trend Betriebliches Gesundheitsmanagement Positionen, Perspektiven, Praxis

August 24, 2017 | Author: Berndt Jaeger | Category: N/A
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trend Betriebliches Gesundheitsmanagement Positionen, Perspektiven, Praxis

E B O R P E rh ä l t l i c h . S e p o E h S t t a L delsbl ist im H a n m/ -shop.co t t D i e St u d i e a l b s l e d w.han http://ww

Impressum Haftungsausschluss Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert und zusammengestellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts sowie für zwischenzeitliche Änderungen übernehmen Redaktion, Verlag und Herausgeber keine Gewähr. Herausgeber Handelsblatt GmbH, Kasernenstraße 67, 40213 Düsseldorf Die Handelsblatt GmbH ist ein Unternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH Geschäftsführung Marianne Dölz, Dr. Michael Stollarz Registergericht Amtsgericht Düsseldorf, HRB 38183 UID 812 813 090 HEK – Hanseatische Krankenkasse, Wandsbeker Zollstraße 86-90, 22041 Hamburg Ansprechpartner Studie Birgit Riegel, Vorstandsreferentin Vorstand Jens Luther, Torsten Kafka Verwaltungsratsvorsitz Horst Wittrin Aufsichtsbehörde Bundesversicherungsamt, Friedrich-Ebert-Allee 38, 53113 Bonn Vertriebsservice Handelsblatt-Shop, Tel 08 00 . 0 00 20 56, Fax 08 00. 000 20 57, [email protected], www.handelsblatt-shop.com Projektkoordination Susan Koll, [email protected] Verlag corps. Corporate Publishing Services GmbH, Kasernenstraße 69, 40213 Düsseldorf, www.corps-verlag.de Geschäftsführung Holger Löwe, Wilfried Lülsdorf Redaktion Nils Hille (Leitung) Gestaltung Ernst Merheim Titelfoto Fotolia/Merheim (M) Druck Medienhaus Ortmeier GmbH, Industriestraße 8, 48369 Saerbeck

Fotos: picture-factory, Froböse, fotolia/Merheim (M); Beckl

Inhalt

Positionen 6

Gesundheitsmanagement aus Sportwissenschaftssicht

Professor Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln kommentiert. Er sieht Pausen im Sport und im Beruf als Erfolgsfaktor für gute Leistung.

8

Gesundheitsmanagement aus Unternehmenssicht

Klaus Pelster, Leiter Health Management bei Mercer Deutschland, im Interview: Ein konsequentes Betriebliches Gesundheitsmanagement ist eine wirtschaftlich gute Investition.

9

Gesundheitsmanagement aus Krankenkassensicht

Jens Luther, Vorstand der Hanseatischen Krankenkasse (HEK), im Gespräch: Geschäftsentscheider sind für die Initiierung und Etablierung von Gesundheitsmaßnahmen zuständig.

10 Gesundheitsmanagement im Profil Aktuelle Zahlen zum Thema: Die deutschen Unternehmen leiden unter den Gesundheitsproblemen ihrer Mitarbeiter. Mit der Einführung von Maßnahmen verbinden sie klare Ziele.

Perspektiven

Praxis

12 Beschwerden und Bereitschaft

20 Nachfrage und Nutzung

28 Best Practice – Drei Erfolgs-Rezepte

Physisch wie psychisch - die Krankheiten der Angestellten in mittelständischen Unternehmen

Die Beschäftigten mittelständischer Betriebe benötigen nach eigener Auskunft vor allem Bewe-

Beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement ist keine Universallösung für alle Unternehmen mög-

sind vielfältig. Trotzdem setzen sie sich privat nicht genügend für ihr Wohlbefinden ein. Hier muss das Betriebliche Gesundheitsmanagement

gungstrainings und Rückenschulungen. Je weiter das Angebot im Gesundheitsmanagement in ihrem Unternehmen reicht, desto häufiger nehmen

lich. Für ein erfolgreiches Programm benötigen sie und ihre Mitarbeiter stattdessen zwingend einen individuelles Maßnahmenpaket. Drei unterschiedli-

greifen.

sie dieses auch wahr.

che Beispiele zeigen, wie es funktionieren kann.

