Hochsensible als Pioniere der Gefühlsverarbeitung

March 8, 2017 | Author: Hannah Eberhardt | Category: N/A
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1 Hochsensible als Pioniere der Gefühlsverarbeitung Manche Menschen sind durch ihre psychische Veranlagung nicht re...

Description

Hochsensible als Pioniere der Gefühlsverarbeitung Manche Menschen sind durch ihre psychische Veranlagung nicht repräsentativ für ihre Zeit, da sie sensibler, emotional erregbarer, empfänglicher für subtile Schwingungen sind als ihr gegenwärtiges Umfeld. Als „Hochsensible“, „Sensitive“, „Medial Veranlagte“ werden sie beispielsweise bezeichnet und sind oft Künstler oder spirituell und kreativ Aktive. Viele fühlen sich in ihrer Gesellschaft fremd und unverstanden, da sie emotional anspruchsvoller sind und anders reagieren als die Mehrheit. Die Evolution der Menschheit verläuft immer „wellenartig“, so dass einige Wenige mit neuen inneren Voraussetzungen auf die Welt kommen, ehe der Großteil der Bevölkerung nachzieht. Die „Pioniere der Gefühlsverarbeitung“ sind mit der Notwendigkeit konfrontiert, die Voraussetzungen für die gesunde Entfaltung ihrer Psyche erst „erschaffen“ zu müssen. Sie empfinden ihr Umfeld als emotional krank machend und müssen die üblichen Beziehungsgewohnheiten durchbrechen und ein höheres Beziehungsniveau einführen, damit sie sich wohl fühlen können. Auch die üblichen psychotherapeutischen Methoden sind für sie zu oberflächlich. Einige Pioniere entwickeln deshalb neue Therapieansätze für die Gesellschaft, wenn es ihnen gelungen ist, sich selbst zu heilen. Dennoch sind sie nicht allein, denn es gibt ja immer eine gewisse Anzahl gleich gesinnter und ähnlich veranlagter Menschen. Solche zu finden und sich mit ihnen auszutauschen ist wichtig, um sich gegenseitig zu helfen. Angst schränkt jedoch den Bewegungsradius ein und senkt die Schwingung auf ein niedriges Niveau, so dass die unangenehmen Umstände weiterhin magnetisch angezogen werden und es schwer ist, positiv und liebevoll eingestellte Menschen anzuziehen. Die Hochsensiblen benötigen aber ein liebevolles, höheres „Schwingungsfeld“ um zu gedeihen. Um dieses Feld für sich selbst und ihre Umwelt erschaffen zu können, ist es für sie wichtig, Gefühle zu verarbeiten und Angst zu transformieren. Die Pioniere sind auf einem Transformationsweg, der von ihnen viel Eigenverantwortung und Treue zu sich selbst verlangt. Sie erleben sich deshalb als empfindlicher und emotional anfälliger als die „Normalen“ und vielleicht verurteilen sie sich dafür dann auch noch selbst. Doch Selbstverurteilung ebenso wie Selbstmitleid bringt nur zusätzliche Schwierigkeiten. Am meisten hilft es, wenn sie psychisch-emotional zu sich stehen und ihre Aufgabe annehmen, sich selbst und damit auch ihre Welt zu transformieren. So können sie auch zunehmend die Gaben und Geschenke genießen, die durch die hohe Empfänglichkeit für Schwingungen ermöglicht werden. Jeder Mensch nimmt durch seine Chakren permanent Schwingungen aus dem Umfeld auf und sendet auch Schwingungen aus. Gefühle und Gedanken sind solche Schwingungen. Ist die telepathische Empfänglichkeit erhöht, nimmt man Gefühle, Stimmungen, kollektive und individuelle Gedanken und Überzeugungen aus dem Umfeld verstärkt wahr. Man wird verstärkt von den manipulativen Absichten anderer und ihrer unreflektierten emotionalen Negativität berührt. Man ist diesen Einflüssen nicht hilflos ausgeliefert, aber man braucht die Bereitschaft, sie zu durchschauen und sich dem Umgang mit diesem Thema zu stellen. Andere können einen sensiblen Menschen energetisch manipulieren und herunterziehen, solange dieser noch die Neigung hat, sich selbst entsprechend schlecht zu behandeln. Je mehr man sein wahres Selbst kennt, desto friedvoller, respektvoller und großzügiger geht man mit sich selbst um. Man kann den inneren Kritiker, die pessimistische, mahnende und strafende Instanz im eigenen Inneren entlassen, wenn man sich selbst uneingeschränkt liebevoll annimmt. Man gewinnt dann Weisheit, Vertrauen zu sich selbst und echte

