense in Tabelle 3 kann uns als Fingerzeig dienen. Eine Heilpotenz gegen Psoriasis, die in der Blüte dieses Krautes steckt, verlagert sich bei unserer baumförmigen Art in das Holz. Der Prozess im Holz von Vataireopsis araroba ist mit einem Blüten-Prozess verwandt. Entzündungshemmende, adstringierende, Blutungen stillende Wirkungen sind bei Leguminosen verbreitet; dabei wird der Astralleib geordnet, das Wirkprinzip ist »antimonisierend«. Am bekanntesten ist wohl Acacia catechu (in der Behandlung des Mund- und Rachenbereichs), ferner Millettia megasperma mit einem hohen Tanningehalt, oder Tamarindus indica (Borke) – ihre pulverisierten Blätter wirken aber ätzend! Blätter von Brachystegia spiciformis dienen zur Wunddesinfektion. Zubereitungen aus Goapulver führen in hoher Dosierung oder zu lange dauernder Anwendung zu einer Psoriasis-artigen Hauteruption mit Hautabschuppung und zur Reizung der Konjunktividen (s. S. 215). Im Umkehrschluss gilt: Was schädigt, ist in geringerer Dosis in der Lage, zu heilen. So betrachtet sind weitere Leguminosen interessant, bei denen die Auslösung ähnlicher Haut- und Schleimhautsymptome dokumentiert ist, denn sie könnten ein weiteres Potenzial für Heilmöglichkeiten bergen (Tab. 4). Als vorläufiges Ergebnis lässt sich sagen, dass das Schwergewicht an hautreizenden, entzündlichen Wirkungen, bei denen das Nerven-Sinnes-System angesprochen wird, vor allem auf Baumarten warmer Klimate liegt. Ihre Hölzer zeichnen sich durch eine hochgradige Astralisierung oder, anders gesagt, eine »Imponderabilien-Verdichtung« aus (Kalisch 1997). Sie wirkt häufig nicht nur anregend auf Ichorganisation und Astralleib wie typische ätherische Öle, sondern in Richtung einer dislozierten Stoffwechseltätigkeit (Entzündungsreaktion). Eine bis zur Giftigkeit gesteigerte Astralisierung des Holzes zeigen Batesia floribunda und Campsiandra laurifolia (Holzstäube führen zu Erbrechen und Kopfschmerz) oder Bussea occidentalis (betäubend). Beim Gift kann der Organismus den »Fremdäther« und die eng damit verbundene Astralität nicht mehr wie im normalen Verdauungsprozess überwinden. Zu den krautigen Leguminosen und zu den gemäßigten Breiten nehmen die Wirkungen entzündlicher Art ab; möglicherweise besteht die Tendenz zu mehr inneren und »subtileren« Wirkungen (etwa der Favismus durch Vicia faba, eine akute hämolytische Anämie und Hepatitis), vielleicht sogar zur Tumorauslösung. Für ein Mittleres, nämlich Herzkreislaufwirkungen, finden wir ein Beispiel unter den Strauchartigen beim europäischen Besenginster (Sarothamnus). Es bleibt zu prüfen, ob eine solche Dreigliederung der Leguminosen-Wirkungen tragfähig ist. Tab. 3:

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Leguminosen mit therapeutischem Einsatz bei Hauterkrankungen, auch in der Volksmedizin (ohne Garantie auf Vollständigkeit, nach Mitchell & Rook 1979, Daniel 2009, http://www.henriettesherbal.com)

Art,verwendete Teile Abrus precatorius, Samenextrakt

Anwendungen, Kommentare gegen Geschwüre und Hautaffektionen, Dermatitis

Albizia saponaria

gegen übermäßige Hautabschuppung (Verwandtschaft mit Psoriasis?)

