Die Pflegenoten stehen seit ihrer Einführung

November 2, 2016 | Author: Guido Brauer | Category: N/A
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1 SCHWERPUNKT QUALITÄT Gute Chancen für Relaunch der Qualitätssicherung w Qualität messen Seit drei ...

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SCHWERPUNKT  | QUALITÄT

Gute Chancen für Relaunch der Qualitätssicherung w Qualität messen  Seit drei Jahren setzen einige Leistungserbringer ein neues Konzept zur Qualitätsbeurteilung um, für das sie bereits Kostenträger gewonnen haben. Gemeinsam verfolgen sie ein Qualitätssicherungssystem, das allen Beteiligten mehr Klarheit bringt.  Text: Nadine-Michèle Szepan | Heidemarie Kelleter

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ie Pflegenoten stehen seit ihrer Einführung durch das Pflegeweiterentwicklungsgesetz 2009 stark in der Kritik. Sie sind weder für die Pflegebedürftigen noch für die Pflegeeinrichtungen zur Weiterentwicklung ihrer Pflegequalität aussagekräftig. Auch für MDK und PKV-Prüfdienst, Pflegekassen und Politik hat das jetzige Notensystem Grenzen. Gesetzgeberisch wurden die Weichen für einen Relaunch der Transparenz bereits in 2012 gestellt. Einige Leistungserbringer setzen seit drei Jahren ein neues Konzept zur Qualitätsbeurteilung in stationären Pflegeeinrichtungen um und haben bereits Kostenträger dafür gewonnen. Gemeinsam gehen sie den nächsten Schritt und beschreiben ein Qualitätssicherungssystem, das Pflegebedürftigen, Pflegekassen und Einrichtungen mehr Durchblick bringt. Schaut man sich das Pflegenoten-Spektrum an, ist man überrascht: Die Heime schneiden bei der Pflegequalität im Bundesdurchschnitt mit der Schulnote 1,2 ab. Das spiegelt sich auch in der Verteilung wider: 95,4 Prozent der Heime haben beim umgangssprachlichen Pflege-TÜV mindestens die Schulnote 2,0 – meistens sogar besser. Da stellt sich die Frage nach der Aussagekraft der MDK-Pflegenoten. Qualitätsunterschiede zwi-

EQISA IM ÜBERBLICK Im Projekt EQisA „Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe“ kooperieren der Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln mit dem Institut für Pflegewissenschaft (IPW) an der Universität Bielefeld und aktuell 145 Pflegeeinrichtungen mit 13 600 Bewohnern. Seit Januar 2012 wird hier ein Konzept zur Beurteilung von Ergebnisqualität umgesetzt, das von Wingenfeld et. al. 2011 wissenschaftlich entwickelt wurde. Ein Beirat begleitet das Projekt, dieser besteht aus Vertretern des MDK, dem Prüfdienst der PKV, Ministeriumsvertreter aus zwei Ländern sowie zwei Kassenvertreter der Bundesebene.

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schen den Einrichtungen lassen sich mit der heutigen Systematik nicht verdeutlichen. Welchen Nutzen bringt dies dann dem Verbraucher? Und was bringt sie eigentlich für die Heime? In erster Linie dienen sie den Heimen als Außendarstellung. Erkenntnisse aus den Qualitätsprüfungen für die Weiterentwicklungsbestrebungen lassen sich nur begrenzt gewinnen. Denn Hinweise zu Qualitätsdefiziten sind für Heime aus MDK-Prüfungen schwer ableitbar. Informationen z. B. über die Anzahl der bisher vorgekommenen Stürze und Sturzfolgen erhalten die Heime nicht über die MDK-Prüfung. Vielmehr wird geprüft, ob ein individuelles Sturzrisiko erfasst wurde. Entgegen dessen ist für die Ergebnisqualität jedoch bedeutsamer, die Wirksamkeit von Maßnahmen herauszustellen. Dies zeigt sich z. B. nicht daran, wie häufig ein Bewohner stürzt, denn Stürze lassen sich bei erheblich kognitiv eingeschränkten Pflegebedürftigen nicht immer vermeiden, sondern wie es tatsächlich gelingt, durch präventive Ansätze gravierende Sturzfolgen wie Frakturen zu verhindern. Denn die Folgen eines Sturzes können neben Schmerzzuständen zu weitreichenden Mobilitätseinbußen oder Einschränkungen der Selbständigkeit und somit zum Verlust von Lebensqualität beim Heimbewohner führen. Kontrolliert werden heute vorwiegend Strukturprozesse – z. B. Größe, Personal, Zimmer, Essensangebot und dokumentierte Prozesse der Pflege und Betreuung, aber nicht Pflegeergebnisse wie der Erhalt oder die Förderung von Selbständigkeit von Bewohnern. Letzteres ist jedoch die entscheidende Kenngröße für das Heim, um sein eigenes Handeln reflektieren zu können. Gesetzliche Intention ist es, Ergebnisindikatoren bei der Qualitätsbeurteilung Altenheim 1 | 2015