innere Autorität. Menschen mit hoher Sensibilität, die stark vom „Massenbewusstsein“ abweichen, sollten die liebevolle Selbstannahme zu ihrer wichtigsten spirituellen Praxis machen. Es gibt auf diesem Gebiet wahrscheinlich keine Vorbilder in ihrem Umfeld, aber viele sehr unentwickelte Gemüter. Es ist wichtig, zu erkennen, wie lieblos andere mit sich umgehen und ihnen auch ihr liebloses Benehmen zu verzeihen. Hochsensible sind der Intensität von Gefühlsschwingungen viel stärker ausgesetzt als andere Menschen. So ist es verständlich, dass sie oft um ihr emotionales und körperliches Gleichgewicht ringen. Doch diese inneren Kämpfe können beendet werden, wenn man aktiv nach zunehmender Bewusstheit strebt. Dabei erkennt man, dass die eigenen Gedanken und Gefühle im Austausch mit anderen entstehen, und dass dieses Feld sich gegenseitig beeinflussender Energien permanent existiert. Positive, liebevolle Einstellungen haben eine hohe Schwingung und halten deshalb niedrige Schwingungen fern. Jeder wählt sozusagen selbst den Resonanzbereich, auf den seine innere Antenne eingestellt ist. Wer durch Selbstvorwürfe, deprimierende Gedanken und Achtlosigkeit in einen niedrigen Schwingungsbereich gerät, empfängt die negativen Weltbilder und Gefühle unachtsamer Menschen. Er hat umso mehr den Eindruck, ständig gegen die negativen Botschaften anderer kämpfen zu müssen, mit denen man ihn manipulieren oder niederdrücken will. Tatsächlich werden diese Energien nicht durch Kampf überwunden. Man macht sich vielmehr durch eine liebevolle Einstellung für sie unerreichbar. Jeder Gefühlspionier reagiert auf ganz bestimmte Themen emotional, während er in anderen Bereichen von der Negativität anderer unberührt bleibt. Es geht also darum, die eigenen Wachstumsthemen, die meist schon in der Kindheit Probleme bereiten, zu erkennen. Um in Einklang mit sich selbst zu kommen, muss man für diese Themen Einstellungen entwickeln, die der inneren Wahrheit entsprechen. Die innere Wahrheit kann deutlich von dem abweichen, was die Gesellschaft, die Familie oder das nähere Umfeld an Wertvorstellungen, Normen und gängigen Umgangsformen entwickelt hat. Dann fördern diese gängigen Werte nicht das individuelle Glück und auch nicht das Glück anderer. Den Hochsensiblen schlägt das nur viel schneller und drastischer aufs Gemüt als den meisten. Deshalb sind sie diejenigen, die Veränderungen in Gang bringen, die aus alten Zwängen ausbrechen und damit den anderen den Weg bahnen. Das Leben mit starker telepathischer Empfänglichkeit verlangt eine Authentizität im Umgang miteinander, die im „normalen“ zwischenmenschlichen Umgang noch eher selten ist. Wer Gefühle zu verbergen oder zu überspielen versucht, erzeugt dadurch Stress im eigenen energetischen System ebenso wie im Umfeld. In diesem Zustand ist er nicht in seiner Kraft und wird leicht von den Energien anderer beeinträchtigt. Zudem sendet er widersprüchliche Botschaften aus, die auf andere unangenehm wirken. Gefühle müssen also klar wahrgenommen und nach außen kommuniziert werden. Klarheit im Umgang miteinander verlangt nur, dass man unmissverständlich zu sich steht, nicht aber, dass man etwa seine Wut am anderen auslässt oder seine Überzeugungen lieblos zum Ausdruck bringt. Wenn sich Ehrlichkeit und Achtsamkeit verbinden, kann man ein einer schwierigen Situation tief durchatmen und dann mit respektvollen Worten die Wahrheit sagen. Dies ist wichtig für telepathisch veranlagte Menschen, denn nicht nur ihre Worte, sondern auch ihre Gedanken und Gefühle lösen bei anderen starke Reaktionen aus. Sie können anderen durch Gedankenkonzentration Botschaften senden, was sowohl absichtlich als auch unabsichtlich geschieht. Deshalb sollten sie bewusst darauf achten, sich über andere ebenso wie über sich selbst

aufbauende und liebevolle Gedanken zu machen. Gedanken sind mit Gefühlszuständen unmittelbar verbunden. Hochsensible Menschen strahlen ihre Gedanken- und Gefühlswelt intensiv aus und haben deshalb einen stärkeren Einfluss auf andere als Durchschnittsmenschen. Sie haben eine große „magnetische Kraft“, die ihnen viele Möglichkeiten eröffnet, wenn sie lernen, verantwortungsvoll und bewusst damit umzugehen. So können sie neue Ideen in die Welt bringen und anderen helfen, mehr Zugang zu ihrem Seelenpotenzial zu finden. Durch telepathische Verbundenheit können auch Glücksgefühle auf einer tiefen Ebene miteinander geteilt werden sowie geistige Räume, die das Bewusstsein erweitern. In der Meditation können Inspirationen aus „überirdischen Dimensionen“ empfangen werden, die der Heilung und der kreativen Entfaltung dienen.

Das Bedürfnis nach Gefühlsklärung Manche Menschen haben vor allem das Bedürfnis nach Klarheit, wenn es darum geht, Gefühle zu verarbeiten. Sie wollen die Zusammenhänge verstehen, aus denen sich ihre Gefühle ergeben und sie wollen Verhaltensweisen erlernen, die inneren Frieden und positive Gefühle ermöglichen. So lange sie ihre Gefühle vom Verhalten anderer Menschen und von äußeren Situationen abhängig machen, fühlen sie sich machtlos und ausgeliefert. Wenn sie jedoch erkennen, dass jedes negative Gefühl nur durch die eigene negative Einschätzung und Bewertung der Situation oder des eigenen Selbst entsteht, kehrt die Macht zurück. Es kommt also darauf an, die Vielfalt und Unbegrenztheit der Möglichkeiten zu sehen. Es geht sowohl um Veränderungsmöglichkeiten in den äußeren Umständen als auch um Möglichkeiten innerer Entwicklung und Veränderung. Dabei stellt sich heraus, dass es eigentlich nicht schwer ist, neue Einstellungen und Sichtweisen zu erwerben. Voraussetzung dafür ist nur, einen Zusammenhang wirklich komplett zu durchschauen und zu verstehen. So können beispielsweise Teufelskreise des Misstrauens durchbrochen werden, wenn jemand erkennt, wie seine eigenen misstrauischen Verhaltensweisen andere ängstlich und misstrauisch machen, so dass sie zwangsläufig beginnen, sich in seiner Nähe „komisch“ zu verhalten. Ihr komisches Verhalten ist also eigentlich nicht die Ursache, sondern die Folge des eigenen Misstrauens. Die eigene Ausstrahlung, die eigenen Verhaltensweisen und die oft unbewussten Ängste müssen transparent gemacht werden. Dabei kann ein liebevoller Beobachter mit neutraler Perspektive helfen. Auch Bücher, in denen psychische Mechanismen erklärt werden, können helfen. Wer die feste Absicht hat, seine Gefühle zu klären, kann dies auch durch Introspektion, durch Beobachtung der eigenen Gefühlsund Verhaltensreaktionen und durch Hinterfragen seiner Werte und Glaubensvorstellungen tun. Die Transformation ergibt sich aufgrund von höherer Einsicht, von Bewusstmachen und Verstehen psychischer Vorgänge. So wird das bedrückende innere Chaos oder die Gefühlsverwirrung, unter der dieser Gefühlstyp oft leidet, aufgelöst. Klärung, Erlösung, Loslassen destruktiver Glaubensund Verhaltensmuster sind seine größten inneren Bedürfnisse. Entscheidend ist es, aus dem „inneren Käfig“ auszubrechen, die bisherigen Überzeugungen als subjektiv und in vieler Hinsicht schädlich zu erkennen. Ein aufrichtiges Bemühen um Klarheit bringt die innere Wahrheit, die Möglichkeit echten Selbstvertrauens, die eigene schöpferische Macht immer deutlicher ins Bewusstsein. Wer nicht ernsthaft und aufrichtig nach innerer Klarheit strebt, sucht vielleicht nach „schnellen Lösungen“, um das lästige Gefühlschaos in den Griff zu bekommen. Dabei besteht die Gefahr, in oberflächlichen Welterklärungsmodellen oder psychologischen Systemen stecken zu bleiben, die an der Vielschichtigkeit der Realität und an den eigentlichen emotionalen und spirituellen Bedürfnissen vorbeigehen. Da wird beispielsweise versucht, eine Liebesbeziehung auf der Grundlage von evolutionsbiologischen Spekulationen zu verstehen und daraus Lösungen für 4