16 Angebot und Auskunft

24 Zufriedenheit und Zukunft

Service

Jedes zweite Unternehmen in Deutschland sorgt

Wenn ein Unternehmen ein individuell auf die

sich bisher nicht nachhaltig um die Gesundheitsförderung seiner Mitarbeiter. Höchstens die größeren Mittelständler bemühen sich schon in diesem

Belegschaft passendes, weitreichendes Angebot im Betrieblichen Gesundheitsmanagement schafft, steigt deren Zufriedenheit. Die Mitarbeiter

Sektor. Aber alle integrieren und informieren ihre Angestellten zu wenig in den Prozess.

beteiligen sich verstärkt daran, auch mit privater Zeit und eigenem Geld.

32 Preis / Copyright

Das Handelsblatt und die Hanseatische Krankenkasse (HEK) haben 1.000 Arbeitnehmer in Deutschland ab 18 Jahren befragen lassen. Sie gaben mithilfe einer internetbasierten Befragung im Dezember 2011 Auskunft zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Die in den Abbildungen angegebenen Zahlen sind gerundet. Eventuelle Abweichungen lassen sich durch die Rundungen auf ganze Zahlen erklären.

Positionen

9

Gesundheitsmanagement aus Krankenkassensicht

„Das Thema ist Chefsache“ Jens Luther, Vorstand der Hanseatischen Krankenkasse (HEK)

Fragen Unternehmen bei Krankenkassen an, um sich zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement zu informieren? Deutlich mehr als früher. Noch vor fünf Jahren hat sich kaum ein Unternehmer, vor allem nicht aus dem Mittelstand, Gedanken über das Thema gemacht. Um ihre Gesundheit sollten sich die Beschäftigten in ihrer Freizeit selbst kümmern. Es gab meist nur den Unfallschutz und den Schutz vor Berufserkrankungen. Mittlerweile gibt es immer mehr Anfragen von Firmen.

Fotos: Mercer; HEK

Mit welchen Problemen kommen die Firmen auf die Krankenkassen zu? Ihr Unternehmenserfolg hängt maßgeblich von der Leistungsbereitschaft und -fähigkeit ihrer Mitarbeiter ab. Um ihre Aufgaben sinnvoll zu erledigen, müssen sie aber nicht nur zufrieden, sondern auch gesund sein. Das ist schwer, denn ständig wachsende Anforderungen aufgrund immer komplexerer Arbeitsprozesse und zunehmender Stressfaktoren verursachen meist das Gegenteil: häufige Ausfallzeiten. Und die Mitarbeiter leben privat oft ungesund: falsche Ernährung, zu wenig Bewegung und leider auch zu viele Zigaretten und zu viel Alkohol. Zusätzlich macht der demografische Wandel den Unternehmen zu schaffen. Es wird immer schwieriger für sie, gut ausgebildetes und motiviertes Personal zu finden. Inwieweit können Krankenkassen ihnen bei diesen Problemen helfen? Wenn ein Unternehmen ein erfolgreiches Gesundheitsmanagement durchführen will, sollte es zunächst die Fehlzeiten seiner Mitarbeiter

analysieren. Da ein Arbeitgeber aber die Gründe dafür nicht kennen darf, muss die Krankenkasse anonymisiert die entsprechenden Analysen durchführen. Mit speziell qualifizierten Medizinern entwickeln sie anschließend ge-

Nur wenn der Geschäftsführer hinter dem Gesundheitsmanagement steht, werden die Beschäftigten das Angebot auch annehmen. meinsam Gegenmaßnahmen, wie zum Beispiel Gesundheitskurse. Hierfür können die Krankenkassen einen Teil der Kosten übernehmen. Wichtig ist, dass alle Beteiligten, die von den Ergebnissen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements profitieren könnten, auch selbst dazu beitragen. Im besten Fall heißt das: Alle investieren und jeder gewinnt. Wer unterstützt Unternehmen bei der praktischen Umsetzung ihres Betrieblichen Gesundheitsmanagements? Es gibt eine Reihe von Anbietern, die insbesondere die medizinischen Leistungen erbringen, aber auch individuelle Konzepte für die Betriebe erarbeiten. Genauere Informationen zu diesen Partnern, die den Prozess sinnvoll ergänzen können, erhalten die Unternehmen bei den Krankenkassen und beim Bundesministe-