Wenn Einrichtungen mit ihren Kennzahlen zur Ergebnisqualität arbeiten, kann sich die Qualität der Pflege verbessern. Das wird im Projekt EQisA deutlich. Foto: Werner Krüper

gegenüber Struktur- und Prozessinformationen stärker zu gewichten.

Neuen Chancen der Qualitätsbeurteilung gegenüber offen sein Eine punktuelle Weiterentwicklung des PflegeTÜV führt nicht wirklich zu einer Verbesserung der Transparenz von Qualität in den Einrichtungen, dies zeigen jedenfalls erste aktuelle Analysen nach der Umsetzung des Schiedsspruchs zur PTVS. Nach wie vor beruht die Qualitätsbewertung auf Prozessen, sodass weiterhin 95 Prozent der Einrichtungen gute bis sehr gute Noten erhalten. Will man künftig die Qualität eines Heimes vorwiegend anhand von Ergebnissen bewerten und Aussagen über Pflegeergebnisse über die Gesamtheit treffen, so muss man neuen Chancen der Qualitätsbeurteilung offen gegenüber stehen. Bisher fehlt es an einem gemeinsamen Qualitätsverständnis zwischen internem Qualitätsmanagement (QM) in Verantwortung der Einrichtung und externer Qualitätsprüfung im Auftrag der Kostenträger. Es gibt bisher keinen Konsens darüber, was genau unter „guter Pflege“ zu verstehen ist. Deshalb laufen auch in der Konsequenz in der heutigen Praxis beide Qualitätssysteme quasi parallel oder das interne QM ist fokussiert auf MDK-Prüfungen. Grundlage der Neuausrichtung der Qualitätssicherung muss daher ein von allseits anerkanntes, wissenschaftlich fundiertes Qualitätsverständnis sein, dass sowohl im internen QM als auch in der externen Qualitätssicherung zur Anwendung kommt. Die von Wingenfeld et. al. (2011) erarbeiteten und in dem Projekt „Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe“ (EQisA) weiterentwickelten Indikatoren eignen sich grundsätzlich für einen solchen Neuanfang in der Qualitätssicherung im Heim. Altenheim 1 | 2015

Heime brauchen ein Reflexionsinstrument Wichtigstes Ziel der Einführung von Ergebnisindikatoren muss sein, den Heimen einen Maßstab zu geben, an dem sie ihre Bemühungen zur Weiterentwicklung der Versorgungsqualität ausrichten und immer wieder aufs Neue reflektieren können. Flankiert wird dieses Reflexionsinstrument mit einer externen Prüfung, um den Heimen eine valide Grundlage für ihre Evaluation des Pflegeprozesses an die Hand zu geben; aber auch, um die Akzeptanzprobleme der Kostenträger und Prüfinstanzen für selbsterhobene Informationen zu minimieren. Die damit gewonnene realistische Abbildung der vom Heim verantworteten Pflegequalität kann Grundlage für einen neu auszurichtenden Beratungsprozess für Heime von MDKPrüfern sein.