Partnerschaftsprobleme abzuleiten. Oder die Beobachtung, dass ein äußerer Reiz körperlich-emotionale Reaktionen zur Folge hat, führt zu Versuchen, die menschliche Psyche wie einen Computer zu programmieren. Hier streben Menschen nicht mehr nach Glück, sondern nur noch danach, dem Leben auszuweichen. Solche Modelle und Experimente erweisen sich in der Realität des Lebens als nutzlos. Wer seine wahren seelisch motivierten Glücksbedürfnisse im Blick behält, fällt nicht auf so etwas herein und verschwendet damit nicht seine Zeit und Energie. Er findet diejenigen psychologischen Modelle und Systeme, die echten lebenspraktischen Wert haben. Diese bringen der menschlichen Psyche Liebe und Respekt entgegen. So hat beispielsweise die kognitive Verhaltenstherapie Ansätze entwickelt, mit deren Hilfe man negative Denkmuster und ihre Auswirkungen auf die eigenen Gefühle und Verhaltensweisen erkennen kann. Negative Prägungen können bewusstgemacht und aufgelöst werden. Wer in diesem Prozess voranschreitet, erlangt immer mehr Klarheit in der Selbstwahrnehmung und eine zunehmend klare Wahrnehmung der Welt. Wer einen hohen Grad an Klarheit und emotionaler Reife erlangt hat, ist anderen ein wertvoller Helfer, denn er kann auch ihnen ihre Psyche und die Welt verständlicher machen. Das Erlangen von Klarheit dient nicht nur dem Lösen von Problemen, sondern ist auch selbst ein Glückserlebnis. Im Zustand der Klarheit ist man wie ein kristallklarer See bei Windstille, der eine ruhige, durchsichtige Oberfläche hat. So sieht man bis auf den Grund, und wenn jemand Steinchen in das Wasser wirft, kann man die von ihnen ausgehenden Wellen genau verfolgen und stets auf ihre Ursache zurückführen. Der See selbst wird davon nicht in Unruhe versetzt.

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Pioniere der Gefühlsklärung Menschen mit starker telepathischer Veranlagung erleben oft Gefühle und innere Zustände anderer Menschen so, als seien sie ihre eigenen. In diesen Momenten werden die Gefühle anderer auch zu eigenen Gefühlen. Dann erscheinen sie irgendwie „fremd“, weil es keine hinreichende Erklärung für ihr Entstehen gibt. Für Glücksgefühle benötigt man keine Erklärung, und sie haben nichts Fremdes an sich, weshalb es ein ausschließlich schönes Erlebnis ist, wenn sie sich übertragen. Gefühle wie Angst, Wut und Traurigkeit aber erscheinen bedrohlich, wenn sie einen plötzlich ohne nachvollziehbaren Grund erfassen. Doch diese Gefühle waren bereits zuvor latent vorhanden, sozusagen im Untergrund, und nur deshalb kann ein spontaner Kontakt mit einem entsprechend fühlenden Menschen sie so stark im eigenen Inneren entfachen. Wenn ein hochsensibler Mensch aber zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, bemerkt er nicht, in welchem Zustand sich seine Mitmenschen befinden und wann deren Gefühle und Gedanken auf ihn „überspringen“. So verschlimmert sich das innere Chaos beziehungsweise die Gefühlsverwirrung. Deshalb ist es wichtig, einen gesunden „inneren Abstand“ zu entwickeln. Das bedeutet, die eigenen Gedanken und Gefühle möglichst genau wahrzunehmen, sich aber nicht mit ihnen zu identifizieren. Statt „Ich bin wütend“ kann man auch feststellen: „Ich fühle Wut“. In diesem Moment wird es möglich, der Wut als gelassener Beobachter zu begegnen und sie allein dadurch zum Abflauen zu bringen. Wenn plötzlich negative Gefühle oder Gedankenkreisläufe im Bewusstsein auftauchen, wird man nicht mehr von ihnen mitgerissen. Dies ist der erste Schritt zur inneren Befreiung. Als nächstes kann man sich der Aufarbeitung von „schlummernden Altlasten“ widmen, die dieser inneren Angreifbarkeit zugrunde liegen. Weniger sensible Menschen haben den Vorteil, dass sie nicht so leicht von fremden Gefühlswelten beeinflusst werden. Sie müssen sich nicht ständig der Klärung und Aufarbeitung ihrer unerlösten Gefühle widmen. Dafür leben sie jedoch in einem Zustand größerer innerer Trennung und können die Qualitäten ihrer Seele, ihr wahres Sein und die Verbundenheit mit anderen weniger spüren. Sie verfügen über weniger Kreativität und Kommunikationsmöglichkeiten. Hochsensible sollten sich das bewusst machen, um nicht in Selbstmitleid zu verfallen oder „unsensible“ Menschen zu verurteilen. Wer in einer Zeit lebt, in der nur Wenige die eigene Sensibilität teilen, findet bei der Klärung seines Gefühlslebens nicht leicht Unterstützung. Er muss zu seinen emotionalen Bedürfnissen in Beziehungen stehen, statt sich an den Beziehungsmodellen der Mehrheit zu orientieren und sich beispielsweise sagen zu lassen, dass es eben keine harmonischen Beziehungen gebe oder dass die romantische Liebe eine Illusion sei. Es ist ja gerade die Aufgabe der „Gefühlspioniere“, neue und glücklichere Beziehungsmodelle in die Welt zu setzen und sie zu leben. Wollen sie stattdessen die begrenzten Vorstellungen anderer übernehmen, wird sie das deprimieren und 6