Anthyllis vulneraria ssp. alpestris Cajanus cajan, Blätterinfus Cassia senna, pulverisierte Blätter und Früchte Caesalpinia bonduc, Borke

zur Heilung von Wunden und Geschwüren gegen wunde Stellen und Schwellungen in der traditionellen marokkanischen Medizin zur Behandlung kutaner Neoplasmen Hautrötung provozierend, eignet sich zur Herstellung von Zugpflastern

Chaetocalyx latisiliqua, zerstampfte Blätter

gegen Hautausschläge

Dalbergia mimosella, Blattpresssaft, Borke

bei Wunden

Derris elliptica, Stamm – Blätter

für Impetigo – Oxyuriasis; Polarität: äußerlich gegen Entzündungen, innerlich gegen Würmer, vgl. z. B. Andira anthelmia mit anthelminthischer Wirkung

Derris indica, Samenpaste

Gleditsia chinensis, Dekokt Melilotus indica, als Badezusatz Myroxylon-Arten (Tolu-, Perubalsam)

bei allen Hauterkrankungen wie Krätze, Ekzemen, Geschwüren, gegen lepröse Wunden; bei schmerzhaft rheumatischen Gelenken; fiebersenkend, Tonikum für asthmatische u. a. Schwächezustände. Verbindung von Haut- und Gelenkwirkung interessant im Hinblick auf Psoriasis Geschwüre und Hautkrankheiten Warzen, Rheumatismus und Wunden gegen Hautkrankheiten

Ononis spinosa, Wurzel Pithecellobium scutiferum Psoralea corylifolia Pterocarpus marsupium (Malabar-Kino), Kernholz – Borke – Blätter

zum Waschen von Geschwüren gegen Hautausschläge bei Lepra und Leukodermie wohlbekannt gegen Lepra u. a. Hautkrankheiten – Diabetes – Krätze, Leukodermie

Pterocarpus officinalis (Drachenblutbaum), Harz Pterocarpus santalinus, Holz

blutstillende Wirkung

Süßholzwurzel, mit Honig verarbeitet Tephrosia purpurea, ganze Pflanze Vatairea-Arten, Abkochungen der Borke

gegen Beulen, Brandwunden gegen Hautkrankheiten bei Ekzemen

Vataireopsis speciosa

in der indigenen Medizin gegen Lepra, außerdem fischgiftig, angeschnittene Rinden und Wurzeln stinken widerlich, ihr Saft soll für Menschen extrem giftig sein (von Reis & Lipp 1982) auf Beulen bei Verbrennungen, alten Wunden, innerlich zur Behandlung chronischer Hauterkrankungen wie Psoriasis und Ekzemen

Strongylodon lucidus, Blätter Trifolium pratense, Blüten

bekanntes Mittel bei Hautpickeln, Narben und Hautkrankheiten

Dermatitis – Auslösung durch Holzstaub (bei der Verarbeitung, daher häufig auf den Schleimhäuten) oder durch Direktkontakt

Apuleia molaris, Brya ebenus (Querflöten), Caesalpinia apuleia, Calliandra tetragona, Cassia siamea, Cicer arietinum (Kraut!), Cyamopsis tetragonoloba (= Psoralea t.), Dalbergia-Arten (dazu gehören Palisander und Jacaranda, D. stevensonii und D. nigra; diese Hölzer sind hart, kompakt, von extremer Dauerhaftigkeit, licht rotorange bis dunkelrot mit dunkleren konzentrischen Ringen. Eine ölige Substanz macht das Holz wasserfest), Haematoxylum campechianum, Hymenaea courbaril (Kopalharz), Lonchocarpus nicou, Millettia stuhlmannii, Onobrychis sativa, Paramachaerium schomburgkii, Peltogyne-Arten, Peltophorum violacea, selten auch bei Phaseolus, Pithecellobium-Arten, Plathymenia reticulata, Prosopis juliflora, Pterocarpus-Arten, Pterygopodium balsamiferum, Swartzia-Arten, Sweetia fruticosa (Grundlage sind wahrscheinlich Anthrachinone), Vouacapoua americana, Whitfordiodendron erianthum (hat sehr saure Früchte), Zollernia paraensis Es finden sich hier vorwiegend Bäume mit stark »astralisiertem« Holz, aber auch einige Krautige.