Qualitätsunterschiede zwischen den Einrichtungen lassen sich mit der heutigen Systematik nicht verdeutlichen. Qualitätsdialog auf Augenhöhe Vergleiche zur Qualität begründen sich methodisch immer auf entsprechenden Nachweisen, so wie dies auch in der Messung von Ergebnisqualität mittels Indikatoren in den Heimen erfolgt. Erst durch Einbezug aller Bewohner wird die tatsächliche Qualität der Pflege eines Heimes ermittelt. Solche intern erhobenen Daten liefern natürlich viele Erkenntnisse zur Verbesserung der Versorgung. Dazu zählt beispielsweise, sich mit der ethischen Dimension zur Sicherheit und Autonomie von freiheitsbeschränkenden Maßnahmen wie Gutfixierung zur Sturzvermeidung zu beschäftigen und mit Angehörigen und Ärzten in

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PFLEGE-TÜV: WIE GEHT ES WEITER? Um eine gute Pflegequalität in Pflegeeinrichtungen zu gewährleisten, sind regelmäßige und unangemeldete Qualitätsprüfungen und Kontrollen in Pflegeeinrichtungen wichtig. Die Ergebnisse dieser Prüfungen müssen auch der Öffentlichkeit in leicht verständlicher Form zugänglich gemacht werden. Das aktuelle System der Pflegenoten tut dies nicht. Die Übersetzung der MDK-Prüfberichte in Schulnoten ist sogar regelrecht irreführend. Der Notendurchschnitt für alle rund 12 500 stationären Pflegeeinrichtungen liegt momentan bei 1,3. Bei der Bewertung wird nicht unterschieden zwischen Kernkriterien, die eine gute Pflegeeinrichtung auf jeden Fall erfüllen muss, und weniger wichtigen Faktoren. Dabei ist es ein gewaltiger Unterschied, ob Medikamente falsch verteilt werden oder ob die Speisekarte schwer lesbar ist. Ein solches Benotungssystem ist nicht aussagekräftig und wird von den Verbrauchern nicht ernst genommen.

„Die Pflege-Noten sind gescheitert.“ Karl-Josef Laumann (CDU), Pflege-Bevollmächtigter der Bundes

Die Pflege-Noten sind gescheitert. Wir brauchen stattdessen endlich messbare und wissenschaftlich fundierte Kriterien, an denen sich die Qualität von Pflege festmachen und vergleichen lässt. Die Selbstverwaltung hat es bisher nicht vermocht, sich darauf zu einigen. Daher muss mit dem Pflegestärkungsgesetz II ein unabhängiges Expertengremium aus Wissenschaftlern geschaffen werden, das verbindlich festlegt, wie die Ergebnisse der MDK-Prüfungen künftig unverfälscht und in leicht verständlicher Form veröffentlicht werden können.

den Dialog zu treten. Denn Lösungen zur Qualitätsverbesserung können nur von innen erfolgen und sind verschiedenartig. Selbstbewertete interne Pflegequalität sollte der Wirklichkeit entsprechen und nicht dem Selbstzweck dienen. Die Daten sollten zudem plausibel sein. Ein Ergebnis der Selbstbewertung sollte daraufhin geprüft werden, ob es glaubwürdig und nachvollziehbar ist. Den Prüfinstanzen käme damit aber eine neue, beratende Rolle zu. Ein solcher Qualitätsdialog auf Augenhöhe wird weitere Qualitätsverbesserungen in den Heimen anregen.

Fachliche Kompetenzen sind in besonderem Maße gefragt – das motiviert die Pflegenden Ergebnisqualität wird durch kontinuierliche Verbesserung zum Konzept erfolgreicher Pflege und fördert nachhaltig die Lebensqualität von Bewohnern. Die Arbeit mit wissenschaftlichen Instrumenten motiviert die Pflegenden, weil fachliche

INDIKATOREN ZUR BEURTEILUNG VON ERGEBNISQUALITÄT Die 15 gesundheitsbezogenen Indikatoren zur Beurteilung von Ergebnisqualität des Abschlussberichtes “Entwicklung und Erprobung von Instrumenten zur Beurteilung von Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe“ (2011) sind: źź źź źź źź źź źź źź źź źź źź

Selbständigkeit im Bereich Mobilität* Selbständigkeit bei Alltagsverrichtungen* Selbständigkeit bei der Gestaltung des Alltagslebens u. sozialer Kontakte Dekubitusentstehung* Unbeabsichtigter Gewichtsverlust* Stürze mit gravierenden Folgen* Integrationsgespräch Gurtfixierungen Herausforderndes Verhalten (Einschätzung) Schmerz (Einschätzung)

