AUS DEM KONTEXT. Masterarbeiten im Studiengang ART IN CONTEXT 2010 / 2011

August 17, 2017 | Author: Margarete Huber | Category: N/A
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AUS DEM KONTEXT Masterarbeiten im Studiengang ART IN CONTEXT 2010 / 2011 Institut für Kunst im Kontext Fakultät Bildende Kunst Universität der Künste Berlin

IMPRESSUM Aus dem Kontext Masterarbeiten am Institut für Kunst im Kontext 2010 / 2011 Universität der Künste Berlin, 15. - 17. Juli 2011 Herausgeber: Institut für Kunst im Kontext, Universität der Künste Berlin Redaktionelle Bearbeitung und Ausstellung: Seminar Ausstellung: Felicitas Koch, Joung-hee Lee, Nawroz Qadir, Rubén Sánchez und Michael Fehr Gesamtherstellung: Druckteam, Berlin Verlag: Universität der Künste Berlin, Verlagsort: Berlin © Universität der Künste 2011 und die Autoren ISBN 978-3-89462-203-9 Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Dieser Katalog ist zu beziehen über: Universität der Künste Berlin Einsteinufer 43-53 D-10587 Berlin, Germany p. 030 3185 2960 f. 030 3185 2961 [email protected] www.kunstimkontext.udk-berlin.de

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Aus dem Kontext Mit diesem Katalog stellen wir die im Studienjahr 2010 / 2011 im Weiterbildungsstudiengang ‘Art in Context’ an der Universität der Künste Berlin entstandenen Masterarbeiten vor. Der Katalog gibt, wie die Ausstellung im Rahmen des Semesterrundgangs 2011, einen guten Eindruck über die vielfältigen künstlerischen Ansätze und die höchst unterschiedlichen Themen, mit denen sich die Studierenden – und damit auch die am Institut Lehrenden – beschäftigen. Der Studiengang ‘Art in Context’ wendet sich an Künstlerinnen und Künstler, die ihre künstlerische Arbeit in einem gesellschaftlichen Zusammenhang positionieren wollen. Das künstlerische Arbeiten im gesellschaftlichen Kontext setzt nicht nur eine besondere künstlerische Begabung und ein konkretes Interesse, sondern hohe soziale und kommunikative Kompetenz, große Ausdauer und die Fähigkeit zur Reflexion und Theoriebildung voraus. Denn von Künstlerinnen und Künstlern, die ihre Konzepte, Strategien und Arbeitsweisen im Rahmen unterschiedlicher Lebenswelten oder im Bezug zu Expertensystemen entwickeln und erfolgreich realisieren wollen, wird erwartet, dass sie außerkünstlerische Fragestellungen, Problemlagen und Vorurteile verstehen, sie auf einem professionellen Niveau aufnehmen und die Anschlussfähigkeit der eigenen Arbeit begründen können. Der Studiengang ‘Art in Context’ bildet für vier Berufsfelder aus: – Künstlerische Arbeit mit gesellschaftlichen Gruppen (Kulturelle Bildung) – Künstlerische Arbeit in kulturellen Institutionen (Artistic Museum Studies und Artistic Curatorial Studies) – Künstlerische Arbeit im öffentlichen Raum – Künstlerische Arbeit im Kontext der medialen und wissenschaftlichen Bildproduktion 3

Aus den entsprechenden Lehrangeboten entwickeln die Studierenden gemäß ihrer Interessen in Absprache mit den Lehrenden ihre jeweils individuellen Studienpläne. Das Studium zielt auf die Professionalisierung der Studierenden ab. Gleichrangig zur Auseinandersetzung mit den Eigenarten bestimmter Berufsfelder ist daher ein wichtiges Ziel des Studiengangs zu erlernen, wie erreichbare Ziele gesteckt, größere Aufgaben im Teamwork realisiert und neue Arbeitsfelder erschlossen werden können, sowie – nicht zuletzt – eine eigene wirtschaftliche Existenz aufgebaut werden kann. Der nicht-konsekutive Studiengang kann als Vollzeitstudium in vier Semestern oder als berufsbegleitendes Teilzeitstudium in sechs Semestern absolviert werden. Er ist gebührenfrei und ohne Altersbegrenzung. Die Unterrichtssprache ist Deutsch. Zugangsvoraussetzung sind a) ein berufsqualifizierender Hochschulabschluss oder ein vergleichbarer Abschluss im Ausland in einem einschlägigen künstlerischen oder gestalterischen Studiengang oder ein mit der 1. Staatsprüfung abgeschlossenes Hochschulstudium für ein Lehramt mit dem Fach Bildende Kunst sowie b) eine mindestens einjährige berufliche Praxis. Etwa die Hälfte der 75 derzeit am Institut Studierenden hat ein sechssemestriges Teilzeitstudium gewählt; etwa zwei Drittel der Studierenden stammen aus dem Ausland, davon der größere Teil aus außereuropäischen Ländern; etwa drei Viertel der Studierenden sind weiblichen Geschlechts; das Durchschnittsalter der Studierenden liegt bei ca. 32 Jahren; etwa die Hälfte der Studierenden hat ein abgeschlossenes Erststudium im Bereich der Bildenden Künste, die andere Hälfte einen Abschluss im Bereich Design, Architektur oder Kunstpädagogik. Etwa ein Drittel der Studierenden konnte das Studium mit Hilfe eines Stipendiums finanzieren. Unterstützende Stiftungen sind u.a.: Konrad-Adenauer-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, Cusanus-Werk, DAAD, Rosa-Luxemburg-Stiftung. 4

Hauptamtlich Lehrende am Institut für Kunst im Kontext: Prof. Dr. Michael Fehr, Direktor Heike-Karin Föll, M.A. Claudia Hummel Katharina Jedermann Wolfgang Knapp Klaus Mantze Lehrbeauftragte im Studienjahr 2010 /2011 am Institut für Kunst im Kontext: Bettina Allamoda Stéphane Bauer Ariane Beyn Hon. Prof. Dr. Stefanie Endlich Nils Güttler, M.A. Prof. em. Helmut Hartwig Dr. Birte Kleine-Benne Marina Landia, M.A. Ariane Müller Gunter Reski Thomas Scheffer Torsten Schöbel Prof. Thomas Sieber Prof. Dr. Karl Stocker Alexandra Regan Toland, MFA Rebekka Uhlig Dr. Elisabeth Wagner

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Aus dem Kontext Masterarbeiten im Studiengang Art in Context Jahrgang 2010/2011 Amanda Vietta Andersen Michael Bahr Christoph Balzar Birgit Binder Shirwan Can Nina Hein Naomi Hennig Julia Kapelle Jovana Komnenić Arman Kulasić Dejan Marković Anne Moirier Orkun Şahin Valentina Sartori Sabrina Schleicher Bernhard C. Striebel Katja Sudec Anita Šurkić Michael Voigtländer Shuang Wu

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Ergebnisse der Umfrage unter den Alumni 2002-2010

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Das Magazin als Kunstwerk Das FILE Magazin, 1972-1989 von der Künstlergruppe General Idea publiziert, war eines der Kunstmagazine, das selbst als Kunstwerk konzipiert war. Ich analysiere das FILE Magazin in Bezug auf seine raffinierte Aneignung von Fotos, Layout und Design der amerikanischen Fotoillustrierten LIFE, bei der sich General Idea bezüglich Inhalt und Format bediente. Während es LIFE in den 50er Jahren gelang, zum Sinnbild des American Dream zu werden und zum Beweis dafür, dass jeder Amerikaner qua Geburt alles erreichen kann – sogar Präsident zu werden –, schaffte es FILE, jedem das Gefühl zu vermitteln, Künstler sein zu können. Dies war die Botschaft der Glamour Issue, die FILE 1975 zum Durchbruch verhalf. Die Herausgeber von FILE waren Felix Partz, AA Bronson und Jorge Zontal. Sie bildeten das Künstlerkollektiv General Idea, mit dem sie sich gegen den Mythos eines individuellen Künstlergenies zu positionieren versuchten. General Ideas Kritik an der Vorstellung der individuellen künstlerischen Schöpfungsidee ließ sie mit bestehenden Bildern arbeiten. In FILE sind daher Motive zu finden, die es 20 Jahre zuvor bereits in LIFE gegeben hatte. Dieses Konzept des so genannten „Mirroring“ war für die gesamte Arbeit von General Ideas bestimmend. In meiner künstlerischen Arbeit benutze ich die Spiegelung als Weg, sowohl das Format Kunstmagazin als auch die Kunstwelt zu kritisieren. Als Spiegel benutze ich die Sprache als Apparat, der zeigt, wie sich Kunst abbildet. Dazu habe ich den Wortschatz von drei Kunstmagazinen auf die Häufigkeit der mehrfach benutzen Worte untersucht und die Doppelungen jeweils geschwärzt. Auf diese Weise ist ein Superkunstmagazin BLACKED OUT entstanden, in dem das Echo einer bestimmten Kunstauffassung über die Sprache sichtbar wird. Amanda Vietta Andersen

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Titel von FILE, Autumn 1975, und LIFE, March 13, 1970

Amanda Vietta Andersen (USA) * 1976 in Nürnberg; Studium der Bildenden Kunst am Pacific North-West College of Art, Portland, USA (Bachelor of Fine Arts, 2001) [email protected] www.amandavietta.com