rium für Gesundheit sowie bei Unfallversicherungsträgern. Wer ist auf der anderen Seite, in den Betrieben, für die Etablierung des Themas verantwortlich? Das Betriebliche Gesundheitsmanagement ist zunächst einmal Chefsache. Steht das Konzept, kann die operative Umsetzung zum Beispiel in Verantwortung des Personalchefs liegen. Aber auch dann bleibt es Aufgabe des Geschäftsführers, sich immer über den Sachstand zu informieren, damit die Sache Bestand hat. Nur wenn er dahinter steht, werden die Beschäftigten das Angebot auch annehmen. Welche Maßnahmen gehören denn auf jeden Fall zu so einem Betrieblichen Gesundheitsmanagement? Eine Fehlzeiten- und eine Arbeitsplatzanalyse sind Grundvoraussetzungen. Daraus leiten sich dann individuelle Maßnahmen ab, wie das Betriebliche Eingliederungsmanagement, Gesundheitsgespräche und -kurse, Angebote für ärztliche und fachärztliche Behandlungen, Massagen und vieles mehr. Das ist eine ganze Menge, aber wie weit sind diese Angebote auch nachhaltig? Entscheidend ist, dass Chefetage und Mitarbeiter diese nicht als einmalige Aktion verstehen. Sie müssen die Maßnahmen kontinuierlich umsetzen und die Ergebnisse kommunizieren. So kann sich das Betriebliche Gesundheitsmanagement als fester Bestandteil der Unternehmensführung etablieren. ■

10

trend

Betriebliches Gesundheitsmanagement im Profil

(Be-)Handlungsbedarf Deutsche Firmen leiden unter den Gesundheitsproblemen ihrer Mitarbeiter. Mit ihren Gegenmaßnahmen verbinden sie klare Ziele. Die Ergebnisse anderer Studien zum Thema.

Großer wirtschaftlicher Schaden: Ein Fünftel ihrer möglichen Leistung können deutsche Arbeitnehmer aufgrund von Beschwerden und Problemen nicht erbringen. Damit entgehen den Unternehmen 20 Prozent der Arbeitskraft ihrer Angestellten. Durchschnittlich 12 Prozent der potenziellen Leistung gehen allein bei den Mitarbeitern mit körperlichen Beschwerden durch die damit verbundenen Einschränkungen verloren.

Leistungseinbußen in Deutschland durch ... (Angaben in Prozent) private Sorgen Vereinbarung von Beruf und Privatleben

7 12

körperliche Beschwerden psychische Probleme Probleme am Arbeitsplatz Probleme/Beschwerden insgesamt

12 13 19 20

0

5

10

15

20

Befragte: 2.000 abhängig beschäftigte Arbeiter, Angestellte und Beamte ab 18 Jahren in Deutschland Quelle: Fürstenberg Performance Index 2011, Fürstenberg Institut

Nachholbedarf: Mit 36 Prozent verfolgt rund jeder dritte Betrieb des produzierenden Gewerbes in Deutschland ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM), wie der IGA-Report ermittelte (nicht im Bild). Ein Fünftel von ihnen führt dies als eigenständige Maßnahme durch, 76 Prozent im Rahmen des Arbeitsschutzes. Viele der 500 befragten Unternehmen sehen die Mitarbeiterbeteiligung als Erfolgsfaktor, daher integrieren 63 Prozent von ihnen ihre Angestellten in den Prozess.

Ausgestaltung von Betrieblichem Gesundheitsmanagement (Angaben in Prozent) Organisationsform

Mitarbeiterbeteiigung

4

3

im Arbeitsschutz integriert

ja

eigenständiges Instrument

nein

weiß nicht

20

weiß nicht 34

63 76 Befragte: 500 deutsche Unternehmen des produzierenden Gewerbes mit 50 bis 499 Beschäftigten Quelle: IGA-Report 20, 2011

Zugunsten der Mitarbeiter: Hauptmotivation für die Einführung von BGM ist nach Angaben der Unternehmen ihre soziale Verantwortung gegenüber den Angestellten (88 Prozent). Fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) ließ sich durch die Unterstützung ihrer Krankenkasse bei den Maßnahmen von der Etablierung eines BGMs überzeugen. Weiterer wichtiger Grund sind für 44 Prozent der Betriebe die hohen Fehlzeiten aufgrund von Krankheiten ihrer Mitarbeiter, die sie dadurch reduzieren möchten.