* Zwei Indikatoren wegen Gruppenunterteilung

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Kompetenzen in besonderem Maße gefragt werden und somit das Selbstbewusstsein gestärkt wird. Wenn Pflegende in ihrer Berufsrolle und ihrem Wissen ernst genommen werden, fühlen sich sie auch wertgeschätzt. Die Anwendung der wissenschaftlichen Instrumente zur Ergebnisqualität sollte in den Heimen gut vorbereitet und geschult werden. Zudem ist die Umsetzung des Konzeptes verbunden mit Veränderung von Denk- und Handlungsmustern. Wenn Einrichtungen mit ihren Kennzahlen zur Ergebnisqualität arbeiten, kann sich die Qualität der Pflege verbessern, wie im Projekt EQisA deutlich wird.

Grundlagen für die externe Qualitätsprüfung relaunchen Ergebnisindikatoren machen die Beurteilung von Prozessen und Strukturen der Heime nicht überflüssig. Bei einer ausschließlichen Qualitätssicherung auf Grundlage der Ergebnisindikatoren verkürzen diese die Aussagen zur Qualität im Leistungsspektrum von Heimen auf ein unvertretbares Maß. Bei der Neuausrichtung der Qualitätssicherung für die Heime ist daher auch ein Konzept gefragt, in dem die Bewertung von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität in zentralen Versorgungsfeldern ineinander greifen. Um dieses Konzept erfolgreich umzusetzen, bedarf es daher neben der Einführung von Indikatoren im internen Qualitätsmanagement auch eines Relaunchs der Grundlagen für die externe Qualitätsprüfung, die perspektivisch, wissenschaftsbasiert neben der Prüfung der Ergebnisse einen Fokus auf die Prüfung der Prozesse legen sollte. Nimmt man die heutigen Erkenntnisse aus der Qualitätssicherung und der daraus resultierenden Anforderungen für einen Relaunch als Ausgangspunkt für eine Weiterentwicklung, müssen interAltenheim 1 | 2015

SCHWERPUNKT  | QUALITÄT TRANSPARENZ IN DER PFLEGE IST NOTWENDIG UND MUSS WEITERENTWICKELT WERDEN Pflegetransparenz ist eine wichtige Informationsquelle für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bei der Auswahl einer geeigneten Pflegeeinrichtung. Deshalb sollten die Berichte über die Qualität von Pflegeeinrichtungen zentrale Themen der Pflege für den Verbraucher differenziert darstellen und verständlich sein. Qualitätsindikatoren sind ein Baustein für eine neue Qualitätsberichterstattung. Gegenwärtig dienen die Indikatoren ausgewählten Pflegeeinrichtungen aber insbesondere zum internen Qualitätsmanagement. Vor einem Einsatz für eine externe Qualitätsberichterstattung sollten zunächst geeignete Verfahren zur Datenaufbereitung und -validierung entwickelt werden. Zudem werden über Ergebnisindikatoren gegenwärtig nicht alle wichtigen Qualitätsthemen abgebildet. Deshalb sind auch verbraucherrelevante Ergebnisse aus externen Qualitätsprüfungen zu berücksichtigen. Auch die externen Qualitätsprüfungen sind an die neuen Herausforderungen anzupassen. Auf Grundlage eines wissenschaftlich fundierten Qualitätsverständnisses ist zu prüfen,

„Qualitätsindikatoren sind ein Baustein für eine neue Qualitätsberichterstattung.“ Ulrike Bode, Referatsleiterin Pflege beim GKV-Spitzenverband in Berlin

welche Prüfkriterien nicht mehr zielführend sind, welche neu gestaltet werden sollen und in welchen Bereichen neue Kriterien sinnvoll sind. Der GKV-Spitzenverband hat bereits externen Sachverstand einbezogen und wird die externen Qualitätsprüfungen auf wissenschaftlicher Grundlage weiterentwickeln. Dabei wird eine inhaltliche Verknüpfung zu den Ergebnisindikatoren gewährleistet. Auch die Anforderungen an eine verständliche und transparente Qualitätsberichterstattung für den Verbraucher sind zu erfüllen.

nes QM und externe Qualitätssicherung so ineinander greifen, dass sie tatsächlich die Weiterentwicklung der Pflegequalität in den Heimen voranbringen. Dabei profitieren alle Beteiligten an dieser Neuausrichtung: Verbraucher, Heime, Prüforganisationen und Pflegekassen. Wie könnte das Zusammenspiel im Regelbetrieb gestaltet werden? Limitiert wird die nachfolgende Skizzierung eines solchen Verknüpfungsmodells durch die derzeit gesetzlichen Grundlagen und ihre untergesetzlichen Normen.