Titel der Masterarbeit: Das Magazin als Kunstwerk Betreut von Heike-Karin Föll 9

La Piedra Pintada Mitten in der ländlichen Region des Departements Artigas im Norden von Uruguay ragt eine 19 Meter hohe Sandsteinformation aus der relativ flachen Umgebung heraus. Der „vielfarbige Stein“, um den sich viele Legenden gebildet haben, ist einer der wichtigsten touristischen Attraktionen von Artigas. 1982 wurde um ihn herum ein sich bis heute vergrößernder Freizeitpark angelegt. Ausgangspunkt der Masterarbeit ist meine Beobachtung, dass die Wertschätzung des Naturmonuments Piedra Pintada mit dem zunehmenden Freizeitangebot abgenommen hat, was sich u. a. an den vielen, in seine Oberfläche eingeritzten Besucherkommentaren zeigt. Vor dem Hintergrund eines sehr eingeschränkten Angebots an kulturellen Aktivitäten in der Region habe ich dort im März und April 2011 ein partizipatives Untersuchungsprojekt durchgeführt: Zusammen mit ca. 30 Schüler/innen als Expert/innen vor Ort aus zwei nahe gelegenen Landschulen wurden in mehreren künstlerischen und wissenschaftlichen Workshops Legenden und biografische Geschichten über den Piedra Pintada zusammengetragen und interpretiert, Dinge von ihm sowie aus dem Park gesammelt, geordnet und untersucht, und schließlich alle Ergebnisse an den Schulen präsentiert. Ziel des Projekts ist, unterschiedliches Wissen über den Piedra Pintada und seine Umgebung in Form einer offenen Sammlung – die ich im schriftlichen Teil der Arbeit mit geologischen, archäologischen und historischen Informationen aus meiner Recherche in der Hauptstadt Montevideo ergänzt habe – sichtbar zu machen und sie in die Infrastruktur des Parks zu integrieren. Sie soll von den Schüler/innen und Bewohner/innen der Umgebung ständig erweitert werden, um sie als Ort der Dokumentation und Interpretation ihres Natur- und Kulturerbes (wieder) in Wert zu setzen sowie Initiativen kultureller Aktivitäten in der Region anzuregen. Michael Bahr

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La Piedra Pintada, 2011; Foto: Any Paz

Michael Bahr (D) * 1966 in Stuttgart; 1990-995 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart; 1998-2004 Diplom in Visueller Kunst, Universidad de la República Montevideo, Uruguay [email protected] Titel der Masterarbeit: La Piedra Pintada. Eine künstlerisch-wissenschaftliche Untersuchung des Naturmonuments Piedra Pintada und seiner Umgebung mit Schüler/innen im Norden von Uruguay und die Entwicklung eines ortsbezogenen Präsentationsformats der gesammelten Ergebnisse Betreut von Michael Fehr 11

Kunstwerk und sakrales Werk im musealen Raum – Das Museum als Ort kultureller Reproduktion Ethnologica stellen als Exponate in Völkerkundemuseen nicht nur Fragmente einer Kultur dar, sondern sind auch oft Zeitzeugnisse kolonialer Aneignung. In den letzten Jahrzehnten haben zahlreiche Fälle für Aufsehen gesorgt, in denen indigene Volksgruppen ihre Ansprüche auf ihr Kulturerbe geltend machen konnten. Das Thema der Restitution spielte sich dabei stets in einem Spannungsfeld kultureller, politischer und konservatorischer Fragen ab. Es sind jedoch vor allem Streitigkeiten um Heiligtümer lebender Kulturen, die besonders schwer zu lösen sind. Am Beispiel der Tairona-Goldarbeiten im Museo del Oro in Bogotá und der indigenen Bevölkerung Kolumbiens untersuche ich in der vorliegenden Arbeit einen Restitutionsfall, der sich um angeblich beseelte Objekte dreht. Die Kogi, nach eigener Aussage die rechtmäßigen Eigentümer der Grabräubern abgekauften Exponate in diesem Museum, geben an, dass diese nyúi sewa „eingesperrt und ohne geistige Nahrung“ seien. Während sie auf deren Rückgabe pochen, befürchtet die Direktion des Museo del Oro, dieses Weltkulturerbe dadurch der Gefahr endgültiger Zerstörung auszuliefern. Die Frage, nach den genauen Bedingungen, die einen würdevollen Umgang mit den nyúi sewa ausmachen könnten, bleibt im Museo del Oro bislang ungestellt. Vor dem Hintergrund ethnologischer Recherchen und im Dialog mit den Kogi wurde ein Kompromiss erarbeitet, den Ansprüchen dieser Heiligtümer im Museum zumindest auf absehbare Zeit gerecht zu werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden als Konzept für eine Ausstellung im Museo del Oro skizziert, in der die Kogi an der Vermittlung ihrer Kultur maßgeblich beteiligt werden sollen. In diesem Sinn soll der Grundstein für die Transformation des archäologischen Museo del Oro in ein kulturhistorisches Museum gelegt werden. Christoph Balzar

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Der Gott hàte nyúi auf Opfergaben aus Kokablättern, ca. 900-1200 n.Chr., Tumbaga, 7 x 5 x 2 cm, Tairona, Kolumbien

Christoph Balzar (D) * 1980 in Hirschau; 2004 Studium der Aboriginal Culture an der University of Technology Sydney; 2005 Diplom in Visueller Kommunikation (Schwerpunkt: Freie Fotografie) an der Fachhochschule für Design Aachen; 20062008 Betreuung der Sammlung Schürmann Berlin; 2008 Feldforschung bei den Wiradjuri, Australien; 2008 Gründung des Kulturfördervereins Culture & Development e.V.; Ausstellungen im In- und Ausland [email protected] - www.ChristophBalzar.com www.cultureanddevelopment.org Titel der Masterarbeit: Kunstwerk und sakrales Werk im musealen Raum. Das Museum als Ort kultureller Reproduktion Betreut von Michael Fehr 13

Child of Poseidon Kanufahren als ästhetisch-kritische Forschung und Praxis Das Projekt wurde von Birgit Binder konzipiert und in Zusammenarbeit mit dem Künstler Caspar Pauli durchgeführt. Es basiert auf einer Recherche, die per Kanu auf der Berliner Spree in Friedrichshain-Kreuzberg stattfand. Seit 2007 führt Birgit Binder regelmäßig künstlerische Projekte mit ihrem roten kanadischen Kanu durch, um Stadt, Grenzen und Geschichte zu erkunden. In Child of Poseidon wurde vor allem herausgearbeitet, welche spezifische Perspektive und welches Erfahrungsspektrum das Kanufahren inkorporiert. Welche Bilder und Eindrücke entstehen beim Paddeln von der Umgebung, welche Informationen stecken hinter diesen Phänomenen? Um die künstlerische Recherche sichtbar zu machen, wurde das rote Kanu in einen Schrank umgebaut, indem sich zwei große Karten befinden und die Geräusche der abgefahrenen Strecke dokumentiert sind. Auf der einen Karte sieht man die mit Text gefüllten Umrisse der Spree. Der Text wurde nach Gesprächen mit Experten verfasst und orientiert sich formal am literarischen Bericht der flaneuristischen Stadterkundung. Auf der anderen Karte sieht man eine Zeichnung. Diese basiert auf Fotos, die während der über 20 Recherchetouren entstanden. Einzelne Teile der Zeichnung sind an den geographisch korrekten Punkten auf der Flusskarte der Spree verortet, die dieser Kartierung als Ausgangspunkt diente. Birgit Binder

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Material und Maße der Installation: Kanuschrank: Polyethylen Kanu, Holz und Transparentpapier, 4,90m x 0,89m; Karten: Tusche auf Transparentpapier, 4,90m x 1,50m

Birgit Binder (D) * 1981 in Deva, Rumänien; Bachelor of Honours in Performance Art (GB); Birgit Binder ist Teil des Künstlerkollektivs Varsity of Maneuvers und etabliert momentan mit Kollegen und dem Kreuzberg Museum einen KANUCLUB ZUR ERFORSCHUNG DER STADT (UND DER WELT). [email protected] www.varsityofmaneuvers.org

Titel der Masterarbeit: Child of Poseidon – Kanufahren als ästhetisch-kritische Forschung und Praxis Betreut von Katharina Jedermann 15

Eine Untersuchung zu der Stadtentwicklung von Sulaimania Sulaimania ist eine relativ junge Stadt im kurdischen Teil des Irak. 1784 aufgrund einer politisch-militärischen Entscheidung als Hauptstadt des Babanischen Emirates gegründet, gilt Sulaimania als erste kurdische Stadtgründung und bis heute als kulturelles Zentrum der autonomen Region Kurdistan im Irak. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatte Sulaimania die typische Gestalt einer orientalischen Stadt. Neben ihrer militärischen Funktion blieben Landwirtschaft und Handel ihre wichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen. Unter dem Baath-Regime erlitt die Stadt aufgrund der antikurdischen Politik von Saddam Hussein einen wirtschaftlichen Niedergang, blühte jedoch ab 2003 wirtschaftlich auf. In der Folge wuchs die Stadtbevölkerung sehr stark an und dehnte sich die Stadt mit großer Geschwindigkeit auf ein Vielfaches ihrer langjährigen Größe in der Fläche aus. Seit 2003 ist ein Entwicklungstrend in zwei Richtungen zu verzeichnen: einerseits die Ausdehnung der Stadt in die Landschaft und andererseits die Zerstörung ihres historischen Zentrums vor allem durch kommerzielle Neubauten. Weiterhin prägt die Stadt ihr Umbau im Sinne des Konzepts der autogerechten Stadt mit autobahnähnlichen Straßenanlagen, die von der Peripherie bis ins Zentrum reichen und auch die historischen Stadtteile in hohem Maße beeinträchtigen. Angesichts der absehbaren ökonomischen Entwicklung, die vor allem von der Knappheit natürlicher Ressourcen geprägt sein wird, wird in der Masterarbeit untersucht, ob und in welcher Weise das Konzept der „kompakten Stadt“, das den ökonomischen und ökologischen Anforderungen der postindustriellen Informationsgesellschaft gerecht wird, für die zukünftige Entwicklung der Stadt Sulaimania fruchtbar gemacht werden könnte. Shirwan Can

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Salim Straße in Sulaimania, 2010; Foto: Kameran Najat

Shirwan Can (D) * 1975 in Sulaimania, Irak. 1990-1995 Institut für Bildende Künste, Sulaimania, Irak; 1998-2001 Kunsthochschule Mainz; 2001-2003 Städelschule Frankfurt. [email protected]

Titel der Masterarbeit: Eine Untersuchung zur Stadtentwicklung von Sulaimania Betreut von Michael Fehr 17

