kfd-friedensgebet 9 Flucht und Vertreibung

October 10, 2017 | Author: Hansi Calvin Schulz | Category: N/A
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kfd-Friedensgebet 9 Flucht und Vertreibung Ein Eimer mit Erde wird bereitgestellt, eine Schaufel und eine Schale. Für alle am Gottesdienst Teilnehmenden wird ein kleiner Beutel mit Erde vorbereitet. Lied: 

Gott gab uns Atem (Halleluja 91)

Liturgische Eröffnung und Begrüßung Erinnerung:  „Gott gab uns Füße, dass wir fest stehn.“ Ich lade Sie ein, Ihre Füße bewusst wahrzunehmen –  und unter Ihren Füßen den Boden, auf dem Sie stehen. Und dann kehren Sie in Ihrer  Erinnerung zurück auf den Boden Ihrer Kindheit, in Ihre Heimat. Spüren Sie den Mutterboden  unter Ihren Füßen – den Boden, auf dem Sie Ihre ersten Schritte gegangen sind, der Sie in  Ihrer Kindheit getragen hat, die Erde, in der Sie verwurzet waren – und vielleicht auch noch  sind.  Stille  Unser Mutterboden gibt uns Sicherheit. Aus ihm schöpfen wir Kraft. Viele Menschen haben  erfahren, dass ihnen diese Sicherheit genommen wurde. Sie mussten ihre Heimat verlassen,  den Boden, der sie trägt, der ihnen vertraut und lieb ist. Freiwillig, beruflich oder familiär  bedingt. Unfreiwillig, durch Vertreibung oder Flucht.  Das freiwillige oder unfreiwillige Verlassen der Heimat ist zu einem zentralen Problem  unserer Zeit geworden. Nie waren so viele Menschen davon betroffen. Meldung:  Am 19. Juni 2007meldete eine Nachrichten­Agentur: 10 Millionen Menschen auf der Flucht  Flüchtlingsrapport pessimistischer als die letzten Jahre  Die Zahl der Flüchtlinge auf der Erde ist 2006 zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder  angestiegen. Der Anstieg ist vor allem auf den Irakkrieg zurückzuführen.  Die Zunahme beträgt gegenüber 2005 rund 14 Prozent, wie das UNO­Hochkommissariat für  Flüchtlinge (UNHCR) in seinem Jahresrapport schreibt. Damit seien fast 10 Millionen  Menschen Flüchtlinge. Auch die Zahl der Heimatlosen und der wegen Konflikten  Umgesiedelten stieg stark an. Die meisten neuen Flüchtlinge stammen aus dem Irak. Die  Gewalt im Land hat 2006 rund 1,5 Millionen Menschen dazu gezwungen, in einem anderen  Land Zuflucht zu suchen. Viele gingen nach Syrien oder Jordanien. Die größte  Flüchtlingsgruppe bleiben aber die Afghanen (2,1 Millionen). Auf der Flucht sind auch  686.000 Menschen aus dem Sudan, 460.000 Somalier und je rund 400.000 Menschen aus der  Demokratischen Republik Kongo und aus Burundi. Nicht aufgeführt sind die 4,3 Millionen  palästinischen Flüchtlinge in Jordanien, Syrien und in den Palästinenser­Gebieten. (sda/frua)

Nachrichten:  Liedruf jeweils: 

Kyrie eleison (Halleluja 12) 

Dafur ·  In Flüchtlingslagern leben wir mitten im Krieg ·  Bewaffnete Überfälle in Flüchtlingscamps ·  Frauen und Kinder auf der Flucht – Zielscheiben für sexuelle Gewalt  Sudan ·  Stell dir vor es ist Krieg ... und du bist noch Kind ·  Kinder im Krieg und auf der Flucht ·  Frankreich plant im Tschad Schutztruppe zur Sicherung von 230.000 Sudan­Flüchtlingen  Kongo ·  Millionen Menschen werden heimatlos ·  Auf  der  Flucht  zu  sein  ist  eine  der  zentralen  Lebenserfahrungen  vieler  Kinder  und  Jugendlicher  Irak ·  15 % der Bevölkerung hat die Heimat bereits verlassen ·  Flucht nach Jordanien und Syrien ·  Der Gewalt entronnen – in der Not gefangen ·  Pfarrer verlässt nach Todesdrohungen Bagdad  Libanon ·  Flüchtlinge auf dem Wasser buchstäblich zu allem entschlossen ·  Hightech­Jagd auf Flüchtlinge  Tschetschenien ·  Sie haben alles mit mir getan, was Menschen anderen Menschen antun können ·  Vertreibung, Folter, Korruption  Afghanistan ·  Nach der Rückkehr von Flüchtlingen aus dem Exil in Pakistan können viele Afghanen in  ihrer Heimat keinen Fuß mehr fassen  Burma ·  Zehntausende flüchten vor gnadenlosen Menschenrechtsverletzungen Gebet:  Gott des Lebens,  zehn Millionen Menschen sind auf der Flucht, wurden vertrieben oder haben aus Angst oder  vor Hunger oder aus Mangel an Lebensperspektiven ihr Land verlassen, ihre Heimat.  Wir denken voll Trauer und Mitleid an diese Menschen. Und wir legen sie dir ans Herz, Gott.  Sei ihnen nahe mit deinem Schutz, mit deiner Kraft und deiner bergenden Liebe – und gib den  Flüchtlingen Menschen an die Seite, die ihnen gut sind. Darum bitten wir dich, Gott, der in