Grund für die Einführung von Betrieblichem Gesundheitsmanagement (Angaben in Prozent)

88

soziale Verantwortung 46

Unterstützung Krankenkasse

44

hohe Fehlzeiten 25

Sonstiges 9

schlechtes Betriebsklima 0

20

40

60

80

100

Befragte: 500 deutsche Unternehmen des produzierenden Gewerbes mit 50 bis 499 Beschäftigten Quelle: IGA-Report 20, 2011

Positionen

Vier klare Ziele: Hohe Einigkeit herrscht bei den Zielen, die die Unternehmen mit der Einführung von BGM verfolgen. Sie wünschen sich eine bessere Gesundheit (96 Prozent), eine höhere Leistungsfähigkeit (95 Prozent) und die Steigerung der Arbeitsmotivation (95 Prozent) ihrer Mitarbeiter sowie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen (93 Prozent) für sie.

11

Ziele von Betrieblichem Gesundheitsmanagement Anteil der Betriebe, die mit Betrieblichem Gesundheitsmanagement folgende Ziele verfolgen (Angaben in Prozent, Mehrfachnennungen möglich) 96

bessere Gesundheit höhere Leistungsfähigkeit

95

Arbeitsmotivation steigern

95 93

Bedingungen verbessern 67

Image verbessern 10

Sonstiges 0

20

40

60

80

100

Befragte: 500 deutsche Unternehmen des produzierenden Gewerbes mit 50 bis 499 Beschäftigten Quelle: IGA-Report 20, 2011

Engagement lohnt: Je höher der Umsetzungsgrad eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements ist, desto höher ist auch dessen Wirksamkeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung der BAD GmbH. Hierbei wurden die befragten Unternehmen je nach Umsetzungsgrad ihres Betrieblichen Gesundheitsmanagements in die drei Cluster „niedrig“, „mittel“ und „hoch“ eingeteilt. Über die Hälfte der Unternehmen mit einem hohen Umsetzungsgrad erleben eine Steigerung der Produktivität. Zwischen 15 (niedrig) und fast 70 Prozent (hoch) verzeichnen sinkende Fehlzeiten. Die Personalfluktuation ließ sich bei 23 bis 53 Prozent der Unternehmen durch ein BGM reduzieren.

Wirksamkeit von Betrieblichem Gesundheitsmanagement („Ja“-Antworten, Angaben in Prozent, Gruppen nach Umsetzungsgrad eingeteilt)

niedrig mittel hoch

70 68,8

60 50

55,6

53,1

53,1

40 37,0

30 25,9

20

23,1 15,4

10 0

0

Erhöhung der Produktivität

Senkung von Fehlzeiten

Senkung der Personalfluktuation

Befragung von 72 deutschen Unternehmen Quelle: „Studie zur Wirksamkeit von Betrieblichem Gesundheitsmanagement“, BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH, 2011

Kampf um Talente: Der demografische Wandel bringt einen Wettbewerb der Arbeitgeber um die besten Hochschulabsolventen mit sich. Nach Eindruck der von Booz & Company qualitativ befragten Unternehmen kann ein gelebtes und kommuniziertes Gesundheitsmanagement deutlich dazu beitragen, dass Bewerber und Mitarbeiter Firmen als attraktive Arbeitgeber wahrnehmen. 72 Prozent sehen die betriebliche Vorsorge als sehr starken oder starken Einflussfaktor in dem Wettbewerb um Arbeitskräfte.

Einfluss des „Kampfs um Talente“ auf die betriebliche Versorgung (Angaben in Prozent) 60 50 50 53,1

40 30 37,0

20

22

10

11

17

0 Sehr starker Einfluss

1

2

3

4

0 5

0 6

kein Einfluss

Qualitative Befragung von mehr als 20 deutschen Unternehmen sowie Experten aus Wissenschaft und Politik Quelle: Booz & Company, 2011

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