„Jack Smith would’ve starred as the Fairy Vampire“ Verkleidung als künstlerisches Ausdrucksmittel. Ausgangspunkt der Untersuchung war die Auseinandersetzung mit den Kostümen in den Werken des amerikanischen Filmemachers und Performancekünstlers Jack Smith (1932-1989). Die Masterarbeit beschreibt die Einzigartigkeit der Verkleidungen bei Jack Smith und öffnet den Blick für diesen bisher kaum diskutierten Aspekt seines Werkes. Als Grundlage der Recherche diente der wenig rezipierte Film THE DEATH OF P’TOWN (1961) von Ken Jacobs, in dem Jack Smith als verkleideter Darsteller agiert. Die Zwischentitel des Films definieren die von Smith dargestellte Figur als Fairy Vampire. Eine Auswahl von Standbildern aus dem Film bildete das visuelle Arbeitsmaterial der Recherche. Erst das Einfrieren der Bewegungen des Protagonisten Jack Smith ermöglichten eine eingehende Betrachtung der Bildinhalte, zu denen auch die Verkleidung gehört. Die detaillierte Beschreibung des Kostüms mit Hilfe der Standbilder erweitert die Wahrnehmung des Films und schafft die Grundlage für eine weiterführende Betrachtung der vielschichtigen Inhalte, die Jack Smiths Verkleidungspraxis innewohnen. Zu diesen Inhalten gehören praktische Aspekte des Kostümierens ebenso wie das Spiel mit Identitäten, welches deren Instabilität vorführt. Das Herauslösen der Standbilder aus dem Zusammenhang des Films offenbart zudem eine subtile Poetik der Einstellungen, die in dem laufenden Film weniger deutlich wird. In der bisherigen Rezeption von Jack Smiths Arbeiten findet sich keine ausführliche Reflexion über den Film THE DEATH OF P’TOWN. Die Figur des Fairy Vampire und das Kostüm werden in keiner der recherchierten Quellen erwähnt. Ein Email-Interview mit Ken Jacobs lieferte wertvolle Informationen zu der Figur des Fairy Vampire und zu Jack Smiths Verkleidungspraxis. Nina Hein

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Filmstill aus: THE DEATH OF P’TOWN (1961) von Ken Jacobs

Nina Hein (D) * 1971 in Köln; Diplom Modedesign, HTW-Berlin, 2000; arbeitet als Dozentin im Fachgebiet Modedesign und als Video-Cutterin für verschiedene Auftraggeber. [email protected] www.ninahein.de

Titel der Masterarbeit: „Jack Smith would’ve starred as the Fairy Vampire” Verkleidung als künstlerisches Ausdrucksmittel am Beispiel von Jack Smith als „Fairy Vampire“ in dem Film THE DEATH OF P‘TOWN (1961) von Ken Jacobs. Eine künstlerische Untersuchung. Betreut von Heike-Karin Föll 19

Finanzmarkt, Geopolitik und Kulturförderung – eine Illustration der Soros Open Society Foundation Der für seine wohltätigen Aktivitäten und Projekte bekannte Finanzmann und Lobbyist George Soros setzt sich mit Hilfe eines Netzwerks diverser von ihm gegründeter Organisationen unter dem Dach der Open Society Foundation für die Durchsetzung der so genannten Offenen Gesellschaft (ein von Karl Popper entlehntes Konzept) ein. Dabei ist Kulturförderung im Soros-Universum nur ein Aspekt unter vielen, die in ihrem Zusammenwirken eine Demokratisierung und Internationalisierung der Gesellschaft hin zu einem System der freien Marktwirtschaft und der stabilen Rechtsstaaten bewirken sollen. Ein zentraler Gesichtspunkt ist die Tatsache, dass George Soros‘ Aktivitäten vor allem in den Ländern des postkommunistischen Umbaus stattfinden. Was ist die ideologische Grundlage für dieses Engagement George Soros, welche politischen Wandlungen hat er im Auge, und was spielt die Kunst darin für eine Rolle? Eine umfangreiche Textrecherche sowohl der Popperschen Konzepte als auch der seit den 1990er Jahren im Kultursektor publizierten Kritik an George Soros bilden die Grundlage für die Untersuchung. Im Vergleich mit anderen staatlichen oder privaten Kulturförderpraktiken zeichnen sich sowohl humanistische als auch politische Motivationen ab, die als Erklärungsmuster auch für die offenen oder impliziten politischen Funktionen der Soros-Initiativen dienen können. Das Image George Soros’ als progressiver Wohltäter lässt zunächst wenig Spielraum für effektive Kritik. Für eine solche finden sich jedoch im Verlauf der Arbeit zahlreiche Anknüpfungspunkte, die schließlich ein ambivalentes Bild eines Gönners entstehen lassen, dessen Handlungsrahmen die Standards einer repräsentativen Demokratie bei Weitem übersteigt. Naomi Hennig

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George Soros, Foto: www. cloud.frontpagemag.com/.../2010/06/soros_2.jpg

Naomi Hennig (D) * 1979 in Hamburg; Dipl. Gestaltung/Illustration, HAW Hamburg. MfA Art Space & Nature, Edinburgh College of Art [email protected]

Titel der Masterarbeit: Finanzmarkt, Geopolitik und Kulturförderung – eine Illustration der Soros Open Society Foundation Betreut von Katharina Jedermann 21

Mode und Arbeit, ein Magazin über die Motive der Arbeit in der Modefotografie der DDR am Beispiel der SIBYLLE, Zeitschrift für Mode und Kultur Was kann sozialistische Mode sein? Eine ins Kleid gewebte Idee? Motive von Industrie und Elektrifizierung wurden in der frühen Sowjetrepublik auf Stoffe gedruckt. In der DDR wurde versucht, eine sozialistische Mode zu etablieren. Sie sollte praktisch und pflegeleicht sein. Kollektionen wurden farbig aufeinander abgestimmt, um möglichst vielfältige Kombinationsmöglichkeiten zu bieten. Während die Mode eigentlich zur Konsolidierung der sozialistischen Gesellschaft beitragen sollte, wurde die „amerikanische“ Jeans – ursprünglich als robuste Arbeitskleidung entwickelt – zunächst verboten und damit erst recht zum Kultobjekt. Mode ist immer empfänglich, wandelt sich, spiegelt einen Zeitgeist wider. SIBYLLE – die Zeitschrift für Mode und Kultur der DDR – wollte keinem ‚dernier cri’ nachhetzen, sondern vielmehr Stilbewusstsein vermitteln. Besonders auf den Modefotografien der SIBYLLE wird dies deutlich. Die Masterarbeit untersucht am Beispiel der Modefotografien mit Arbeitsmotiven, die in der SIBYLLE erschienen, das konfliktbesetzte Verhältnis zwischen offiziellen ästhetischen Vorgaben und künstlerischer Freiheit und versucht dabei zugleich, den Blick des Intellektuellen bzw. einer gebildeten Leserschaft auf den „sozialistischen Arbeiter“ zu befragen. Dafür wurde ein umfangreiches Fotomaterialarchiv angelegt, in dem Motive der Arbeit gesammelt, inhaltlich-chronologisch geordnet und in ihrem Bildaufbau beschrieben werden. Insbesondere das Verhältnis von Vorder- und Hintergrund in den Fotografien wurde dabei genauer untersucht. Ergänzt und vertieft wird diese Arbeit durch selbstgeführte Interviews mit den damals agierenden Fotografinnen und Redakteurinnen der Zeitschrift. Aus dem gesammelten Material wurde ein Themenheft über „Mode und Arbeit“ im Stil der SIBYLLE zusammengestellt. Julia Kapelle

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aus dem Sibylle Heft 4 1958; Fotograf: Willi Altendorf

Julia Kapelle (D) * 1973 in Karlsruhe; Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg [email protected]

Titel der Masterarbeit: Mode und Arbeit. Ein Magazin über die Motive der Arbeit in der Modefotografie der DDR am Beispiel der SIBYLLE, Zeitschrift für Mode und Kultur Betreut von Michael Fehr 23

Werkzeug Wahrnehmung Werkzeug Wahrnehmung ist ein Spaziergang im Kontext Kunstvermittlung konzipiert von Birgit Binder und Jovana Komnenić im Rahmen des Seminars „Die Lokale Frage“ von Claudia Hummel anlässlich der so genannten Satellitenprojekte der 6. Berlin Biennale 2010. Das Projekt wurde während der Dauer der Biennale realisiert. Der Spaziergang Werkzeug Wahrnehmung wurde mit Kollegen und Kolleginnen mit Sehbehinderung – Anja Winter (Kunstvermittlerin), Silja Korn (Künstlerin und Erzieherin) und Dirk Sorge (Künstler) – entwickelt und durchgeführt. Spaziergänge mit einem allgemeinen Publikum bzw. Schulkindern führten durch die Umgebung des Oranienplatzes und durch die 6. Berlin Biennale am selben Ort. Die Parallelen zwischen Wahrnehmungsund Orientierungsmöglichkeiten im städtischem Raum und in der Kunstrezeption wurden herausgearbeitet und vertauscht. Was bleibt von und entsteht aus dem „Ereignis Kunst“, wenn man es nicht sehen kann? Was wird aus der Alltagswelt und der Kommunikation? Dies waren die Fragen, denen gemeinsam nachgegangen wurde. Die Masterarbeit ist eine Reflexion des Spaziergangs. Sie fokussiert auf drei Aspekte: Der erste beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Kunstvermittlung und Sehbehinderung. Der zweite Aspekt legt den Fokus auf die angewendeten Kunstvermittlungsmethoden und die Positionierung und Kontextualisierung des Spaziergangs im Rahmen zeitgenössischer Kunstvermittlung. Der dritte fokussiert auf den Austausch zwischen Menschen mit verschiedenen (sinnlichen) Fähigkeiten. Ziel bei dieser Arbeit war, die Grundlagen für eine Plattform zu schaffen, auf welcher das Verhältnis von Kunstvermittlung und Sehbehinderung weiterentwickelt werden kann. Vorhanden sind die Dokumentation mit Fotos, die Audioaufnahme vom Spaziergang von Freja Bäckman, das Dokumentarvideo von Nina Hein und die Werkzeug Wahrnehmung-Broschüre. Eine beigelegte CD enthält die Vertonung der vorliegenden Masterarbeit für Sehgeschädigte. Jovana Komnenić 24