der Einheit mit dem Sohn und dem Heiligen Geist lebt und Leben möglich macht – heute und  alle Tage unseres Lebens. Amen. Hinführung zum Psalm:  Schon immer waren Menschen auf der Flucht. Das Volk Israel flieht vor der Gewaltherrschaft  der Pharaonen in Ägypten und zieht 40 Jahre in der Wüste umher. Als Nebukadnezar  Jerusalem erobert hatte, wurden viele Menschen nach Babylon verschleppt. Das Volk Gottes  lebt im Exil – fern von Jerusalem, fern vom geliebten berg Zion, fern der Heimat. An Euphrat  und Tigris, den Füssen in Babylon, sitzen sie und weinen.  Beten wir miteinander den Psalm 137, das Klagelied derer, die auf der Flucht sind, das Lied  der Vertriebenen der ganzen Erde: Psalm 137:  Gotteslob 754  Singen wir noch ein weiteres Klagelied derer, die auf der Flucht sind, ein Lied der  Vertriebenen der ganzen Erde: Lied: 

Ihr Mächtigen, ich will nicht singen (Halleluja 120)

Hinführung zum Evangelium:  Menschen sind auf der Flucht. Weil sie Hunger haben. Weil ihnen Gewalt droht oder bereits  angetan wird. Weil sie keine Zukunft sehen. Der Evangelist Matthäus berichtet uns, dass auch  Jesus auf der Flucht war: Evangelium:  Mt 2,13­15a.19­23a  Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des  Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort  bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu  töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach  Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. ... Als Herodes gestorben war, erschien dem  Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Steh auf, nimm das Kind und  seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben  getrachtet haben, sind tot. Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das  Land Israel. Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes  regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten  hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Gedanken:  Wenn wir dieses Evangelium heute hören, tut sich ein ganz anderer Blick auf das Ereignis  von Weihnachten auf. Wir hören meist die Idylle: „Ein Kind ist uns geboren.“ Das Baby liegt  geborgen in den Armen der Mutter. Hirten und Weise kommen und beten an.  Idylle war es aber nicht. Die Geschichte der Geburt Jesu ist auch eine Geschichte von Flucht  und Migration. Josef erfährt es im Traum: „Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.“  Josef steht auf und flieht mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten. Er übernimmt die  Verantwortung des Vaters. Das Wohl des Kindes liegt ihm am Herzen. Als die Gefahr vorbei

ist, plant Josef die Rückkehr in die Heimat. Doch Judäa und Betlehem scheinen nach wie vor  gefährlicher Ort zu sein. So geht Josef mit Frau und Kind nach Galiläa – und Nazaret wird  neue Heimat für die kleine Familie. Josef, der oft im Hintergrund steht – er handelt. Er nimmt  Mutter und Kind – und flieht.  Das kleine Kind in den Armen des Vaters – unser Gott ist Flüchtling geworden. Flucht nach  Ägypten. Jesus hat in der Fremde gelebt. Als Fremder unter Fremden. Als Ausländer hat er  sprechen gelernt. Hat er mit fremden – mit ägyptischen – Kindern gespielt?  Unser Gott ist Flüchtling geworden – und Migrantenkind. Der Rückweg von Ägypten führt  nicht in die Heimat. Erneut ist die Fremde das Ziel. Galiläa wird Heimat. Gott sein Dank.  Was Gott geteilt hat, teilt er weiter. Er bleibt auf der Seite der Flüchtlinge, der Migrantinnen  und Migranten, der Heimatlosen, der Fremden im fremden Land. Jesus Christus geht an ihrer  Seite – ob sie es spüren oder nicht, brauchen tun es alle. Der geflohene Gott flieht nicht  sondern sucht die Nähe der Menschen, die ihn brauchen. Lied: 