Dermatitis + Reizungen der Nasenhöhle, Nasenbluten

Castanospermum

Dermatitis + Entzündung, nässender Ausschlag, Fieberschübe

Cladrastis lutea

Dermatitis + langandauernde Hautirritation bis Geschwürbildung

Dalbergia cearensis

Dermatitis + Atemwegssymptome

Pericopsis elata

Kontaktdermatitis einschließlich Fotosensibilisierung

Acacia jacquemontii, Bowdichia nitida (vermutlich durch Chinone und Benzochinone), Coronilla glauca (durch Psoralen), Dalbergia-Arten (Kreuzreaktion zwischen Dalbergia und Primula! Dalbergione und Primine sind verwandt), Distemonanthus (Glykosidflavonoide), Lathyrus hookeri, Machaerium scleroxylon, Medicago minima, M. polymorpha und M. sativa (als Viehfutter), Phaseolus (führt zu Melanosis Riehl), Psoralea corylifolia (seit 1400 v. Chr. gegen Vitiligo eingesetzt), Trachylobium, Trifolium (Trifoliosis durch die Futterpflanze, möglicherweise sind aber Rostpilze dafür verantwortlich), Vatairea guianensis (Holz enthält Chrysophansäure, Physcion und deren Anthranole), Vatairea lundelli (ebenfalls Chrysophansäure)

Kontaktallergie, Keratitis, Depigmentierung des Augenlides

Physostigma

Hautirritation

Mimosa pigra (Wurzeln)

eiternde Hautentzündungen

Acacia aneura (= Mulga)

Hautentzündungen, die ein Erysipel nach sich ziehen können

Koompassia excelsa (Saft), das frische Holz ist hoch entflammbar, muss also ätherische Öle enthalten.

ekzematöse Rötungen

Neorautanenia pseudopachyrrhiza (nach Einreiben mit der Rübe)

Verhärtungen, Schwellungen in Subkutis vor allem an den Extremitäten

Robinia pseudacacia (Abkochung)

Reizwirkung auf Schleimhäute – Atemwege, Konjunktividen usw.

Abrus precatorius, Acacia cunninghamii u. a. Acacia-Arten, bei Acacia delibrata (Saponin in den Hülsen; Einatmung als Sägestaub bei Holzverarbeitung!), Albizia dinklagei, Echyrospermum balthazarii, Entada phaseoloides, Erythrophleum guinense (Alkaloide im Holz! Wirkt im Mund anästhesierend); Millettia laurentii (kann zu anhaltenden Entzündungen führen, der Sägestaub zu Unterleibskrämpfen), Mora excelsa (Sägestaub schmeckt herb, gallig), Piptadenia africana, Piptadeniastrum africanum (frisch gesägtes Holz verrät durch Ammoniakgeruch einen starken »Stickstoffprozess«), Schotia brachypetala, Tephrosia virginiana (Konjunktivitis, Dermatitis, Rhinitis, durch Rotenon außerdem betäubend), Vatairea guianensis (»Rebhuhnholz«, Konjunktivitis), Sophora zambesiaca

(sehr verbreitet)

scharf niesreizend

Sägestaub von Baphia nitida, Niespulver aus Samen von Calliandra portorensis, Enterolobium ist atemwegreizend, desgleichen die Behaarung der Soja-Hülsen

allergen

Pollen von Ceratonia siliqua, Crotalaria-Arten, Asthma bei Dalbergia nigra, Medicago sativa, Myroxylon balsamum (Bestandteile des Perubalsams), Peltogyne-Arten (Dalbergione), Heuschnupfen durch Prosopis-Arten

Urticaria

Andira inermis (+ Husten); Erdnuss-Öl als Injektionsträger, Copaifera-Arten, Dalbergia cochinchinensis (+ Schwellungen, Dermatitis), Medicago sativa, Mucuna-Arten

Juckreiz

Acacia harpophylla, Mucuna pruriens: durch ein proteolytisches Enzym (Mucunain), Andira americana (Acapú, erzeugt dauerhafte juckende Papeln), Bussea occidentalis (+ Betäubung, Lippenschwellung, Hitze im Kopf, Durst)

Haarausfall bei Frauen

Rauch von Zapoteca formosa

Laminitischer Crotalismus

Crotalaria burkeana (eine Entzündung der hornbildenden Haut und Verdickung des Hufes bei weidenden Huftieren nach Art einer Onychogryphosis; ob dies eine lokalisierte Variante der Psoriasis ist, wäre zu untersuchen)

Erbrechen und Kopfschmerzen

Batesia floribunda (Sägestaub), ähnliche Wirkung: Campsiandra laurifolia

Tab. 4:

Leguminosen mit pathologischen Wirkungen auf die (Schleim-)Haut (nach Mitchell & Rook 1979, Daniel 2009, sortiert nach Stichworten)