Werkzeug Wahrnehmung, Foto: Katja Sudec

Jovana Komnenić (SRB) * 1981 in Pancevo; 2003-04 Studium der Malerei und digitale Medien an der Akademie der bildenden Künste, Venedig; 2005 Diplom Fachrichtung Malerei, Universität der Künste Belgrad; 2009/10 Stipendiatin der Heinrich Böll-Stiftung [email protected] www.jovanakomnenic.com

Titel der Masterarbeit: “Werkzeug Wahrnehmung”. Kritische Analyse eines Spaziergangs zwischen Führung und Eigenversuch Betreut von Claudia Hummel 25

Das Ex-Jugoslawische Umse(h)um – ein künstlerisch inszenierter Übersetzungsraum zwischen utopischen und heterotopischen Orten Die zentrale Idee, mit deren Realisierung ich mich beschäftigt habe, sieht vor, dem gesamten Territorium eines gescheiterten übernationalen Staatsexperimentes die symbolische Räumlichkeit eines musealen Gebildes zu verleihen. Unter Berücksichtigung des Macht–Wissen–Komplexes von Michel Foucault, sowie in Anlehnung an seine Heterotopie-Konzepte und der darin vorgestellten Raumanalyse – verweist die von mir entwickelte Umse(h)umsidee auf einst jugoslawische Räume und bezieht sich gleichzeitig auf aktuelle Realitäten in diesen Territorien. Private und öffentliche Objekte, rurale und urbane Architekturen, Straßen wie auch weniger frequentierte Memoriale und Museen bilden hier die expliziten Beispiele einer impliziten Intention. Diese Intention verweist auf Schnittstellen sich unbewusst abspielender Ereignisse zwischen den auf einen Körper einwirkenden Konstituierungs- und Disziplinierungsmechanismen einerseits, und der darin eingeflochtenen Wissensproduktion andererseits. Jenseits von konstruktiven Operationalisierungspraxen einer funktionalen Erinnerungs- und Ausstellungskultur, geht es in dieser Arbeit darum, eine Wirklichkeitskonstruktion nur in dem Maße symbolisch zu verbildlichen, wie sie als konstituierendes Konzept in Form einer Ansammlung von Denkverweisen – also im Verhältnis zur Alltagserfahrung unkonventionell beschrifteten Schildern – materialisiert werden kann. Dabei geht es in erster Linie um den künstlerischen Versuch eine Betrachterposition zu antizipieren, die bereit ist, sich auf einen Ort hinaus zu wagen, an dem die Produktion von formalem und strukturiertem Denken unmöglich erscheint, und an dem die Dinge – nichts desto trotz – ihre Neuzusammensetzung erfahren. Arman Kulasić

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Arman Kulasić (BH) *1980 in Prijedor; 2007 Diplom in Fachrichtung Malerei, Akademie der Bildenden Künste Sarajevo; 2008-09 DAAD Stipendium; 2009-11 Stipendium der Rosa Luxemburg-Stiftung [email protected]

Titel der Masterarbeit: Das Ex-Jugoslawische Umse(h)um – ein künstlerisch inszenierter Übersetzungsraum zwischen utopischen und heterotopischen Orten Betreut von Wolfgang Knapp 27

Die Wellen der Entspannung. Eine künstlerische Untersuchung im Feld der Hirnforschung Meine Masterarbeit entstand ausgehend von einer Recherche im Feld der Hirnforschung. Durch eine intermediale räumliche Installation entwickelte ich in Kooperation mit der Brain Computer Interface Gruppe an der Technischen Universität in Berlin (BBCI) eine Form von direkter Übersetzung der visuellen Wahrnehmungsprozesse. Gegenstand der Untersuchung ist diejenige Grundaktivität des menschlichen Gehirns, die unter der Bezeichnung „Alpha-Welle“ einen Zustand der Entspannung beschreibt und bestmöglich durch eine Kombination von innerer Konzentration und visueller Reizarmut von außen erlangt werden kann. Im Hinblick auf dieses Wechselverhältnis mit visuellen Faktoren sollen die entgegen gesetzten Verfassungen von Anstrengung und Entspannung künstlerisch, im Bewusstsein um deren gesellschaftliche Relevanz, hinterfragt und problematisiert werden. Der Zustand der Entspannung, den die AlphaTätigkeit ausdrückt, kann in bestimmten Fällen trotz der Bearbeitung von visuellen Reizen bewahrt werden. Es ist dieser Gehirnzustand, den ich untersuchte; die Idee, eine paradoxale Situation zu erzeugen: einen Moment der aktiven Entspannung. Diese widersprüchlichen Zustände sollen für die TeilnehmerInnen persönlich durch visuelle und auditive Inputs erfahrbar werden. Die Masterarbeit strukturiert sich durch die Einführung der wissenschaftlichen und geschichtlichen Erklärungen der Fachbegriffe. Die theoretische Kontextualisierung von Wahrnehmungsprozessen, deren Beeinflussung und Steuerung im Alltagsleben und die damit verbundene Entspannungsindustrie bilden mit der künstlerischen und kunstwissenschaftlichen Auseinandersetzung den zweiten Teil. Abschließend werden die Experimente und Versuche in Zusammenarbeit mit der BBCI Gruppe, meine Überlegungen zur Visualisierung der Idee in Formen eines Modells und der praktischen Inszenierung der Interaktion dokumentiert. Dejan Marković

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Dejan Marković (SRB) * 1983 in Belgrad; 2007 Diplom Malerei an der Fakultät für angewandte Künste, Universität der Künste Belgrad. 2008-2011 Stipendiat der Konrad Adenauer-Stiftung. Teilnahme an internationalen Ausstellungen, kuratorischen und Kunstvermittlungs-Projekten; beschäftigt sich mit Wahrnehmungskonstruktion, Interaktions- und Partizipationstrategien in den Bereichen Gesellschaft und Politik. [email protected] www.markovicdejan.com

Titel der Masterarbeit: Die Wellen der Entspannung. Eine künstlerische Untersuchung im Feld der Hirnforschung Betreuung der technischen Gestaltung: Dr. Michael Tangermann, Technische Universität Berlin, Fachgebiet Maschinelles Lernen Software-Entwicklung: David List; www.bbci.de Betreut von Claudia Hummel 29

Abfall - eine Sehenswürdigkeit: Vermarktung eines attraktiven Materials Seit 2003 beschäftige ich mich als Künstlerin mit Bildender Kunst und habe die Herstellung von Kunststoffen und Objekten abgelehnt, als Kontra-Akt zur Überproduktionsgesellschaft der abendländischen Kultur. Ich habe das Phänomen Abfall in einer künstlerisch-wissenschaftlichen Recherche thematisiert, weil ich ihn als Rohstoff inszeniere. Abfall symbolisiert in der Konsumgesellschaft der westlichen Länder eine Kosten- und Machtfreiheit. Dabei sind unter Abfall nicht nur die weggeworfenen Reste gebrauchter Konsumgüter zu verstehen, sondern der Begriff Abfall beschreibt in dieser Studie auch in einem gesellschaftlichsozialen Aspekt verlassene und vergessene Sachen, Häuser oder Orte, die nicht mehr oder noch nicht vermarktet werden. Trotz seiner Kosten- und Machtfreiheit wird er durch gesellschaftliche Institutionen, wie Stadtverwaltungen und Kunstinstitutionen, kontrolliert, wodurch er Teil einer Vermarktung im Sinne einer Sehenswürdigkeit und eines attraktiven Materials wird. Seine Zwischennutzung erzeugt ein attraktives kulturelles Leben (z.B. in Berlin). Er wird ein Spektakel in einer konsum- und lustorientierten Gesellschaft. Dadurch werden alternative, zur Konsumgesellschaft in Kontrast stehende soziale Formen wie Selbstverwaltung, Autonomie, NichtKommerzialität, lokale Organisation usw. erschwert. Lösungskonzepte dieser Problematiken sind eine nicht-kommerzielle Stadtraumgestaltung mit Sicherung öffentlicher Freiräume und die Transformation des Künstlers zum „Bürger“, um Distanz zum kommerziellen Kunstbetrieb zu gewinnen. Anne Moirier

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Führung auf dem Teufelsberg, Berlin, Foto: Anne Moirier

Anne Moirier (F) *1983 in Cosne-sur-Loire, 2001-2003 Ausbildung Grafik Design in Besançon (Lycée Pasteur), 2003-2007 Studium der Bildenden Kunst in der Kunstakademie von Rennes (École Régionale des Beaux Arts), 2005-2006 Gaststudium Facultat de Belles Arts de Sant Carles in Valencia [email protected]

Titel der Masterarbeit: Abfall – eine Sehenswürdigkeit: Vermarktung eines attraktiven Materials Betreut von Wolfgang Knapp 31

Digitale Abstraktion und Symbolische (De-)codierung im Data Room Der Data Room ist eine interaktive multimediale Installation, die den Einfluss der digitalen Medien auf den menschlichen Wahrnehmungsprozess thematisiert. Der Aufbau hat die Gestalt einer begehbaren würfelförmigen Kabine mit etwa 2 Metern Kantenlänge, deren Außenhülle aus verschiedenen Stromund Datenkabeln besteht. Im Inneren der Kabine befindet sich das eigentliche Herzstück der Installation, eine komplexe, interaktive Schaltung verschiedener elektronischer Geräte, die eine mehrstufige audiovisuelle Komposition auf einem Fernseher erzeugt. Die Installation ist dabei so gestaltet, dass der oder die Betrachter/innen tief greifenden Einfluss auf die Inhalte der Projektion hat und nahezu den gesamten Syntheseprozess des Video- und Audiosignals verändern kann. Wieso interpretieren wir beim Spiel Pong ein viereckiges, zweidimensionales Objekt als Repräsentation eines Balls? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen dem menschlichen Denken und den in Computern stattfindenden elektronischen Prozessen? Verändern Computer gar die Art und Weise, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen? Der Data Room ist ein Versuch, sich diesen Fragen auf unterschiedlichen Wegen anzunähern. Orkun Şahin