unglücklich machen. Sie können dann auch in unausgewogene Beziehungen geraten, wo sie Energie verlieren, weil sie sich nicht genug wertschätzen. Ein Mangel an Selbstwertschätzung führt leicht in Teufelskreise, weil der Betreffende dazu neigt, sich selbst für sein Deprimiert-Sein zu verurteilen. Stattdessen sollte er all seine Beziehungen systemisch betrachten: Jeder Beziehungspartner versucht, seine Ansprüche und Vorstellungen in der Beziehung umzusetzen und reagiert dabei auf die Ansprüche und Vorstellungen des anderen. Wenn jemand unter Verlustangst und mangelndem Selbstwertgefühl leidet, kann er seine Gefühle dem anderen gegenüber nicht mehr klar und frei zum Ausdruck bringen. Er unterdrückt seine Gefühle auch in der eigenen Wahrnehmung und sucht primär nach einer Strategie, um zu „überleben“. Der Überlebensmodus ist keine Grundlage, auf der Beziehungen gedeihen können. Die Strategien der Hochsensiblen bestehen tendenziell darin, ihr Gefühlsleben und ihre Bedürfnisse dem Partner unterzuordnen. Dann ist keine Lebendigkeit, kein Wachstum und keine Vertiefung mehr im Austausch miteinander möglich. So stirbt die Beziehung ab, sie wird oberflächlich und die Partner bleiben einander innerlich fremd. Die Seele strebt aber immer nach Erweiterung, und so führt Stagnation zwangsläufig zu Krisen. Gefühlspioniere müssen zu ihren Bedürfnissen in Beziehungen stehen und darauf vertrauen, dass Tiefgang und gemeinsames Glück möglich sind. Dann werden sie statt Frustration und Traurigkeit gemeinsames Wachstum erleben. Im achtsamen und ehrlichen Umgang miteinander werden Beziehungen zu Kraftquellen der Verbundenheit, der gegenseitigen Unterstützung und liebevollen Selbsterforschung. Menschen können nicht nur durch leidvolle Erfahrungen innerlich reifen und mehr Bewusstheit erlangen, sondern ebenso durch Liebe, wenn sie dafür offen sind.

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Das Bedürfnis nach Gefühlsentladung Einige Menschen haben vor allem das Bedürfnis nach Gefühlsentladung, wenn sie ihre Gefühle verarbeiten wollen. Gefühle wollen zum Ausdruck gebracht werden, und mit Gefühlen sind auch Handlungsimpulse verbunden. Jeder kennt den spontanen Impuls, bei Wut die Faust zu ballen, auf den Boden zu stampfen oder irgendetwas zerstören zu wollen. Diese Reaktion ist natürlich, denn sie ist unmittelbarer Ausdruck der Bereitschaft, sich bei einem Angriff zu verteidigen. Zivilisierte Menschen unterdrücken natürlich lieber diese Impulse, denn das friedliche Zusammenleben hat für sie einen hohen Stellenwert. Man setzt sich auch nicht mehr tätlich auseinander, sondern mit Worten. Der große Irrtum dabei ist, zu glauben, durch Worte und Energieaustausch werde keine Gewalt ausgeübt. Doch auch Worte und Energien können zerstörerisch wirken, nur auf einer anderen Ebene. Ein Mensch, der sich nicht rechtzeitig mental-energetisch schützt, kann durch mental-energetische Angriffe unmittelbar geschwächt werden, aus dem Gleichgewicht gebracht werden und psychisch leiden. Um die Negativität, die er aufgenommen hat, wieder loszuwerden, hat er wahrscheinlich spontan den Impuls, energetisch „zurückzuschlagen“, also beispielsweise zurückzubrüllen, wenn er angebrüllt wurde. Dies verschafft ihm Erleichterung und wieder mehr Zugang zur eigenen Energie. Allerdings können so keine Probleme aus der Welt geschafft werden, und die Beteiligten verlieren durch destruktiven Streit nur Energie. Noch schädlicher ist es jedoch, nach einem energetischen Angriff nicht „zurückzubrüllen“, sondern die eigene Wut und mit ihr die aufgenommene Negativität des anderen herunterzuschlucken. Dann entsteht ein Ungleichgewicht, das auf Dauer krank macht. Wer sich gegen energetische Angriffe nicht wehrt, schadet nicht nur seiner eigenen Vitalität, sondern gibt auch dem Angreifer nicht das Feedback, das er bräuchte. So erkennt dieser nicht, wie destruktiv er sich verhält und bekommt keinen Anstoß, sich weiterzuentwickeln. Menschen haben im Umgang miteinander die Aufgabe, sich gegenseitig bei ihrer Entwicklung zu helfen. Diese Aufgabe wird durch spontanen und authentischen Gefühlsaustausch erfüllt. So kann jeder erkennen, wie er auf den anderen wirkt, kann sich ausprobieren und kann durch das Feedback, das er bekommt, innerlich reifer werden. Destruktiver Umgang entsteht, wenn der Gefühlsaustausch nicht mehr ehrlich und offen ist. Dies betrifft immer beide Beteiligte, egal ob sie sich als „Täter“ oder als „Opfer“ verhalten. Auch das „Opfer“ hat sich energetisch isoliert und gibt nicht mehr seine wahren Gefühle preis. Es erlebt und erkennt seine wahren Gefühle also auch selbst nicht, sondern spaltet sie von der bewussten Wahrnehmung ab. Wer oft von anderen angegriffen wird, sollte sich diesen Zusammenhang bewusst machen: Er bietet negativ eingestellten Leuten eine Angriffsfläche, weil er nicht ganz mit seinen Gefühlen in Kontakt ist, nicht ganz „bei sich“ ist, sondern einen Teil seiner Gefühlsenergie abgespalten hat, der „negativ“ ist und den er nicht sehen will. Er will seine Wut vielleicht nicht sehen, weil er glaubt, dass er sie nicht auflösen könnte und das würde 8