Vataireopsis araroba – Inhaltsstoffe, therapeutisches Prinzip Wir müssen unterscheiden 1. die Rohdroge Araroba, 2. das daraus getrocknete Goapulver (Rohchrysarobin) und 3. den daraus isolierten Reinstoff Chrysarobin. Die Rohdroge »Araroba« (volkstümlich: Angelim Amarello, Angelim Amargoso, Bitter Angelim) ist eine purpur-braune Konkretion im Holz (Tunmann 1915). Nach Hegnauer & al. entsteht es im Parenchym und den Holzstrahlen des Xylems und sammelt sich anschließend in schizogenen Hohlräumen. Getrocknet und pulverisiert ergibt es »Goapulver«. Das enthält annähernd 50% »Chrysarobin«, eine Mischung aus neutralen Anthrachinonderivaten (Abb. 15) von »stark reduzierender Wirkung« (Hauser 1924), hauptsächlich bestehend aus Chrysophanolanthron / Chrysophanolanthranol (= 1,8-Dihydroxy-3-methyl-9-Anthron) und Physcionanthron / Physcionanthranol (= 1,8-Dihydroxy-3-methyl-6-methoxy-9-Anthron). Auch reines 1,8-Dihydroxy-3-methyl-9-Anthron, das 30% des natürlichen Chrysarobins ausmacht, wird als »Chrysarobin« bezeichnet (»Araroba depurata«), ein blass- bis orangegelbes, mikrokristallines, geruch- und geschmackloses Pulver. Goapulver enthält daneben eine geringe Menge freier Chrysophansäure. Harzsubstanzen kommen nach Hegnauer & al. entgegen anderslautender Angaben im Goapulver nicht in nennenswerten Mengen vor. Chrysarobin lässt sich durch Erhitzung zum Teil sublimieren. In konzentrierter Schwefelsäure lässt es sich lösen, gießt man die tiefrote Lösung in Wasser, so setzt sich Chrysarobin unverändert wieder ab. In Lauge lässt es sich auch lösen, bei anschließendem Ansäuern bis zum Neutralen verliert die Lösung ihre Farbe. Im Kernholz wird Chrysophanol gefunden. Dessen biologische Wirkungen sind in moderater Form antimykotisch, antiviral, auch fraßhemmende Wirkung gegenüber Vögeln und Insekten sind nachweisbar (Noll 2006). Die Inhaltsstoffe werden so charakterisiert: »Die Schwierigkeiten, welche die Trennung dieser Bestandteile bereitet, bestehen darin, dass sich dieselben außerordentlich ähnlich verhalten, teils leicht zusammenkristallisieren zu Gemischen von fast konstantem Schmelzpunkt, teils schwer trennbare, amorphe Gemische bilden, dass sie oft kaum Löslichkeitsunterschiede zeigen und ihre Löslichkeit in verschiedenen Solventien gegenseitig beeinflussen; endlich sind einige Bestandteile sehr leicht veränderlich und besonders bei Gegenwart von Alkalien leicht oxydierbar (Hauser 1924)«. Goapulver (nach der indischen Hafenstadt Goa), manchmal auch Brazil Powder genannt, wurde 1878 durch den englischen Dermatologen Balmanno Squire in die westliche Medizin eingeführt und als Paste oder Salbe (s. S. 209) verwendet (Strakosch 1944). Auch Chrysarobin wurde in derselben Weise angewandt. Die Anwendung verlief bei den brasilianischen Indios so: Mit einer aufgeschnittenen Limette wurde das Pulver aufgenommen und auf die betroffenen Hautstellen getupft. Die Brasilianer mischten es mit Essig. 214

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Chrysophanol anthrone OH

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Dithranol

Abb. 15: Formelbild (aus http://www.botanical-dermatology-database.info/Images/ Chrysarobin.tiff, mit freundlicher Genehmigung)