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Orkun Şahin (TR) *1976 in Köln, Studium: Radio, Film und Fernsehen an der Kadir Has Universität Istanbul, Media Design an der Fachhochschule Jyväskylä-Finland. Künstlerische Tätigkeiten im öffentlichen Raum, Ausstellungsprojekte, zahlreiche Filme und multimediale Installationen. [email protected] Titel der Masterarbeit: Digitale Abstraktion und Symbolische (De-)codierung im Data Room. Eine künstlerische Reflektion über die Wechselwirkung von Technologie und menschlicher Wahrnehmung Betreut von Wolfgang Knapp 33

WITH RE-GUARDS Über die Langzeitwahrnehmung zeitgenössischer Kunst Eine empirische Untersuchung des Rezeptionsverhaltens von Besuchern im Jahre 2001 am Metropolitan Museum in New York hat ergeben, dass die durchschnittliche Betrachtungszeit eines Gemäldes bei 27,2 Sekunden liegt. Das scheint schon überraschend lang. Aufsichtskräfte in Ausstellungen hingegen betrachten Werke viel länger. Stundenlang, wochenlang. With Re-Guards ist eine langfristige Idee, die durch Diskussionen und Auseinandersetzungen während langen Arbeitsschichten zwischen uns Guards der Berlin Biennale entstanden ist und von mir inhaltlich entwickelt und realisiert wurde. Das Projekt fand im Sommer 2010 anlässlich der 6. Berlin Biennale im Rahmen des Vermittlungsprogramms der Satellitenprojekte statt. Es sah die Teilnahme von sieben Guards vor, die aufgefordert wurden, ihre Langzeitwahrnehmungen zu dokumentieren und auf der Basis ihrer besonderen Betrachterexpertise, jeweils einen Kommentar zu den künstlerischen Arbeiten zu erstellen. Die Tatsache, dass die Mehrheit der Berlin Biennale Guards selber KünstlerInnen ist, eröffnete die Möglichkeit, den hergestellten Kommentaren eine künstlerische Form geben zu können. Das Projekt bestand aus vier von mir geleiteten als Werkstatt verstandenen Workshops und aus der Ausstellung im Raum der Satellitenprojekte des Vermittlungsprogramms der 6. Berlin Biennale. WITH RE-GUARDS spielt mit Interpretationsebenen und der Entfaltung von Bedeutungen im Rahmen der zeitgenössischen Kunstbetrachtung. Valentina Sartori

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Detail Mindmap, 3. Workshop, Kommentar von Georgios Sourmelis. Foto: Silvia Sarsano

Valentina Sartori (I) *1977 in Bozen; 1996 Kunstakademie Bologna. Ihre Arbeit ist auf Fotografie, räumliche Installationen und Workshops fokussiert. Ausstellungen: Dolomiten Fenster, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2005; Manifesta 7 Tabularasa, mit der Künstlergruppe Open Anonymous Society, 2008; „New Entries!“, Museion, Museum für Gegenwartskunst, Bozen, 2009.

[email protected]

Titel der Masterarbeit: WITH RE-GUARDS Über die Langzeitwahrnehmung zeitgenössischer Kunst Betreut von Claudia Hummel 35

Robert Rauschenbergs „Erased de Kooning Drawing“ (1953) und Martin Kippenbergers „Modell Interconti“ (1987) – die Aneignung eines Originals als künstlerisches Material Dass Kunst aus Kunst entsteht, nehmen Robert Rauschenberg und Martin Kippenberger buchstäblich. In ihren Werken „Erased de Kooning Drawing“ (1953) und „Modell Interconti“ (1987) benutzen sie originale Kunstwerke als Ausgangsmaterial für ihre eigene Kunst. Die materielle Aneignung von Willem de Koonings Zeichnung durch das Ausradieren und Gerhard Richters Monochrom durch die Montage in ein Tischgestell dient dazu, sich von den Kunstkonzepten der älteren Kollegen abzugrenzen und etwas Neues zu erschaffen. Gleichzeitig wird der dadurch provozierte Skandal genutzt, um sich in den Kunstdiskurs einzuschreiben. Anstatt einer Bildbeschreibung von Rauschenbergs „Erased de Kooning Drawing“ werden zwei unterschiedliche Werkbeschreibungen angeführt, die als Pole zwischen der Künstlererzählung und dem sachlichen Katalogeintrag dienen und verdeutlichen, dass bei Rauschenbergs Arbeit die Entstehungsanekdote im Vordergrund steht. Mit einem Blick auf de Koonings Werk wird erläutert, warum Rauschenbergs Werk als Gegenentwurf zum Abstrakten Expressionismus verstanden werden kann. Der zweite Teil beschäftigt sich mit Martin Kippenbergers „Modell Interconti“. Auch hier werden nach einer kurzen Werkbeschreibung der Status Gerhard Richters in der deutschen Kunstszene der 80er Jahre und dessen „Graue Bilder“ verhandelt. Zentral für das „Modell Interconti“ ist sein ursprünglicher Präsentationskontext innerhalb der Peter-Installation. Kippenbergers sich alles einverleibende Kunstpraxis, die sich die Idee des reziproken Readymades von Duchamp genauso zu eigen macht wie die Arbeitskraft seines Assistenten, der die Herstellung übernimmt, und auch das Richter-Monochrom werden in Verbindung mit Organilitätskritik reflektiert. Sabrina Schleicher

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Martin Kippenberger, Peter - die Russische Stellung , Ausstellungsansicht Galerie Max Hetzler, Köln 1987; © Estate Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne

Sabrina Schleicher (D) *1980 in Schweinfurt. 2000-2007 Hochschule der bildenden Künste, Braunschweig/Technische Universität Braunschweig, gymnasiales Lehramt, Kunstpädagogik, Germanistik; 1999-2000 Palucca Schule, Dresden, Bühnentanz [email protected] Titel der Masterarbeit: Robert Rauschenbergs „Erased de Kooning Drawing“ (1953) und Martin Kippenbergers „Modell Interconti“ (1987) – die Aneignung eines Originals als künstlerisches Material Betreut von Heike-Karin Föll 37

Drei Positionen aktueller Farbmalerei Konzeption und Realisierung einer Ausstellung Die von mir kuratierte Ausstellung im Kunstquartier Bethanien zeigte insgesamt 20 Arbeiten von Christiane Conrad, A. Paola Neuman und Gabriele Schade-Hasenberg. In den sechs sehr unterschiedlichen Räumen ging es darum, Aspekte der Farbmalerei anhand einer beispielhaften Präsentation darzustellen. Dies geschah durch eine Inszenierung, die vergleichendes Sehen beförderte, sowohl innerhalb eines Werkzusammenhangs als auch zwischen den je unterschiedlichen Arbeitsweisen. Im direkten Nebeneinander und auch vermittelt durch komplexe Formen des räumlichen Bezugs wurden Vergleichsmöglichkeiten hergestellt; beispielsweise durch räumliche Tiefenstaffelungen anhand der Durchgänge zwischen den Räumen. Einzelne Arbeiten, aber auch unterschiedliche malerische Haltungen kamen so ins Gespräch. Inszenierte Blickachsen machten erlebbar, dass das Betrachten von Malerei nicht reduzierbar ist auf das idealisierte, statische Gegenüber von Bild und fixiertem Betrachterstandpunkt. Die Ausstellung habe ich als eine Gesamtinstallation aufgebaut. Es ging mir auch darum zu zeigen, dass durch eine solche Präsentation die aus der malerischen Selbstbezüglichkeit resultierende Autonomie solcher Arbeiten nicht einschränkt wird. Meine Darstellung des theoretischen Umfeldes der Farbmalerei beschränkt sich auf die Gegenüberstellung eines produktionsästhetischen und eines rezeptionsästhetischen Gesichtspunktes. Marcia Hafifs aus der Tätigkeit des Malens heraus geschriebener Aufsatz, mit seinem programmatischen Titel “Beginning Again“, wird den Positionen von Michael Bockemühl und Michael Fehr gegenübergestellt. Insbesondere interessiert mich der konstruktivistische Ansatz der beiden Theoretiker, da ich einer solchen Malerei gegenüber eine Zugangsweise angemessen finde, die die eigene Wahrnehmung und deren Voraussetzungen mit zum Thema macht. Bernhard C. Striebel

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Blick in die Ausstellung „Drei Positionen aktueller Farbmalerei“ im Kunstquartier Bethanien 2010

Bernhard C. Striebel (D) * 1953 in Laichingen; Studium an der Akademie Stuttgart und der HfbK Hamburg. Lebt seit 1983 als freier Künstler in Berlin. [email protected]

Titel der Masterarbeit: Drei Positionen aktueller Farbmalerei Konzeption und Realisierung einer Ausstellung Betreut von Michael Fehr 39

Denkfiktionen im Sprechen über Kunst Meine Masterarbeit untersucht das Sprechen über Kunst innerhalb eines Kunstvermittlungs-Settings. Untersuchungsgegenstand war dafür das Projekt Resonanzessen, das ich im Rahmen der Satellitenprojekte der 6. Berlin Biennale durchgeführt habe. Acht Besucher wurden eingeladen, die Ausstellung zu besuchen und sich darin ein Kunstwerk auszuwählen. Zum Kunstwerk, das ihnen besonders gefallen hat, hatten Vermittler, die Aufgabe, assoziativ ein Essen vorzubereiten. Dieses sollte den Besucher möglichst gedanklich berühren. Mit diesem Essen initiierte der Vermittler dann das Gespräch. Er sollte sich aber ebenso auf den Betrachter einlassen. Beim Gespräch stand die Reaktion und Reflexion der Besucher im Mittelpunkt. Ich habe das, was in den ersten Augenblicken des Sehens eines Kunstwerks entsteht, Denkfiktionen genannt. Zu diesen unmittelbaren Denkfiktionen des Betrachters versucht die Vermittlung ebenfalls Denkfiktionen zu entwerfen und zu provozieren. Diesen Entwurfsprozess nenne ich „performing thinking“ / „performative Denkweise“, der zum kreativen Denken leitet, in dem eine Denkfiktion zur anderen führt. Dafür habe ich nach einem Denkmodell gesucht. Dieses habe ich im Spiel des „Fort-da“, welches von Siegmund Freud als „das erste selbst geschaffene Spiel“ bezeichnet wird, gefunden. An dieser Stelle unterstützt Performativität als Handlung das Modell des Fort-Da-Spiels, wo Beteiligte die Möglichkeit haben, etwas von sich selbst mit einzubringen. Bei einer performativen Handlung in einem wie oben beschriebenen Setting wird nicht bewusst etwas Neues hervorgebracht, sondern es handelt sich um eine Art Wiederholung, die die Möglichkeit birgt, sich von Konventionen und Regeln wegzubewegen. Katja Sudec