ihn nur völlig depressiv machen. Doch eben diese Fehlvorstellung macht tatsächlich depressiv, denn durch die Abspaltung der Wut geht auch Energie und Kraft verloren, und da der Ursprung der Wut nicht mehr erkannt wird, kann sie sich auch nicht auflösen. Wer also grundlos von einem anderen angegriffen wird, kann diese Erfahrung nutzen, um wieder mit seiner Wut in Kontakt zu kommen. Er kann das aufkommende Gefühl annehmen, respektieren und dann bewusst entscheiden, wie er damit umgehen will. Das macht ihn wieder „ganz“ und bringt die verlorene Flexibilität und Leichtigkeit im Umgang mit anderen zurück. Ein Gefühl anzunehmen bedeutet nicht, spontanen Impulsen, die man nun deutlich wahrnimmt, auch folgen zu müssen. Es ist nicht nötig, die Wut am anderen tätlich oder wörtlich auszulassen oder hasserfüllte Gedanken an ihn zu senden. Besser ist es, man verzichtet darauf, die Wut am anderen auszulassen. Wichtig ist jedoch, die Energie zu entladen, also abzureagieren, statt sie in sich anzustauen. Das Entladen von Wut kann diese in Freude verwandeln. Man kann sich beispielsweise mit einem Freund zum Squash-Spielen treffen, die ganze angesammelte „negative“ Energie in sportliche Aktivität umwandeln und dabei jede Menge Spaß haben. Das Entladen einer Gefühlsenergie, die zuvor als Anspannung im Körper festgehalten war, bringt die Energien wieder in Fluß und ermöglicht es, Gefühle vollständig zu verarbeiten. Besonders wichtig ist dies nach traumatischen Erlebnissen, die immer zunächst eine Gefühlsabspaltung erzeugen. Erst im Nachhinein, wenn ein geschützter Rahmen dafür geschaffen wird, kann das Erlebnis verarbeitet werden. Die Abspaltung des Bewusstseins von der Gefühlswahrnehmung in der ursprünglichen Situation war notwendig, um handlungsfähig zu bleiben und nicht unter einer Gefühlswelle zusammenzubrechen. Im Nachhinein aber ist es dringend nötig, sich dieser Gefühlswelle zu stellen, sie abzubauen und dadurch das Ereignis zu verarbeiten. Erst wenn die Gefühle zum Ausdruck gebracht, durchlebt und entladen wurden, wird die traumatische Erinnerung entschärft und das Erlebte kann losgelassen werden. Wer unverarbeitete Erlebnisse und entsprechende Anspannungen im Körper mit sich herumschleppt, ist wenig belastbar und reagiert auch auf scheinbar harmlose Ereignisse traumatisch. Sie erinnern ihn an frühere Erlebnisse, die er aus seiner bewussten Erinnerung verdrängt hat. Aber im Unterbewusstsein ist alles noch präsent und wartet darauf, erlöst zu werden. Manche Menschen wagen es nicht, ihre unverarbeiteten Gefühle zu erlösen, weil sie sich zu sehr vor der Wucht ihrer Gefühle fürchten. Sie glauben, das Erleben ihrer geballten Gefühlsenergien könnte sie zerstören oder sie in ein tiefes Loch stürzen, aus dem sie nicht mehr herauskämen. So unsinnig diese Vorstellung auch ist, sie wird durch eine Gesellschaft gefördert, die Gefühlen mit Angst und Misstrauen begegnet und überall auf Gefühlskontrolle setzt. Je mehr Spontaneität und Freiheit eine Gesellschaft dem Gefühlsausdruck zugesteht, desto selbstverständlicher können intensive Gefühle aller Art zugelassen und mit Leichtigkeit abgebaut werden. Traumatische Belastungen wurden in Stammesgesellschaften rituell entladen, so dass sie mit Leichtigkeit 9

verarbeitet werden konnten. Eine Gesellschaft, die keine solchen Möglichkeiten mehr kennt, Gefühle voll zu durchleben und zu erlösen, erzeugt ein allgemeines Klima von Stress und Anspannung. Inzwischen wird aber auch in der „zivilisierten Welt“ Gefühlen wieder mehr Beachtung geschenkt, und immer mehr Menschen praktizieren bewusste Gefühlsentladung. Beispiele dafür sind die Dynamische Meditation nach Osho und die bioenergetische Körperarbeit. Auch viele therapeutische Ansätze haben den Wert der Gefühlsentladung erkannt, etwa in der Traumatherapie oder in der Primärtherapie. Nicht nur Wut, Trauer und Schmerz wollen entladen werden, sondern ebenso Lust und Freude. Viele Menschen unterdrücken ihre Lebensfreude ebenso wie ihren Schmerz. Sie fürchten vielleicht, ihre Freude nicht mit anderen teilen zu können, lächerlich zu wirken oder aber die Erfahrung machen zu müssen, dass ihnen „das Lachen im Halse stecken bleibt“, indem sie einen bitteren Dämpfer erhalten. Dagegen hilft das bewusste hemmungslose Zulassen und Ausdrücken von Spaß und Freude, vielleicht indem man sich extra einen Rahmen sucht, wo dies erlaubt ist, etwa eine Lachyoga-Gruppe. Auch traurige und belastende Gefühle können durch hemmungsloses Lachen entladen und transformiert werden. So kommt man durch spontane Lebenslust wieder in die eigene Kraft und Authentizität. Allerdings ist es wichtig, bei rituellen oder therapeutischen „Gefühlsentladungen“ auch wirklich voll emotional präsent zu sein. Wenn man sie praktiziert wie ein Schauspieler, der seiner Rolle gerecht werden will, sind sie nicht mehr wert als eine Turnstunde. Die Teilnehmer einer Gruppe oder Therapiesitzung müssen bereit sein, sich wirklich in ihre Gefühle hineinfallen zu lassen und sich ihnen hinzugeben. Wer als Therapeut oder Gruppenleiter wirkt, kann die anderen durch seine eigene Offenheit und Leidenschaftlichkeit anstecken. Menschen, die gelernt haben, stark in Kontakt mit ihren Gefühlen zu sein, verfügen über viel Energie und eine mitreißende Ausstrahlung. Sie können andere aus ihrer emotionalen Erstarrung befreien und die heilsame spontane Lebendigkeit in ihnen erwecken. Die Intensität leidenschaftlicher Gefühlsentladungen hat nicht nur therapeutischen Wert, sondern ist auch ein großes Glückserlebnis – und findet als solches ihre Krönung im Orgasmus. Dabei können höchste Wellen des Glücks ausgekostet und gefeiert und zugleich einem anderen zum Geschenk gemacht werden.