Wie das neue Verknüpfungsmodell aussehen kann Ausgangspunkt im Verknüpfungsmodell – wie in der Grafik unten dargestellt, ist das interne QM eines Heimes. Unerheblich davon, wie das interne QM aufgestellt ist, werden halbjährlich vom Heim die Informationen für die Indikatorenerhebung aus der Routinedokumentation vollständig und methodisch richtig erfasst und für die Datenlieferung an einer externen Stelle aufbereitet. Die ver-

Intern messen – extern prüfen Internes Qualitätsmanagement · Erhebung der Indikatoren

Aufbereitung der Daten Datenvalidierung

Qualitätsbericht

Das interne Qualitätsmanagement im Heim ist Ausgangspunkt in diesem Verknüpfungsmodell. Quelle: AOK Bundesverband

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Bescheid durch Landesverbände der Pflegekassen

Prüfthema Prüffrequenz Prüftiefe

· Wahrhaftigkeit · Manipulationsresistenz · Fehlerresistenz

Externe Qualitäts­ sicherung durch Landesverbände der Pflegekassen

Qualitätsprüfung durch den Medizinischen Dienst, Beratung der Pflegeeinrichtungen

Wenn sich internes Qualitätsmanagement und externe Qualitätssicherung ergänzen, erhöhen sich Qualität und Transparenz. Dazu erfasst die Pflege­ einrichtung zunächst für jeden Bewohner bestimmte Qualitätsindikatoren. Diese Daten fließen in die externe Qualitätssicherung der Pflegekassen ein. Je nach Ergebnis können Schwerpunkte, Häufigkeit und Tiefe der

antwortlichen Mitarbeiter in den Heimen sind verpflichtet, dass diese Daten fristgerecht in einem festgelegten Standard an die externe Stelle übermittelt und regelgerecht aufbereitet werden. Die externe Stelle ist wiederum für die statistische Prüfung der Daten verantwortlich. Für die Indikatorenberechnungen werden die vom Heim gelieferten Daten auf ihre Qualität hin überprüft und ob sie die Ergebnisse des Heimes nachvollziehbar abbilden; dazu werden die Angaben der Heime stichprobenartig auf Richtigkeit und Plausibilität geprüft. Ausreichen würde die heutige MDK-Stichprobengröße. Die so einbezogenen Bewohnererfassungen könnten in der Einrichtung mit den Bezugspflegenden und der Routinedokumentation in Form einer Triangulation geprüft und fachlich reflektiert werden. Hat beispielsweise der mehrfach gestürzte Bewohner in dem erhobenen Zeitraum tatsächlich keine gravierende Folge, z. B. eine Fraktur erlitten? Der Bewohner kann dann in diese Prüfung selbst einbezogen werden, so zum aktuellen Mobilitätszustand. Jedoch lassen sich zwischenzeitlich abgeheilte, aber in einer Erhebung erfasste Hautschäden oder Sturzfolgen nicht mehr beim Bewohner selbst prüfen, sondern müssen in der Dokumentation fachlich nachvollziehbar sein. Es bedarf auch zusätzlicher Normen, für den Fall, dass ein Heim nicht in der Lage ist, auch nach einer Prüfung plausible Datensätze für die Berechnung der Ergebnisindikatoren zu liefern. Nachdem die berechneten Ergebnisindikatoren als plausibel eingestuft wurden, werden sie halbjährlich zurück an das Heim gespielt, um so eine Handlungsorientierung für das interne QM zu bieten. Die Landesverbände der Pflegekassen erhalten halbjährlich ebenfalls die Indikatorenergebnisse. Somit können sowohl das Heim als auch Altenheim 1 | 2015