Aus einer Fallbeschreibung geht hervor, dass eine Dosierung mit der doppelten Menge als vorgeschrieben eine Psoriasis-artige Hauteruption hervorrief, die mit Rückkehr zur normalen Dosis wieder abklang. Über die Tendenz des Chrysarobins, gelegentlich eine stärkere Erkrankung hervorzurufen, als es sie heilen kann, wurde früh berichtet (Felter & Lloyd 1898), ebenso Fälle, dass die Anwendung von Chrysarobin auf Gesicht oder Kopfhaut ein Erythem mit Schwellung und Hautabschuppung hervorruft, sowie gerötete Konjunktividen (dies rechtfertigt das Interesse an anderen Leguminosen mit ähnlichen Hautwirkungen). Sogar eine mehrere Wochen andauernde, sehr schmerzhafte Entzündung in Verbindung mit wiederkehrenden Furunkeln wurde beobachtet. Innerlich genommen wirkt Chrysarobin langanhaltend laxierend (Anthrachinonwirkung). Es wirkt ebenso wie frische Faulbaumrinde brecherregend (Tunmann 1915). In Kombination mit Belladonna und Iodoform wurde es als Hämorrhoidensalbe gelobt. Goa und Chrysarobin ergeben eine gelblich-rote Farbe und können daher die Kleidung verfärben; es wird auch von einer braun-violetten Verfärbung berichtet (Jachens in Vorb.). Da unser Baum auch als Konstruktionsholz verwendet wird, wundert es nicht, dass Reizwirkungen auf Augen und Atemwege bekannt sind (Sägestaub). Chrysophansäure erregt Konjunktivitis und Hornhautentzündung. Bei den Dalbergia-Arten sowie bei Machaerium, Peltogyne und Goniorrhachis fand man als Auslöser der sensibilisierenden, Dermatitis erregenden Stoffe eben215

falls Chinone (sog. »neoflavonoide« Dalbergione A, B, C; Sandermann 1956). Die Anthrone oder Anthrachinone finden sich außer im Kernholz von Vataireopsis auch in dem von Vatairea (Chrysophanol in mehreren Arten, zusätzlich Emodin bei Vatairea heteroptera; Hegnauer & al.). Gift- und Heilprinzip liegen also nahe beieinander. Dass wir es dabei mit einem phytotherapeutischen Wirkprinzip zu tun haben, zeigt folgendes Phänomen bei der Anwendung von synthetischem Chrysarobin (Dithranol, siehe folgenden Absatz). Einen zum Beispiel münzgroßen Psoriasis-Fleck bringt es zur Abheilung, während die Umgebung des Herdes in 2–3 cm Breite mit gereizter Rötung reagiert (Jachens, persönliche Mitteilung). Die Effektivität der Behandlung mit Dithranol (bzw. Chrysarobin) hängt von der Dosierung sowie der präzisen Lokalisierung ab: Es gilt also das phytotherapeutische Dosis-Wirkungsprinzip, und es handelt sich um eine Wirkung auf den physischen Leib. Es wird behauptet, dass »Araroba« effizienter wirkt als das gereinigte Chrysarobin, da es eine aktive Substanz enthalte, die nach der Chloroformextraktion im Rückstand bleibe. Dieselbe Quelle berichtet auch, dass oxidiertes Chrysarobin weniger hautirritierend wirkt. Die Wirkung soll auf einem oxidierenden Prozess in der Haut beruhen, woran die im Schweiß bzw. Talg ausgeschiedene Ölsäure beteiligt sein soll. Eine Salbe auf Bleioleat-Basis soll am besten sein. Die 1916 erstmals synthetisierte Imitation des Chrysarobins, »Dithranol« (USA: »Anthralin«, BRD: »Cignolin«, siehe Abb. 15), entfaltet seine Wirkung vermutlich durch eine Hemmung der DNS-Synthese (in erster Linie in den Mitochondrien) und der oxidativen Phosphorylierung (Atmungskette), sowie einer Hemmung der Chemotaxis und Aktivität von neutrophilen Granulozyten und Monozyten. Chrysarobin war um 1900 ein wichtiges Antipsoriatikum, ist heute aber weitgehend obsolet, da es durch Dithranol ersetzt wurde, und im Falle von Hautpilzerkrankungen durch zuverlässigere antimykotische Mittel.

Psoriasis – menschenkundliche Diagnose In der Epidermis, dem »oberen Menschen« (Sinnesnervenmenschen) unterstehend, ist die Neigung des Blutes, ins Unorganische überzugehen, beim Psoriatiker zu schwach. Damit ist die physische Organisation mit ihrer Gesetzmäßigkeit des Mineralischen in der Epidermis zu gering vertreten. Demgegenüber sind die stoffbewegenden Kräfte des Blutes, aus dem »unteren Menschen« stammend, überbetont, sie überschwemmen die Epidermis mit Eiweißprozessen und Entzündungszellen, es herrscht eine extrem gesteigerte Zellteilung im Stratum basale. Die vom Nerv ausgehenden Todeskräfte sind nicht ausreichend vorhanden, sodass der 216