Menschen auf dem Weg durch die dunkle Nacht (Halleluja 116)

Fürbitten: 

Liedruf: 

Gotteslob 358,3

Nach jeder Fürbitte wird aus dem Eimer eine Schaufel Erde in eine flache Schale gelegt. Danach wird der Liedruf gesungen. Nach den Fürbitten ist ein Erdhügel entstanden.  Lebendiger Gott, du willst, dass alle Menschen in Frieden und Wohlergehen auf deiner Erde  leben können. Schmerzlich erfahren wir, dass das nicht möglich ist. Wir bitten dich: ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  · 

für alle Menschen, die auf der Flucht sind, die heimatlos sind, die kein Dach über dem  Kopf haben. für alle Menschen, die auf der Flucht sind, weil ihr Land keine Nahrung mehr gibt, weil  die Erde verdorrt ist. für alle Menschen, die auf der Flucht sind, weil Gewalt und Terror sie bedrohen, weil sie  nicht länger in Angst leben wollen. für alle Menschen, die auf der Flucht verletzt werden, die viel riskieren und gewaltsam  zurück gebracht werden in ihr altes Leben. für alle Menschen, die auf der Flucht sind vor der Flucht, die aushalten und doch wissen,  dass sie irgendwann fliehen werden. für alle Menschen, die Heimweh haben und sich im neuen Land nicht zurecht finden. für alle Menschen, die ihr Land mit anderen teilen, die Raum und Nahrung abgeben. für alle Menschen, die politisch Verantwortung tragen, die Gewalt ausüben und  Strukturen pflegen, die nicht dem Leben dienen. für alle Menschen, die sich einsetzen für den Schutz und für menschenwürdigen Umgang  mit Flüchtlingen und Migrantinnen. für alle Menschen, die oft nach vielen Jahren noch unter den Folgen von Flucht und  Vertreibung leiden. 

Gott, in deinem Sohn Jesus Christus bist du selbst Flüchtling geworden, den Flüchtlingen  ähnlich – und dadurch an ihrer Seite. Lege deinen bergenden Arm um die Menschen, die  deine Nähe brauchen und schenke du Heimat und Zuversicht und immer neue Kraft. Amen.

Am Beginn des Gottesdienstes haben wir uns an die Erde erinnert, die wir als Kinder unter  unseren Füßen gespürt haben. Wir geben Ihnen nun einen kleinen Beutel Erde in die Hand.  Die Erde will uns eine Erinnerung sein an diesen Gottesdienst, eine Einladung, weiter zu  beten für die Menschen, die auf der Flucht sind, die ihren Mutterboden verlassen mussten, die  nach Leben und Sicherheit auf neuer, fremder Erde suchen. Nehmen Sie diese Erde in Ihre  Hand. Die Beutel mit Erde werden an alle verteilt. Stille. 

Trockene Erde in Ur in Chaldäa / Irak – Foto: ML Langwald 

Spüren wir die Erde in unserer Hand.  Verbunden mit den Menschen, die unseren Mutterboden geteilt haben,  verbunden mit den Menschen, die ihren Mutterboden verlassen mussten,  verbunden mit den Menschen, die auf der Flucht sind,  weil sie Hunger haben,  weil Gewalt und Terror sie in die Flucht treiben, beten wir: Vater unser Lied: 

Gottes Macht erhalte dich (Halleluja 81)

Segen:  Für uns und die Menschen auf der Flucht bitten wir um Gottes Segen:  Segne uns, Gott, du mitgehender Gott,  Gott in Ägypten und in Babylon, Gott in Afrika und im Irak.  Segne uns, Jesus Christus,  Kind auf der Flucht, heimatlos, Flüchtling, Migrantenkind.  Segne uns, Heiliger Geist,  du Tröster und Lebenshauch, Kühlung und Kraft.  Segne uns, du Gott, Vater und Sohn und Heiliger Geist. Amen.  Juli 2007  vorbereitet von Irmentraud Kobusch, Marie­Luise Langwald und Barbara Pott  kfd – Diözesanverband Essen  (nur für den internen Gebrauch)

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