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Gerichtform bei dem Resonannzessen (mit Anita Surkić)

Katja Sudec (SLO) * 1979 in Slowenien geboren. Sie graduierte 2007 in Malerei (MFA) an der Kunstakademie Ljubljana. 2007-08 studierte sie mit einem DAAD-Stipendium an der HGB Leipzig. [email protected]

Titel der Masterarbeit: Denkfiktionen im Sprechen über Kunst Betreut von Claudia Hummel

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Die Ausstellung East Art Museum- Eine Retrospektive In der Masterarbeit East Art Museum geht es um die Zusammenstellung einer Dokumentation der Ausstellung, die im Karl Ernst Osthaus-Museum in Hagen im Jahr 2005 stattgefunden hat. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der slowenischen Künstlergruppe IRWIN. Die Ausstellung East Art Museum setzte sich mit dem von Alfred Barr eingeführten Kanon zur Lesung der Modernen Kunst auseinander und ist Teil des EAST ART MAP Projektes der Gruppe IRWIN. Neben der Dokumentation der Ausstellung habe ich den Versuch unternommen, die zahlreichen internationalen Ausstellungen, die sich zwischen 1994 und 2005 mit der Kunst des ehemaligen Ostblocks auseinandergesetzt haben, zu vergleichen, um dann in diesem Rahmen die Ausstellung East Art Museum zu positionieren. Während meiner Recherche habe ich Informationen der in diesen Ausstellungen präsentierten Künstler/innen gesammelt und in einer Tabelle aufgelistet. Dabei wollte ich herausfinden, welche der Künstler/innen, die in der EAST ART MAP vorkommen, bei anderen Ausstellungen präsent sind und wie sich diese Tabelle durch andere kuratorische Entscheidungen verändern könnte. Wie soll die EAST ART MAP, die ca. 250 Künstler/innen beinhaltet, dadurch gelesen werden? Welche der Künstler/ innen werden immer wieder ausgestellt, und wie emanzipatorisch ist der Anspruch der EAST ART MAP? Was könnte aus einer Tabelle mit 431 Namen sichtbar werden? Es entstand ein Raster des expandierenden Kunstsystems, innerhalb dessen die Künstler/innen in die Ausstellungs- und Sammlungspolitik eingebunden sind. Anita Šurkić

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Blick in die Ausstellung East Art Museum im Karl Ernst Osthaus-Museum 2005, Foto: Achim Kukulies

Anita Šurkić (HR) * 1975 in Sarajevo, 2007 Diplom Kunstpädagogik und Malerei, Akademie der Bildenden Künste in Zagreb; 2009-2011 Stipendium der Rosa Luxemburg-Stiftung; Beteiligung an mehreren künstlerischen Projekten. Tätig als Kunstvermittlerin, Kuratorin und Künstlerin. [email protected]

Titel der Masterarbeit: Die Ausstellung East Art Museum – Eine Retrospektive Betreut von Michael Fehr 43

La possibilité d‘une île Die rationalisierte Zelle als anderer Ort Raum Schiff in der beschleunigten Moderne Die reisenden Nummern auf den Autobahnen der Meere sind die normierte und rationalisierte Umhüllung der Menschen. 500 Millionen an der Zahl verbinden diese pulsierenden Ströme im Netzwerk. Diese schattenlosen Gewächse sprießen ohne bestimmtes Ziel, um an unbestimmten Orten gelöscht zu werden. Wanderer im Transit. Jenseits von Zeit und Struktur, ein Raum der Zellen. Eine Aneinanderreihung von Organismen innerhalb einer flexibilisierten Logistik. Die Suche nach dem Ort im Netzwerk aufgelöst, der Jäger im Versuch der Selbstpaarung mit etwas Utopischen. Sein Streben nach Größe in der Wiederholung. Ein positives Zeichen. Michael Voigtländer www.supertourist.de Kooperationen Installation: Diana Arce, Mitarbeit Installation, Kamera Mario Mentrup, Protagonist Film Zuri Maria Daiß, Stimme mcfurniture, Stuhl

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Filmstill aus: La possibilité d‘une île, 2011

Michael Voigtländer (D) *1980 in München; Designer, Künstler und Autor, der nach einer Fotografenausbildung Mediendesign studierte, B.A. (Hons.), Multimedia Arts; arbeitet mit verschiedenen Medien an den Grenzen ihrer Schnittstellen; seine Werke bewegen sich frei zwischen kommerzieller Gestaltung, bildender Kunst und textbasierten Arbeiten. [email protected] www.michaelvoigtlaender.de www.posingbook.com Titel der Masterarbeit: La possibilité d‘une île - Die rationalisierte Zelle als anderer Ort Raum Schiff in der beschleunigten Moderne Betreut von Katharina Jedermann 45

„Shanzhai“ - Das Phänomen Imitation in China (Biaoma)* Made in China Das Wort „Shanzhai“ ist seit 2009 in China zum Synonym für Imitation geworden. Ich habe über 700 interessante Imitationen von Markenlogos gefunden und sie nach Arten sortiert. Sie umfassen alle Bereiche von Mode, Computer und Catering Services bis hin zu Autos, Filmen und Pop-Musik: Alles wird übernommen, aber mit einer kleinen Abweichung versehen, die oftmals mit dem chinesischen Kontext zusammenhängt. Die Umwandlung wird häufig begleitet durch eine Ironisierung (z. B. Puma mit einer Pumasilhouette, die veränderte Version Tuna aber mit einer Fischsilhouette). Von der Marke Puma habe ich verschiedenste Shanzhai-Versionen von TShirt-Aufdrucken aus dem Internet herausgesucht und eigenhändig kopiert, so dass aufgrund der medialen Übertragung eine Kopie der Kopie entsteht. Die „Originalkopien“ habe ich in einer Rauminstallation in einer spielerisch-offenen neuen Ordnung gezeigt, indem ich sie zu einem zwei Meter breiten und ein Meter hohen Mobile komponiert habe. In der sich zufällig verändernden Anordnung und Perspektive ergeben sich stets neue Konstellationen zwischen „Original“ und „Kopie“. Das Motiv aus Bild und Schrift steht im Spannungsverhältnis zwischen Wiedererkennung und Verfremdung. Darin sehe ich auch eine Widerspiegelung der für das Shanzhai-Phänomen typischen Unerschöpflichkeit der Variation und ein Sinnbild für die Kopie überhaupt. Shuang Wu * Anm.: (Biaoma) lautet die offizielle Übersetzung der Marke Puma im Chinesischen. Dabei bedeutet das erste Schriftzeichen wörtlich „robust“, das zweite „Pferd“. Somit hat man den Namen der Raubkatze in ein gleichlautendes und dazu vergleichbar „starkes Wesen“ übertragen, anstatt ihn direkt zu übersetzen.

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Material und Maße der Rauminstallation: Acryglas, Acryllack, Faden und Stahldraht, ca. 230cm x 120cm

Shuang Wu, China (CN) *1978 Zehjiang; 1997-2001 Studium Visuelles Kommunikationsdesign, China Academy of Arts, Hangzhou; 2002-2006 Studium der Bildenden Kunst, Universität der Künste Berlin [email protected]

Titel der Masterarbeit: „Shanzhai“ - Das Phänomen Imitation in China (Biaoma) Made in China Betreut von Michael Fehr

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Katja Jedermann und Cucky Nguyen Auswertung der Befragung von Absolvent/innen des Instituts für Kunst im Kontext von 2002-2010 Im Juni 2010 haben wir eine Umfrage unter den Absolvent/innen des Masterstudiengangs gestartet, um etwas über ihre gegenwärtige Tätigkeit zu erfahren und von ihnen zu hören, was ihnen das postgraduale Weiterbildungsstudium gebracht hat. Die Umfrage erfolgte online, wobei etwa 30 Personen per Email nicht erreicht werden konnten. Dass dennoch 104 von 206 Absolvent/innen geantwortet haben, kann als ein gutes Ergebnis gelten. (Abb. 1) Die Verteilung der Antworten auf die Abschlussjahrgänge zeigt keine eindeutige Tendenz. Beim ersten „Jahrgang“ handelte es sich nur um zwei Studierende, die – im Rahmen der Übergangsregelung der neuen Studienordnung – die erste Gelegenheit wahrnahmen, den Master-Abschluss nach vier Semestern zu erwerben. Der zweite Jahrgang, aus dem besonders viele Absolvent/innen geantwortet haben, hat ebenfalls zur Zeit der Akkreditierung des neuen Master-Studiengangs studiert und das Studium nach der Übergangsregelung mit dem Master-Titel abgeschlossen. Diese Gruppe war an den Veränderungen des Instituts engagiert beteiligt, ist auch weiterhin an der Entwicklung des Studiengangs interessiert und hält Kontakt zum Institut. Eine erste Auswertungsskizze der Umfrage wurde bereits im Katalog der Masterarbeiten 2009/2010 und einem kleinen Zusatzheft veröffentlicht. Nun liegt die genauere Auswertung vor, die in dieser Broschüre erstmalig publiziert wird. Sie ist in drei Abschnitte gegliedert: Im ersten Abschnitt geben wir – auf der Basis der im Institut vorhandenen Daten (Zeugnisse) – einen Überblick über Alter, Geschlecht und Herkunft der Absolvent/innen. Diese Daten beziehen sich auf alle 206 Absolvent/ innen bzw. sogar noch auf den Jahrgang 2010/2011. Der zweite Abschnitt ist eine Zusammenfassung der Umfrageergebnisse zu den gegenwärtigen Tätigkeiten und der wirtschaftlichen Situation nach dem Masterstudium. Die Beurteilung des Lehrangebots wird im dritten Abschnitt ausgewertet, und zum Schluss werden Verbesserungsvorschläge für die Weiterentwicklung des Instituts vorgestellt. Der Fragebogen und alle Ergebnisse der Umfrage können über die Website des Instituts eingesehen werden. 49