formende und differenzierende Einfluss auf die Keratinozyten zu gering bleibt; die fein geschichtete Ordnung des oberen Coriums und der Epidermis »zerweicht«. Hier wäre es Aufgabe der Ich-Organisation, über die Nervenprozesse in der Epidermis Ätherleib und Astralleib in die Schranken zu weisen. In dem Bereich der Haut, der dem mittleren Menschen zuzuordnen ist, dem Papillarkörper des oberen Coriums, sollte normalerweise der Astralleib über Blut und Nerv im Gleichgewicht eingreifen. Im psoriatischen Herd wirkt er jedoch zu stark auf der Blutseite (Einwanderung von Lymphozyten und neutrophilen Granulozyten), während er auf der Seite des Nervs zu schwach eingreift und so den Prozess nicht in ein geregeltes Absterben und damit in die physische Organisation überführen kann. Das Verhältnis von produktiver Neubildung und bremsender Erhaltung befindet sich nicht im Gleichgewicht. Als kompensierende Reaktion stellt sich eine überstürzte Keratinozytopoese ein, die Tendenz zu einem »Schuppenpanzer«. Es fehlt an grenzbildenden Kräften, die die Gefäße abdichten und der Haut ihre Barrierefunktion verleihen; ein Mangel an »antimonisierenden« Formkräften liegt vor (Jachens in Vorb.). Darum sind Prädilektionsstellen vor allem solche Hautbereiche, wo äußere Kräfte die Grenze Haut normalerweise durchdringen (wie das Licht, die Feuchtigkeit), aber auch dauernd abnützen und gelegentlich verletzen können (mechanische Belastungen, Wunden, Insektenstiche u. a.). Man kann auch von einem gestörten Lichtstoffwechsel sprechen; Lichtmangel fördert bekanntlich ein Manifestwerden der Psoriasis (Jachens in Vorbereitung). Die Ich-Organisation, die in der Haut den Bildungsprozess vom Ätherleib (Zellproliferation) über den moderat rhythmisierenden und abtötenden Astralleib bis zur physischen Organisation dirigieren müsste, ist zu schwach. Interessant ist, dass 30% der Psoriasispatienten später zusätzlich Arthritis bekommen.

Ratio der Psoriasis-Behandlung mit »Araroba« – das »eingestülpte ätherische Öl« Die wirksamen Inhaltsstoffe unseres Baumes (Anthranoide) sind reine Kohlenwasserstoffe, sie enthalten keinen Stickstoff, sind nicht glykosidisch gebunden, bestehen aus einer Verdichtung mehrerer Kohlenstoffringe zu einem starren »Gerüst« und sind daher Fett-affin, in Wasser kaum, aber in Äther löslich, wobei ein auch in Benzol unlöslicher harzartiger, sauer reagierender Rückstand bleiben soll. Diese Substanzen sind sulfurisch: unlöslich in Wasser im Gegensatz zum typisch »Salzartigen« (Steiner 1920). Sie sammeln sich als eine Aussonderung aus den vitalen Pflanzenprozessen, wie das auch bei ätherischen Ölen und Harzen der Fall ist – aber im Innern des Holzes eingeschlossen, nicht an die Oberfläche und damit in die Luft und Wärme orientiert: ein Sulfurisches, das nicht zum Duft wird. Damit 217