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Pioniere der Gefühlsentladung Menschen mit ausgeprägter Sensibilität sind zu intensiven Gefühlen fähig und neigen deshalb manchmal zu heftigen Gefühlsausbrüchen, die im Umfeld vielleicht Verwunderung auslösen. Vor allem dann, wenn der Betreffende sich seiner mangelnden Gefühlskontrolle schämt, zieht er wahrscheinlich Menschen an, die ihn auslachen oder sich verständnislos geben. Obwohl die Fähigkeit, Gefühle zu erleben und zu zeigen eine Stärke ist, wird sie gern als Schwäche interpretiert. Die eigentlich schwachen Menschen sind diejenigen, die sich so eisern im Griff haben, dass sie nur noch „auf Sparflamme“ leben und funktionieren, aber keine Freude mehr ausstrahlen können. Wer stärker mit seiner Lebensenergie verbunden ist, ist auch stärker mit den Energien seiner Umgebung verbunden und muss deshalb mehr Sorgfalt auf „Psychohygiene“ richten als andere. Künstler und kreative Menschen mit großer Strahlkraft gelten oft als emotional labil – dabei ist ihre Anfälligkeit für emotionale Schwankungen nicht primär auf ihre unreife Persönlichkeit, sondern auf ihre ausgeprägte Empfänglichkeit für Schwingungen zurückzuführen. Natürlich werden auch sie, so wie jeder Mensch, durch intensive Persönlichkeitsentwicklung beziehungsweise geistig-spirituelles Wachstum innerlich ruhiger und ausgeglichener. Solange sie noch nicht über die Gelassenheit und friedvolle Unerschütterlichkeit verfügen, die sie sich wünschen, sollten sie sich selbst und ihren Gefühlsreichtum wertschätzen, statt auf sich herumzuhacken und sich vor anderen zu schämen. Wer eine bestimmte Vorstellung von sich hat, der er im Umgang mit anderen Menschen entsprechen will, macht sich dadurch angreifbar: Er kann sich selbst nicht erlauben, seine Gefühle spontan fließen zu lassen und einfach der zu sein, der er gerade ist, also auch sich selbst im Kontakt mit anderen neu zu entdecken. Ein solcher Mensch ist nicht frei, und das werden diejenigen ausnutzen, die ihn verunsichern wollen oder ihn dazu bringen wollen, ihre Wünsche zu erfüllen. Pioniere der Gefühlsentladung haben das Bedürfnis und die Aufgabe, mehr zu ihren spontanen Gefühlen und ihrer inneren Wahrheit im Augenblick zu stehen, als es die gängige Etikette oder Norm zu erlauben scheint. Dadurch können sie anderen helfen, sich ebenfalls in ihrer wahrhaftigen Gefühlslage zu „outen“, und viele werden es ihnen danken und darüber erleichtert sein. Es gibt aber auch Menschen, die die Konfrontation mit spontaner emotionaler Ehrlichkeit verlegen macht, die sich selbst lieber weiterhin hinter einer Maske verstecken, als sich auf so eine Art von Gefühlsaustausch einzulassen. Diese Leute reagieren wahrscheinlich gereizt, wütend, schroff abweisend oder kritisierend, wenn man sie mit spontaner Direktheit konfrontiert. Die sensiblen „Gefühlspioniere“ lassen sich dadurch leicht aus ihrer Mitte werfen und in energetische Kämpfe verwickeln. Sobald sie beginnen, sich zu verteidigen oder zu rechtfertigen, verlassen sie die spielerische Souveränität ihres seelischen Seins und verstricken sich in Persönlichkeitsenergien. Auf dieser Ebene kann man die Negativität seines Gegenübers nicht mehr durch sich hindurch fließen lassen, sondern wird davon angegriffen. 11

Wichtig ist, sich also bewusst zu machen, dass es eine Möglichkeit gibt, spielerisch die eigene Energie aufrechtzuerhalten: indem man sich entspannt, anstatt in eine Abwehrhaltung zu verfallen. Wer sich entspannt, obwohl er verbal attackiert wird, ist nicht wehrlos, sondern befindet sich in einem Zustand der Selbstliebe. Aus dieser Entspanntheit heraus kann man durchaus zurück provozieren, wird dabei aber nicht lieblos und bekommt deshalb auch nicht die Lieblosigkeit des anderen zu spüren. Die Folge davon ist, dass der Angreifer schnell aufgibt, da er keinen Angriffspunkt für seine negative Energie findet. Es gibt zwischen ihm und dem anvisierten „Opfer“ keine Resonanz. Wenn man jedoch Angst vor den Angriffen anderer hat, verfällt man in innere Anspannung und wird Opfer energieraubender Diskussionen, Beschimpfungen oder Auseinandersetzungen. Manche Leute suchen Streit, weil sie dabei ihren Frust an jemandem ablassen können. Um nicht in ihre Falle zu tappen, braucht man Mut zur ehrlichen Konfrontation und zugleich genug Selbstliebe, um sich nicht für den eigenen Standpunkt zu rechtfertigen. So kann man dem Provokateur liebevoll eine Abfuhr erteilen, sich klar positionieren und sich dabei wohl in seiner Haut fühlen, unabhängig von der Meinung oder Wertschätzung des anderen. Lebendige Provokation ist etwas völlig anderes als Provokation zum Frustabbau. Wer es wagt, aus Liebe zur Wahrheit zu provozieren, will näher auf den anderen zugehen und öffnet einen Raum für innere Erweiterung und gegenseitige Wachstumsanregung. Lebendige und intensive Beziehungen benötigen die Bereitschaft zu liebevoller Ehrlichkeit und Offenheit im Gefühlsaustausch. Das bedeutet, dass man ganz bewusst die emotionalen Erwartungen des Partners durchkreuzt, statt seine Wünsche zu bedienen. Dabei bleibt man allerdings liebevoll. Wer liebevoll seine augenblickliche Wut über das Verhalten des anderen zum Ausdruck bringt, erweist ihn einen großen Dienst, denn er gibt ihm ehrliches Feedback, ohne ihn abzulehnen und ohne ihn bestrafen zu wollen. Dadurch lädt er ihn ein, eine neue Perspektive zu erproben. Eine solche ehrliche Selbstoffenbarung beinhaltet keine Schuldzuweisung. Sie ist ein Eingeständnis der eigenen Verletzlichkeit, und gerade deshalb fördert sie Nähe, Versöhnung und Entspannung. Unterdrückte und nicht offen eingestandene Wut hingegen erzeugt ein giftiges Klima, einen schwelenden Konflikt, der vielleicht früher oder später unangenehm eskaliert. Gefühle können transformiert werden und Beziehungen können auf höhere Ebenen angehoben werden, wenn die Partner bereit sind, einander ihre Gefühle uneingeschränkt zu offenbaren, so dass jeder im anderen einen Spiegel findet und dadurch sich selbst immer besser kennen lernt. So erschaffen Beziehungen ein Lernfeld für glückliche Bewusstseinsentwicklung, und die kulturell verbreitete Fehlvorstellung, man müsse möglichst perfekt und reibungsfrei die Wünsche des Partners erfüllen, wird durch ein neues, lebensförderndes Ideal ersetzt.