Geschlechterverhältnis Mehr als zwei Drittel der Absolvent/innen sind Frauen. Es lässt sich allerdings feststellen, dass der erste Jahrgang nach der Einführung des MasterStudiengangs deutlich stärker von männlichen Studierenden frequentiert wurde. Die Absolvent/innen der ersten beiden Jahrgänge haben ihr Studium noch unter den alten Bedingungen begonnen. Seit 2008 nimmt die Zahl der männlichen Studierenden prozentual kontinuierlich zu. (Abb. 2) Alter Da es sich um einen postgradualen Studiengang handelt, liegt der Altersdurchschnitt deutlich höher als in anderen Master-Studiengängen. Der Altersdurchschnitt der Absolvent/innen im Abschlussjahr liegt insgesamt bei 35,2 Jahren mit leicht sinkender Tendenz (Abb. 3). Die folgende Grafik zeigt, welche Altersstufen in welcher Häufigkeit vertreten sind. Daraus lässt sich ablesen, dass jeweils weniger als fünf Absolvent/ innen unter 25 Jahre bzw. über 40 Jahre alt sind. Die größte Altersgruppe zum Zeitpunkt des Master-Abschlusses sind die 32-jährigen. Während es in den ersten Jahren deutlichere „Ausreißer“ in beiden Richtungen gab, lässt sich in den letzten Jahren eine Tendenz zur Verjüngung und Homogenisierung der Alterstruktur feststellen. Herkunft Von den 227 Absolvent/innen (2002-2010) wurden 99 im Ausland geboren. 178 Absolvent/innen kommen aus Europa: Deutschland Spanien Griechenland Polen Türkei Kroatien Frankreich Italien Belgien Großbritannien Niederlande Österreich Schweiz 50

128 7 6 5 5 4 3 3 2 2 2 2 2

Bosnien-Herzegowina 1 Luxemburg 1 Portugal 1 Rumänien 1 Russland 1 Serbien 1 Slowakei 1 Tschechien 1

Abbildung 1: Anzahl der Antworten nach Abschlussjahren

Abbildung 2: Geschlecht der Absolvent/innen nach Abschlusjahren

51

24 Absolvent/innen sind in Asien geboren: Südkorea China Iran Japan Israel Georgien

7 3 3 3 2 1

Hongkong Jordanien Libanon Mongolei Taiwan

1 1 1 1 1

15 kommen aus Lateinamerika. Davon sind aus: Kolumbien Mexiko Peru Brasilien Argentinien

5 4 3 2 1

Bolivien Chile Dominik. Republik Ecuador Venezuela

1 1 1 1 1

5 Absolvent/innen sind in den USA geboren. Aktueller Aufenthaltsort Das Ergebnis der Umfrage war, dass von den 104 Absolvent/innen, die geantwortet haben, 88 in Deutschland wohnen, davon 76 in Berlin (in Berlin geboren sind nur 13). 12 Absolvent/innen leben im Ausland bzw. in ihrem Heimatland. Die übrigen haben ihren Aufenthaltsort nicht angegeben. Gegenwärtige Berufstätigkeit der Absolvent/innen Die gegenwärtigen Tätigkeitsbereiche der Absolvent/innen werden nach den vier Modulen der Studienordnung unterteilt. (A) künstlerische Arbeit mit gesellschaftlichen Gruppen (B) künstlerische Arbeit in kulturellen Institutionen (C) künstlerische Arbeit im öffentlichen Raum (D) künstlerische Arbeit im Kontext der medialen und wissenschaftlichen Bildproduktion Die Umfrage hat ergeben, dass der größte Teil (30 %) der Absolvent/innen seine Tätigkeit der künstlerischen Arbeit in kulturellen Institutionen 52

Abbildung 3: Altersdurchschnitt der Absolvent/innen nach Abschlussjahren

Abbildung 4: Altersverteilung der Absolvent/innen 2002-2010

53

zuordnet. Danach folgt mit 28 % die künstlerische Arbeit mit gesellschaftlichen Gruppen. Nur 12% sind überwiegend mit künstlerischen Projekten im öffentlichen Raum tätig und 21% geben an, dass ihr Tätigkeitsfeld in der künstlerischen Arbeit im Kontext der medialen und wissenschaftlichen Bildproduktion liegt [Abb. 6]. Der letzte – am wenigsten genau definierte Bereich – wird wohl ebenso von Absolvent/innen angegeben, die als Mediengestalter/Web-Designer/innen arbeiten wie auch von solchen, die Projekte im wissenschaftlichen Kontext realisieren. Erststudium und gegenwärtige Tätigkeit In Abbildung 7 werden Erststudium und gegenwärtige Tätigkeit gegenüber gestellt. Die Mehrheit der Studierenden (60%) hat im Erststudium freie Bildende Kunst studiert. Im Unterschied zu den Designer/innen, von denen die meisten als Tätigkeit künstlerische Arbeit mit gesellschaftlichen Gruppen angeben, ist bei den freien Künstler/innen, ebenso wie bei den (wenigen) Kunstpädagog/innen ein größerer Anteil in kulturellen Institutionen tätig. Relativ gering ist der Anteil derer, die künstlerische Arbeit im öffentlichen Raum als Tätigkeitsgebiet nennen. Auf diesem Gebiet steht gegenwärtig (noch?) eine große Zahl interessierter Künstler/innen, die sich auch häufig an Wettbewerben beteiligen, vergleichsweise wenigen Realisierungsmöglichkeiten gegenüber. Etwa gleich ist der Anteil der freien bildenden Künstler/innen, die mit gesellschaftlichen Gruppen und im Kontext der medialen und wissenschaftlichen Bildproduktion arbeiten. Um ein genaueres Bild von den ausgeübten Tätigkeiten zu erhalten, folgt hier eine Zusammenstellung aus den frei formulierten Antworten. Eine Dokumentation aller Antworten findet sich auf der Website des Instituts. 29 Absolvent/innen machen künstlerische Arbeit mit gesellschaftlichen Gruppen (A). Angegeben werden Tätigkeiten in der ästhetischen, kulturellen Bildung an Berufsschulen; künstlerische Projekte an Schulen; in Kinder- und Jugendeinrichtungen, Seniorenheimen; Kunstvermittlung im Museum, an einer Bühne; die Leitung von Kunstgruppen in sozialen Einrichtungen; Kulturmanagement und Medienproduktion; Arbeit als Streetworker und in Community Arts Projekten etc. Davon sind 13 Absolvent/innen an Schulen aktiv, zwei davon als Kunstpädagog/innen, die anderen in freier Projektarbeit. 54

Abbildung 5: Herkunft der Absolvent/innen nach Jahrgängen

55

Mehrere arbeiten als DozentInnen bei freien Bildungsträgern und in der Erwachsenenbildung. Acht Absolvent/innen sind in der Lehre an Kunsthochschulen und Universitäten und ordnen dies auch dem Bereich A zu. Von den 32 Absolvent/innen, die in kulturellen Institutionen arbeiten (B), sind zwei als Kurator/Kuratorin tätig, fünf in Museen, drei als Kunst-/Kulturjournalist/innen, und sieben arbeiten im Bereich Kulturmanagement, Organisation und Koordination. Viele haben eine Lehrtätigkeit an Schulen und Hochschulen. Einige geben eigene Workshops und Kurse und zwei Absolvent/innen arbeiten an ihrer Promotion. 12 sind als freischaffende Künstler/innen in künstlerischen Projekten im öffentlichen Raum (C) tätig. 22 arbeiten im Bereich D – Künstlerische Arbeit im Bereich medialer und wissenschaftlicher Bildproduktion, davon sieben als Dozent/innen an Hochschulen. Einige haben Tätigkeiten in den Bereichen Videoproduktion/Film, Fotografie, Mediengestaltung, 3D Visualisierung, Grafik und Animation, Spielentwicklung etc. Schon diese unvollständige Aufzählung zeigt, dass die Bereiche nicht scharf zu trennen sind und die Zuordnung auch nach unterschiedlichen Kriterien erfolgen kann. Besonders anschaulich wird die Diversität der Tätigkeiten und Tätigkeitskombinationen durch die auf der Website dokumentierten Einzel-Aussagen. Dennoch geben mehr als zwei Drittel der Absolvent/innen an, dass sie in den Bereichen tätig sind, in denen sie auch studiert haben, wie aus Tabelle 1 hervorgeht. Gefragt nach dem Status der Tätigkeit steht „freiberuflich“ an erster Stelle mit 78%. „Festangestellt“ sind 17% und eine „eigene Firma“ haben 3%. Fast 70% (69 von 100 Antworten) der Absolvent/innen fühlen sich durch das Studium für ihre Arbeit ausreichend qualifiziert. Knapp 60% (59 von 103 Antworten) hat das Studium bei der Arbeitssuche geholfen. Die wirtschaftliche Situation hat sich durch das Masterstudium bei fast der Hälfte der Absolvent/innen deutlich oder etwas verbessert. Bei 17 Absolvent/innen gibt es eine eindeutige Verbesserung, bei 30 hat sich die Lage etwas verbessert und bei 57 kaum. [Abb. 8] Bei der Betrachtung ist aufgefallen, dass den Absolvent/innen, deren wirtschaftliche Situation sich verbessert hat, der Master bei der Arbeitssuche geholfen hat: Von den 17 Absolvent/innen, denen es deutlich besser geht, geben 16 an, dass ihnen der MA-Abschluss bei der Arbeitssuche geholfen hat, bei den 30, denen es etwas besser geht, sind es immerhin 24. Eine Veränderung im Laufe der Jahre ist nicht erkennbar. 56