Die Arbeit mit wissenschaftlichen Instrumenten motiviert die Pflegenden, weil fachliche Kompetenzen in besonderem Maße gefragt werden und somit das Selbstbewusstsein gestärkt wird. Foto: Werner Krüper

die Kostenträger die Ergebnisse nutzen, um Beratungsprozesse zwischen Heim und Prüfinstitution anzustoßen. Diese Pflegeergebnisse können auch Einfluss auf die Beauftragung des MDK für die externe Qualitätsprüfung haben. Haben Heime über einen längeren Zeitraum kontinuierlich gute Pflegeergebnisse, wäre denkbar, dass der Prüfrhythmus für die Regelprüfung von jährlich auf beispielsweise alle zwei Jahre hochgesetzt würde. Umgekehrt können aber auch schlechte Pflegeergebnisse in einzelnen Versorgungsbereichen genutzt werden, um im Rahmen der externen Qualitätsprüfung einen Fokus auf das Prüfthema bzw. auch in der Prüftiefe oder Prüfart (Anlassprüfung) zu legen – mit dem Ziel, im Rahmen der Beratung das Heim bei der Ursachenanalyse zu unterstützen.

Die externe Qualitätssicherung deckt noch andere Bereiche ab als die Ergebnisindikatoren Grundsätzlich findet im jährlichen Rhythmus, zeitnah an der Indikatorenerhebung des Heimes und anschließender Datenplausibilisierung, eine Regelprüfung des MDK im Auftrag der Kostenträger statt. Erkenntnisse aus den Indikatorenergebnissen können auch ergänzende Hinweise liefern. Im Fokus der externen Qualitätsprüfung steht einerseits die Prüfung von Prozessen der Bereiche, für die Ergebnisindikatoren vorliegen, um diese Erkenntnisse für die anschließende Beratung des Heimes im Qualitätsdialog zu nutzen. Andererseits bildet die Qualitätsprüfung Versorgungsbereiche ab, die nicht über die Ergebnisindikatoren abgedeckt sind – wie das Medikamentenmanagement, freiheitsentziehende Maßnahmen wie geschlossene Bettseitenteile, Hygienemanagement u.a. Im Anschluss an die Qualitätsprüfung vor Ort wird der Qualitätsdialog zwischen Heim und Altenheim 1 | 2015

MDK in Sinne von Fallkonferenzen eingeleitet – etwa, wenn die Anzahl neu entstandener Druckgeschwüre in der Einrichtung hoch bleibt oder sich über einen Zeitraum weiter verschlechtert, mit dem Ziel, dem Heim Hilfestellung bei der Weiterentwicklung seiner Pflegequalität zu geben. Sowohl die Erkenntnisse aus der externen Qualitätssicherung als auch aus dem Qualitätsdialog münden in den Prüfbericht. Dieser formuliert

Es braucht einen Konsens darüber, was genau unter „guter Pflege“ zu verstehen ist. Maßnahmen und Empfehlungen und kann als Basis für die Bescheide der Kostenträger genutzt werden. Wie im heutigen System auch erhält das Heim die Möglichkeit, Stellung zum Prüfbericht zu nehmen, bevor die Kostenträger ggf. einen Maßnahmenbescheid erlassen. Der Qualitätsbericht fasst dann die Erkenntnisse aus dem internen QM und der externen Qualitätsprüfung unter Ausweis der Quelle – wer hat was, wann und wo mit welchen Instrumenten erfasst – zusammen. Die große Koalition hat auch die Qualitätssicherung in der Pflege auf die Agenda der jetzigen

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SCHWERPUNKT  | QUALITÄT INTERNES QUALITÄTSMANAGEMENT MIT EXTERNER QUALITÄTSSICHERUNG VERZAHNEN Der MDK Bayern begleitet das Projekt EQisA des Diözesan-Caritasverband Köln in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pflegewissenschaft der Universität Bielefeld seit 2013. Der MDK Bayern begrüßt die Nutzung von Ergebnisindikatoren für das interne Qualitätsmanagement einer Einrichtung. Es stellt eine Möglichkeit dar, bei allen Bewohnern den Verlauf in ausgewählten Bereichen zu erfassen, das Ergebnis der erbrachten Pflege zu reflektieren und auf Grundlage der Ergebnisse zielgerichtete Qualitätsoptimierungen zu planen. Prinzipiell stehen die derzeit angewandten QualitätsprüfungsRichtlinien (QPR) der Erhebung der Ergebnisindikatoren in den Einrichtungen nicht entgegen. Allerdings befürwortet der MDK Bayern eine Weiterentwicklung der externen Qualitätsprüfungen mit einem Schwerpunkt auf Ergebnis- und Lebensqualität. Wissenschaftlich sollte zudem erarbeitet werden, welche für Bewohner und ihre Bezugspersonen bedeutsamen Qualitätsaspekte sowie welche nicht durch Ergebnisindikatoren erfassten