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Das Bedürfnis nach Gefühlsbereinigung Manche Menschen verarbeiten ihre Gefühle in erster Linie dadurch, dass sie den Kontext betrachten, in dem diese entstanden sind und sich um einen Ausgleich, eine Bereinigung der Situation im sozialen System bemühen. Gefühle sind sozial: sie entstehen durch das energetische Zusammenwirken mit Menschen oder anderen Wesen. Manchmal kommen Gefühle auch scheinbar ohne soziale Ursache hoch, doch dann handelt es sich eigentlich um gefühlsgeladene Erinnerungen oder um nachträgliches Erleben von Gefühlen. Glückliche Gefühle benötigen allerdings keine Ursache, wenn es sich um reine Seinszustände handelt – Empfindungen seelischen Seins. Diese Zustände sind universal und „ursprünglich“. Emotionale Zustände hingegen, die unmittelbar aus einer sozialen Situation heraus entstehen, werden durch den energetischen Austausch zwischen den Beteiligten verursacht. Jeder Mensch hat Verantwortung für das, was er aussendet. Dennoch ist er nicht für die Gefühle verantwortlich, die er in anderen hervorruft, denn es sind ihre Gefühle. Ebenso sind die anderen nicht für seine Gefühle verantwortlich, auch wenn sie zu deren Entstehung beigetragen haben. Anders als der körperliche Schmerz wird emotionaler Schmerz nicht durch eine äußere Einwirkung verursacht – Gefühle entstehen im eigenen Inneren. Gefühle sind die Antwort des energetischen Systems auf Erfahrungen, die das Bewusstsein in diesem System macht, um zu lernen. Das Bewusstsein lernt im Austausch mit anderen „Bewusstseinsträgern“, so dass es sich selbst erkennt. Die Bereinigung eines energetischen Ungleichgewichts besteht also nicht darin, jemand anderes zu beschuldigen oder sich für einen erlittenen emotionalen Schmerz zu rächen. Mit dieser Einstellung kann es nie zu einer abschließenden Bereinigung und Auflösung emotionaler Verstrickungen kommen. Um belastende Gefühlsverbindungen erfolgreich zu bereinigen, ist es nötig, eine höhere Ebene im Kontakt mit dem anderen zu beschreiten. Die höhere Ebene ist erreichbar, wenn der bisherige belastende Gefühlsaustausch als Drama erkannt wird, das sich zwischen unreifen Teilpersönlichkeiten abgespielt hat. Wer sich nicht mehr mit dem verletzten, im Drama steckenden Teil seiner Persönlichkeit identifiziert, kann aus diesem Spiel aussteigen. Er erkennt, dass er ein Schöpfer ist und sein Drama selbst wählt. Dazu bedarf es der Bereitschaft, die oft widersprüchlichen Teilpersönlichkeiten und ihre Gefühle wahrzunehmen und zu integrieren. Denn dramatische Verstrickungen erleiden nur diejenigen Persönlichkeitsteile, die man nicht liebt und die man aus dem eigenen Selbstbild verdrängt. Die Anerkennung der Tatsache: „Auch das bin ich!“ führt schließlich zur Erkenntnis: „Ich bin viel mehr als das!“ und zur Wahrnehmung der transzendenten, die Persönlichkeit überschreitenden Seele. Gefühle sind temporäre Zustände, die beim Wechsel auf eine höhere Ebene der Selbstwahrnehmung verwandelt werden. Eine emotionale Situation zu bereinigen bedeutet also, ein inneres Drama loszulassen und eine höhere Ebene der Selbstverantwortung und des schöpferischen Energieeinsatzes zu beschreiten. Damit 13

wird auch der Partner im Drama auf eine höhere Ebene verwiesen: Er kann die gewohnten Spiele so nicht weiterspielen und hat nun die Chance, mehr Bewusstheit und Authentizität zu erlangen. Dennoch muss er seine Fehler nicht einsehen, sondern kann sie auch mit anderen „Spielpartnern“ wiederholen, bis er zum inneren Wandel bereit ist. Bereinigung von belastenden Gefühlen bezieht sich nicht auf die Einstellungen und Gefühle des anderen, sondern nur auf die eigene Psyche. Diese wird von „Fremdenergien“ gereinigt beziehungsweise von Einstellungen, Mustern und Selbstbildern, die ihr nicht gut tun. Wenn dies gelingt, fällt es nicht mehr schwer, dem anderen seine Fehler und seine Uneinsichtigkeit zu verzeihen. Er wird einfach aus seiner Rolle „entlassen“, die er bisher im eigenen Leben gespielt hat und es wird ihm freigestellt, ob er eine neue Beziehungsebene mittragen oder sich verabschieden möchte. Lebendige Beziehungen werden immer wieder durch die Klärung der Gefühle transformiert und auf höhere Ebenen gehoben. Therapeutische Ansätze, die dem Bedürfnis nach Gefühlsbereinigung Raum geben sind beispielsweise systemische Therapien und Aufstellungen. Sie können wirkungsvolle Veränderungen sowohl beim Klienten als auch bei anderen Menschen herbeiführen, mit denen er systemisch verbunden ist. Allerdings sollte immer die Veränderung des Hilfesuchenden selbst im Zentrum stehen. Es sind nicht die anderen, die sich ändern müssen, damit er sich ändern oder gesund werden kann. Wenn ein Mensch sich als gemütskrank und deshalb hilfsbedürftig empfindet, neigt er leicht dazu, seinen inneren Zustand von ihm nahe stehenden Menschen abhängig zu machen. Sie scheinen ja gesunder oder stärker zu sein als er. Stattdessen sollte ein Hilfesuchender sein System einfach um zusätzliche Menschen erweitern, die effektiv helfen können: Freunde, Therapeuten oder Berater. Die Beziehung zu diesen Menschen erlaubt es ihm, sich selbst in neuer Weise zu erfahren und dadurch zu „gesunden“. Durch ihre Hilfe kann er ein neues Selbstbild und neue Verhaltensweisen entwickeln, was ihm die Kraft gibt, seine alten Beziehungen zu transformieren oder zu lösen. Hat dieser Gefühlstyp seine verschiedenen Teilpersönlichkeiten integriert und somit seine Beziehungen bereinigt, kann er andere auf diesem Weg effektiv anleiten und unterstützen. Das Verstehen systemischer Zusammenhänge ist aber nicht nur ein therapeutischer Weg, sondern auch eine Möglichkeit, Glückserlebnisse zu erschaffen: Menschen müssen sich ja nicht in emotionale Abhängigkeitsverhältnisse verstricken, sondern können sich auch gegenseitig auf eine Aufwärtsspirale bringen. Wer seine Liebe als schöpferische Kraft einsetzt, erlebt, wie sie andere verändert und wie dies auf ihn selbst zurückwirkt.