tendiert es weg von seinem Pol, allerdings nicht so weit, dass es zu Glykosiden führen würde, dem herrschenden Typus im mittleren Bereich der Sekundärstoffe. In gewisser Weise sind es damit »eingestülpte ätherische Öle«. Die typischen ätherischen Öle (Lippenblütler) üben ihre Wirkung vor allem so aus, dass sie Astralleib und Ich-Organisation von außen über die Sinne für eine in den Stoffwechsel, also nach innen, eingreifende Aktivität »interessieren«. Die pflanzliche Bildegebärde der ätherischen Öle und die Wirkgebärde im Menschen verlaufen entgegengesetzt; das Zentrifugale wirkt zentripetal. Die »eingestülpten« ätherischen Öle unseres Baumes müssten die Wirkgebärde wieder in die entgegengesetzte Richtung leiten, also die innere Stoffwechselanregung wieder nach außen in den Bereich der Sinnes-Nerventätigkeit lenken, bis in die Haut. Ihre entzündungserregende Wirkung auf der Haut bei kräftiger Dosierung bestätigt diese Annahme. Reduziert man die Dosis, so müsste sich eine ordnende, die überschießende Zellproliferation begrenzende Wirkung durchsetzen. In genau diesem Sinne wurde das Exkret aus dem Holz unseres Baumes auch eingesetzt. Wir können diese sekundären Inhaltsstoffe von Vataireopsis araroba noch unter einem anderen Blickwinkel betrachten. Im Pflanzenreich finden wir einen Prozess, durch den als Schutz gegen äußere Einflüsse die Oberfläche der Pflanze von einer ständig von innen nachgeschobenen Schutzhülle umgeben wird, der toten Borke; sie befindet sich im Äquilibrium zwischen Neubildung von innen und konsolidiertem Verharren, bevor sie unweigerlich abfallen muss wegen des Dickenwachstums des Stammes. Während die Neubildung von innen vom Ätherleib des Baumes angetrieben wird, führen die verinnerlichten astralischen Kräfte zum Absterben, Erhärten, Dauerhaftwerden. In dem Gleichgewicht beider scheint ein Bild einer noch höheren geistigen Tätigkeit auf, einer »Ich-Organisation«, die der einzelne Baum nicht besitzt, die aber die Gesamtheit aller Pflanzen umfasst. Die strenge Aufrechte der Stammbildung des Baumes gehört zu diesem »Ich-Bild«. In der Umhüllung des Stammes zeigt der Baum einen verwandten Prozess zur Hautbildung bei Tier und Mensch. Eine Metamorphose bringt »Schutz- und Abwehrstoffe« hervor, die das Holz sogar im Innern unangreifbar, unverdaulich oder abstoßend machen, gewissermaßen eine »internalisierte Borkenbildung«. Solange das Holz unverletzt bleibt, treten diese Stoffe nicht an die Oberfläche. In den tropischen Baumhölzern der Leguminosen finden wir in großer Vielfalt Stoffbildungen im Holz, die diesen Prozess ausdrücken. Hier arbeitet die Astralität nicht nur an der Oberfläche, das Vitale abschließend, formend, schützend, sondern der Baum saugt sie stark nach innen ein, und es tritt eine »empfindliche Wachheit« gegenüber äußeren Attacken (Pflanzenfresser, Pilze, Mikroorganismen) auf, die bis in die absterbenden Holzpartien wirksam ist, allerdings nicht als Bewusstseinsprozess, sondern als stoffliche Bildungsaktivität. Die Anthranoide gehören auch zu diesen Stoffen (vgl. S. 214, Noll 2006). 218