„Externe Prüfungen mit einem Schwerpunkt auf Ergebnisund Lebensqualität weiterentwickeln.“ Cornelia Krüger ist Referentin für Pflege­systemfragen beim MDK Bayern.

relevanten Merkmale Gegenstand externer Prüfungen sein könnten. Der MDK Bayern geht davon aus, dass eine Verzahnung von internem Qualitätsmanagement und externer Qualitätssicherung die Qualitätsbestrebungen der Einrichtungen unterstützen und somit die Pflegequalität verbessern kann. Fallbesprechungen mit Mitarbeitern der Einrichtungen und des MDK zu Qualitätsfragen bei einzelnen Bewohnern könnten zudem hilfreich sein, um Prozesse in den Einrichtungen zu verstetigen.

Legislatur gesetzt. Ihr Ziel ist es, die Qualitätssicherungsverfahren auf wissenschaftliche Standards aufzusetzen und sie dahingehend weiterzuentwickeln, dass die Qualitätsunterschiede der Einrichtungen für die Verbraucher in Zukunft deutlicher werden.

Ergebnisindikatoren machen die Beurteilung von Prozessen und Strukturen in den Heimen nicht überflüssig. Mit der Implementierung der in Rede stehenden Indikatoren wird gleichzeitig die Qualitätssicherung auf pflegewissenschaftlich-fundierte fachliche Grundlagen gestellt; sie trägt dem neuen Verständnis von Pflegebedürftigkeit vollumfänglich Rechnung. Auch die Erkenntnisse aus dem EQisA-Projekt zeigen, dass die Pflegequalität in den Heimen heterogener ist als der derzeitige PflegeTÜV das ausweist. Mit dem Verknüpfungsmodell könnten die vom Gesetzgeber und Bundesregierung definierten Anforderungen erfüllt werden.

auch verständlich und übersichtlich dargestellt werden. Denn die für das interne QM sinnvollen Kennzahlen zur Ergebnisqualität müssen auch für den Verbraucher in ihrer Bedeutung nachvollziehbar sein. Der Relaunch der Qualitätssicherung kann auch die Chance sein, einen Neubeginn im Umgang miteinander zu starten. Weg von der bisher im System geprägten gegenseitigen Misstrauenskultur hin zu einem partnerschaftlichen Verhältnis mit dem Ziel, gemeinsam – Heim, MDK und Pflegekasse – die Pflegequalität in Deutschland voranzubringen. ¬

MEHR ZUM THEMA Frage: [email protected]; [email protected] Info: Über den Kurzlink http://vinc.li/1GiyJLy gelangen Sie direkt auf die Homepage des Caritas-Verbandes zum Projekt EQisA. www: www.uni-bielefeld.de/IPW Weitere Beiträge: Beachten Sie dazu bitte auch den Schwerpunkt in der Altenheim-Ausgabe 2/2013.

Was ist gute Qualität und welcher Maßstab wird zugrunde gelegt? Offen bleibt die Frage, was tatsächlich gute Qualität ist und welcher Maßstab zugrunde gelegt wird. Bisher fehlen jedoch solche absoluten Maßstäbe, um entscheiden zu können, was ein gutes Ergebnis und was ein schlechtes ist. Diese sind aber notwendig, dem eigentlichen Ziel näher zu kommen, die Pflegequalität nach innen – Rückspiegelung in das Heim – wie auch nach außen gegenüber Verbrauchern bei der Auswahl eines Heims eine verlässliche Entscheidungsgrundlage zu geben. Neben Vergleichbarkeit müssen die Pflegeergebnisse

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Nadine-Michèle Szepan leitet die Abteilung Pflege in der Geschäftsführungseinheit Versorgung beim AOK-Bundesverband in Berlin.

Dr. Heidemarie Kelleter ist Referentin für Qualitätsberatung beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V. Altenheim 1 | 2015

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