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Pioniere der Gefühlsbereinigung Menschen, die eine starke energetische Wahrnehmung haben, fühlen sich von den Gefühlen anderer direkt betroffen. Sie können sich den energetischen Einwirkungen derjeniger, mit denen sie in Verbindung stehen, nicht entziehen. Es ist ihnen beispielsweise unmöglich, sich leicht und glücklich zu fühlen, wenn ihr Partner depressiv ist. Eine intensive zwischenmenschliche Beziehung wie etwa eine Partnerschaft beinhaltet das Teilen und „Vermischen“ von Energien und inneren Zuständen. Wie kann sich ein hochsensibler Mensch gegen all das abgrenzen, was ihm nicht zuträglich ist? Er braucht die starke innere Bereitschaft, an seinen Beziehungen intensiv zu arbeiten. Dann ist sein Einfluss auf die ihm nahe Stehenden so groß und heilsam, dass sie mit ihm zusammen wachsen und gesunden werden. Wenn sie sich innerlich widersetzen, werden sie seine Energie und seine Nähe nicht mehr suchen. Verstrickungen mit „niedrig schwingenden“ Menschen entstehen nur, wenn man auch selbst einen stagnativen inneren Anteil hat, der glaubt, aus der Verbindung mit solchen Menschen profitieren zu können. Es ist derjenige innere Anteil, der das wahre Selbst verleugnet und sich „opfert“, um etwa Bestätigung, gesellschaftliche Anerkennung oder Ablenkung von tief liegenden Sehnsüchten zu erlangen. Wenn dieser Anteil in einer Beziehung aktiv ist, fühlt sie sich nicht inspirierend, sondern anstrengend an. Pioniere der Gefühlsbereinigung müssen besonders darauf achten, sich nicht mit den Lasten anderer zu beladen, um ihnen scheinbar zu helfen oder um ihren Forderungen zu entsprechen. Niemand kann die negativen Gefühle eines anderen an dessen Stelle verarbeiten und auflösen. Wer sich den emotionalen Ballast eines anderen auflädt, erklärt sich energetisch für schuldig oder verantwortlich. Damit manövriert er sich in einen unlösbaren „Schuldkreislauf“, denn es wird ihm nie möglich sein, den inneren Zustand eines anderen zu verändern, egal wie sehr er sich anstrengt. Er kann durch diese kräftezehrenden Bemühungen zwar dem anderen kurzfristig Erleichterung verschaffen, aber keine echte Lösung herbeiführen. Der andere wird vielleicht von ihm abhängig, und er entwickelt sich so nicht weiter. Wer anderen wirklich helfen und Kraft geben will, braucht ein klares Bewusstsein für die eigene Kraft, das innere Gleichgewicht und die Dynamik seiner Beziehungen. So kann er genau erkennen, ob jemand bereit ist, selbst an sich zu arbeiten oder ob jemand die Verantwortung für sein eigenes Wohlergehen abgeben will. In vielen Beziehungen versuchen die Partner, sich gegenseitig zu manipulieren, sich gegenseitig Schuld aufzubürden, sich gegenseitig Energie zu stehlen, um sich innerlich Erleichterung zu verschaffen. Solche Beziehungen kann ein hochsensibler Mensch sich nicht dauerhaft leisten – die Belastungen werden schnell unerträglich. Es gilt also, innerlich frei zu werden und aus einer Position der hundertprozentigen Eigenverantwortlichkeit heraus mit anderen in Kontakt zu treten. Wer innerlich „erwachsen“ ist, fühlt sich nicht mehr von anderen emotional abhängig, weil er alle Energien, die er braucht, selbst „herstellen“ kann. Das bedeutet, er ist nicht mehr bedürftig, weil er alle Energien der Liebe, der Freude oder des Glücks, die er sich 15

wünscht, frei durch sich zirkulieren lassen kann: Er bezieht sie von überall her im Kosmos, indem er sich selbst in Resonanz dazu bringt. Alle Gefühle sind Schwingungen, die man mit anderen teilt, weil man selbst mit ihnen „mitschwingt“, also in Resonanz ist. Man kann seine Gefühle wählen – aber nicht durch Kontrolle und Willenskraft, sondern durch bewusstes „Einschwingen“ in ein bestimmtes Resonanzgeschehen. Durch diese Bewusstheit wird man frei von dem Zwang, die negativen Gefühle anderer zu teilen. Ein solches Verständnis energetischer Zusammenhänge ermöglicht es „Gefühlspionieren“, die gesellschaftlich weit verbreiteten kranken Beziehungsmuster aufzulösen und ein neues, gesundes Beziehungsverhalten zu entwickeln. So wird es möglich, glückliche Beziehungen zu erschaffen, die jeden bereichern und ihm zugleich seine Freiheit und Eigenständigkeit lassen. In solche Beziehungen nimmt die innere Freiheit und Selbstständigkeit der Beteiligten sogar zu, denn sie erfahren im Austausch miteinander immer mehr über sich selbst, ihre wahre Identität und ihre schöpferische Kraft.

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