Vergleicht man dies mit dem hysterischen Typus, der der Psoriasis zugrundeliegt (Jachens in Vorb.), so erkennen wir eine Verwandtschaft, die aber durch das zu ihr Polare von der Pflanze überwunden wird: Beim hysterischen Typus können die ätherisch-astralischen Fremdkräfte, die zum Beispiel mit der Nahrung aufgenommen werden, stark in ihrer Eigenheit fortwirken, weil der »obere Mensch« nicht in der Lage ist, sie genügend zu überwinden. Das Ergebnis dieser ungenügenden Verdauung muss zentrifugal an der Oberfläche (Haut) in einem Übermaß »albuminisierender« Tätigkeit zu Tage treten. Bei tropischen Bäumen wie Vataireopsis araroba ist der Ansturm fremden, auflösenden und abbauenden Lebens groß, gegen die sich die Pflanze dadurch erwehren kann, dass sie stärker als normal Astralität in sich einsaugt und als Sekundärstoffe ein Gegenmittel produziert, das diese Angriffe stoppen kann. Die gebildeten Anthranoide mit ihrem komplexen Kohlenwasserstoffgerüst sind selbst keineswegs Abbauprodukte; man muss diese über Polyketide synthetisierten Stoffe als besondere Aufbauleistungen (pflanzlicher Ätherleib) sehen, die aber nicht übermäßig »überquellen«, sondern entvitalisiert und damit zur Ruhe und Dauerhaftigkeit gebracht wurden (astralische Kräfte). Man kann die Anthranoide in ihrer paradoxen, weil »unsichtbaren« Farbigkeit auch als Ergebnis »eingefangener« und verdichteter Lichtätherkräfte betrachten. Außerdem haben wir gesehen, dass sich bei unserem Baum die durchdrungenen vegetativen und generativen Prozesse etwas auseinander lösen; die Entfaltung von Laub und Blüte ist nicht mehr zeitlich ineinandergeschoben oder überlagert wie bei vielen Bäumen der immerfeuchten Tropen, sondern – entsprechend dem zweiphasigen wechselfeuchten Klima – getrennt und damit rhythmisiert. Dies deutet auf eine Dämpfung der astralischen Kräfte, was der Übergang zur Windfrüchtigkeit unterstreicht; der Tierbezug im generativen Bereich ist reduziert. Daher nähert sich unser tropischer Baum ein Stück weit dem Baumtypus der gemäßigten Breiten. Merkwürdigerweise scheint sich der vegetativ-generative Rhythmus einer »normalen« Entwicklung zu widersetzen, da die Blütezeit gerade in den Südwinter fällt. Das hängt aber damit zusammen, dass dies die trockenere Periode ist. Trockenheit fördert die Blüte. Während der Regenzeit muss sich das Laub entfalten. Vataireopsis araroba zeigt also in seiner Anthranoidbildung eine Art Gleichnis der hysterischen Konstitution im Psoriasisprozess, die aber zum Ausgleich gebracht wird. Die übersteigerte astralische Tätigkeit wird gebremst, gemäßigt und rhythmisiert durch eine noch höhere Instanz. Wir können das als Bild einer Ich-Tätigkeit ansprechen, die beim Psoriatiker therapeutisch aufgerufen werden muss, und als Verdichtung von Lichtkräften, die beim Psoriatiker verstärkt wirken müssen. Darum kann die »Araroba«-Substanz als äußerlich angewendetes Heilmittel bei Psoriasis dienen.

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Ich danke der Christophorus Stiftung in der GLS Treuhand e.V. (Stuttgart) für finanzielle Förderung, Herrn Dr. med. Lüder Jachens (Oberthalhofen/Allgäu) und Herrn Professor Dr. med. Christoph Schempp (Universitätsklinik Freiburg/Br.) für fachkundige und ideelle Unterstützung, ferner Herrn R. T. Pennington (Royal Botanic Garden Edinburgh) für Zusendung wichtiger Literatur und Herrn Dr. Harri Lorenzi (Instituto Plantarum de Estudios da Flora Ltda., Nova Odessa/SP, Brasilien) für die Genehmigung zur Wiedergabe der einzigen Fotos, die es in der Literatur von Vataireopsis araroba gibt. Frau Dr. Roselies Gehlig unterstützte mich dankenswerterweise mit der Beschaffung von Abbildungen und der Abdruckgenehmigung von Herrn Dr. H. Lorenzi.

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Der Autor Michael Kalisch (* 30.1.1957 in Karlsruhe), Besuch der Waldorfschule Pforzheim. Musikstudium (Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter), Biologiestudium mit Schwerpunkt Botanik (Universität Tübingen). Seit 1997 selbständiger Autor mit zahlreichen Forschungsaufträgen, als Wissenschaftskorrespondent und freier Mitarbeiter für anthroposophische Zeitschriften. Beschäftigung mit goetheanistischen und naturwissenschaftlichen, allgemein anthroposophischen, medizinischen und zeitgeschichtlichen Themen. 60 Beiträge in »Das Goetheanum« und 50 Beiträge in anderen Zeitschriften wie »Gegenwart«, »Die Drei«, »Erziehungskunst«, »Elemente der Naturwissenschaft« u. a. Auftragsarbeit für die »Forschungsstelle Kulturimpuls« (vormals Heidelberg, jetzt Dornach) zur Geschichte der anthroposophischen Tätigkeit zwischen 1925 und 1989. – Nebenberuflich Klavierbegleiter für den Eurythmieunterricht.

Buchveröffentlichungen: Das Mysterium des Bösen (in der Reihe »Rudolf Steiner – Themen aus dem Gesamtwerk«, Band 19). Stuttgart (1993) Kiene, H. & Kalisch, M.: Wissenschaftliche Dogmen bei der Nachzulassung von Arzneimitteln in der Bundesrepublik Deutschland. Aurelia-Verlag, Baden-Baden (1995) Das Böse – Polarität und Steigerung. Vier Stufen der Erkenntnis. Stuttgart (1998)

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