Abbildung 6: Gegenwärtige Tätigkeitsbereiche der Absolvent/innen

Abbildung 7: Erststudium und gegenwärtige Tätigkeit

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Was hat das Studium gebracht? Für eine deutliche Mehrheit der Befragten hat das Studium insgesamt etwas gebracht. Sehr oft wurde genannt, dass das Studium ihnen dazu verholfen hat, soziale und kommunikative Kompetenzen und mehr Selbstsicherheit zu entwickeln. Für einen großen Teil waren Entscheidungshilfe bei der beruflichen Orientierung und die Fähigkeit zur Reflexion sowie die Einschätzung und Positionierung der eigenen künstlerischen Arbeit wichtige Erträge des Studiums. Am geringsten wurde der Ertrag in Bezug auf einen Zuwachs an Kenntnissen über das Förder- und Antragswesens, die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten, der Zugang zu außerkünstlerischen Einrichtungen und Kenntnisse über künstlerische Arbeitsweisen eingeschätzt. (Tabelle 2). Aus dieser Tabelle, die die Einschätzungen aller Absolvent/innen zeigt, sind die Veränderungen der letzten zehn Jahre nicht ersichtlich. Wie sich die Veränderungen im Lehrangebot auf die nachträgliche Einschätzung auswirken, kann man eher aus den Verbesserungsvorschlägen ersehen. Verbesserungsvorschläge Bis 2005 wurde häufig genannt, dass der Bezug zu zeitgenössischer Kunst nicht ausreichend im Lehrangebot verankert sei und dass eine Lücke klafft zwischen der eigenen künstlerischen Arbeit und den Projekten, die am Institut entwickelt werden. So wurde von einer der ersten Absolvent/ innen (2002) z.B. „mehr thematische Reflexion und klarere Ausarbeitung der Position ‚Kunst im Kontext’ im Rahmen des Kunstmarktes“ eingefordert und der Wunsch nach „Aktualitätsbezug zur zeitgenössischen Kunst mehr fachorientierte Kunstvermittlung für berufliche Chancen in Museen, Kunstvereinen“ geäußert. Ähnlich äußern sich andere Absolvent/innen der ersten Jahre. Später wird der Wunsch nach Auseinandersetzung mit aktuellen künstlerischen Positionen nicht mehr geäußert. Hier zeigen sich die Veränderungen der letzten Jahre am deutlichsten. Die meisten Verbesserungsvorschläge beziehen sich auf Arbeitsräume und Ateliers, und damit zusammenhängend eine stärkere Einbeziehung der eigenen künstlerischen Arbeit in das Studium, sowie auf eine bessere Öffentlichkeitsarbeit des Instituts: „Mehr Präsenz in der Öffentlichkeit, deutlicheres Profil“ (2006) „schönere Räumlichkeiten und Ateliers zur Verfügung stellen, für den, der es mal für ein Projekt braucht.“ (2006) 58

Tabelle 1: Studiertes Berufsfeldmodul und Tätigkeitsbereich

Abbildung 9: Wirtschaftliche Situation nach dem Studium

59

„Arbeitsplätze für praktisches Arbeiten vor Ort, damit diese Arbeit während des Studiums nicht vernachlässigt werden muss. Stärkere Vernetzung und Austauschmöglichkeiten mit Studenten und Professoren der Hardenbergstrasse“ (2009) „Das Institut braucht mehr Räumlichkeiten, z.B. Ateliers für die Entwicklung der Projekte und einen Raum für das Zusammentreffen, wo die Studenten mehr Kontakt miteinander haben könnten“. (2009) „Es ist nötig einen festen Raum zur Verfügung zu haben für Projektgruppen. (2009)“ Räume im UdK-Hauptgebäude in der Hardenbergstraße werden von mehreren als erstrebenswerte Verbesserung angesehen, die dann auch eine größere öffentliche Aufmerksamkeit bringen würde: „Solange das Institut von den Werkstätten getrennt ist, ist der Zugang zu den Werkstätten sehr schwer/kompliziert. Eine Integration des Instituts im Hauptgebäude wäre von großem Vorteil, da das Institut dann zusätzlich auch viel besser wahrgenommen werden würde.“ Einige der Absolvent/innen haben den Eindruck, dass wichtige Veranstaltungen, die am Institut stattfinden, nicht genügend Aufmerksamkeit gefunden haben und dass das nicht zuletzt auch mit dem Ort zu tun hat: „Mir persönlich haben die besonderen, wissenschaftlichen Vorträge in meiner Studienzeit (2005-2007) von zumeist Künstlern, die aus anderen Städten und Ländern kamen, sehr gefallen, ich könnte mir vorstellen, dass man diese besser bewirbt oder vielleicht an ganz anderen Orten vortragen lässt, also z.B. darüber auch vom Institut her den Kontakt zur Außenwelt sucht – und nicht darauf wartet, dass jemand in die verschulten Räume kommt, so sind sie nunmal am Einsteinufer.“ (2007) Ein/e andere/r Absolventin sieht einen Zusammenhang zwischen der Notwendigkeit einer besseren Außendarstellung des Instituts und den aus diesen Kontakten erwachsenden innovativen beruflichen Möglichkeiten für die Absolvent/innen und formuliert deshalb diese Vorschläge: „Qualitativ hochwertigere Selbstdarstellung des IfKiK & seiner Studenten nach außen. (Das IfKiK & unsere Studenten sind wichtig & gut,weil ...); Ausbau, PR & Kontaktpflege zu nationalen & internationalen Kunst- und Kulturinstitutionen für Studenten & Alumni, d.h. Hilfe bei der Vermittlung von Berufskontakten. ->Allg.Förderung des künstl. Unternehmertums „im Kontext“(Bspw: Künstler sind potentiell in der Lage Produktinnovationen in unterschiedlichen Branchen zu entwickeln)“ (2008). 60

Trifft zu

Trifft eher zu

Trifft eher nicht zu

Trifft nicht zu

Soziale und kommunikative Kompetenzen

25%

46%

21%

8%

mehr Selbstsicherheit

28%

43%

20%

9%

Fähigkeit zur Reflexion, Einschätzung und Positionierung der eigenen künstlerischen Arbeit

35%

34%

20%

11%

Entscheidungshilfe bei der beruflichen Orientierung

34%

34%

20%

12%

Fähigkeit zu methodischem Arbeiten

32%

35%

22%

11%

Fähigkeit zu Recherchieren

30%

37%

21%

12%

Wissenserwerb in anderen Disziplinen

27%

39%

30%

4%

Organisationsfähigkeit

23%

41%

24%

12%

Verbesserung der Kompetenz zu schreiben

26%

38%

23%

13%

Zugang zu Kulturinstitutionen

22%

41%

28%

9%

neue/andere Position innerhalb der Kunstszene

18%

45%

25%

12%

neue künstlerische Ideen

35%

25%

24%

16%

Fähigkeit zum Selbstmanagement

20%

40%

28%

12%

Wissenszuwachs in Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft

29%

29%

26%

16%

Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten

27%

30%

26%

17%

Kenntnis anderer Berufsfelder

22%

34%

35%

9%

Kenntnisse über künstlerische Arbeitsweisen

23%

32%

30%

15%

Kenntnis des Förder- und Antragswesens

19%

34%

38%

9%

Zugang zu außerkünstlerischen Einrichtungen

13%

37%

33%

17%

Tabelle 2

In eine ähnliche Richtung, aber weniger unternehmerisch denkend, geht dieser Verbesserungsvorschlag: „Das Institut müsste stolz auf seine Absolvent/innen sein und sich um sie kümmern: Netzwerke bauen, wichtige Aktivitäten/Erfolge der Absolvent/innen publizieren, etc... „ (2008) 61

Häufiger geht es in diesem Zusammenhang darum, die Potentiale der Studierenden und Absolvent/innen besser – auch für die Ziele des Instituts – zu nutzen: „Das Potenzial der interkulturellen Künstlerbegegnung während des Studiums wird durch Vorgaben/Vorstellungen/Projektvorauswahl z.T. gebremst, ... mehr Mut/Kampfgeist für freiere Bildungsziele, mehr Anspruch in der Wissenschaftstheorie, mehr private Kooperationspartner Sammler, private Förderer usw. (2006)“ „Weniger diskutieren, mehr machen“ wird in unterschiedlichen Formulierungen bis heute mehrfach geäußert. Die Verbesserungsvorschläge, insbesondere die detaillierten Überlegungen der Absolvent/innen der letzten Jahre zeigen ein hohes Maß an Identifikation mit dem Studiengang. Die einzelnen Vorschläge zum Lehrangebot verweisen durch ihre Widersprüchlichkeit auf die Heterogenität der Studierendenschaft und die Unterschiede in den individuellen Studienplänen. Eine gemeinsame Tendenz könnte der Wunsch nach „weniger Zeitdruck durch das Scheine sammeln“ werden. Dies zu überprüfen, wird Aufgabe der nächsten Umfrage sein. Netzwerk Die meisten (86%) Absolvent/innen haben noch Kontakt zu ehemaligen Kommiliton/innen und Dozent/innen bzw. Professor/innen des Instituts. 79% der Befragten sind am Aufbau eines Netzwerks interessiert [Abb. 9]. Viele von ihnen wünschen sich regelmäßige persönliche Treffen (z.B. durch Initiativen der UdK in Form einer Einladung zur „Ehrenrunde“ für Alumni), um gemeinsame Aktivitäten, Projekte, Ausstellungen etc. zu ermöglichen und die Arbeiten der anderen weiter zu verfolgen. Aus den Reaktionen auf das letztjährige Absolvent/innentreffen im Rahmen der Master-Ausstellung des Rundgangs und den Wünschen nach Verstetigung dieser Einladung ist deutlich geworden, dass viele eine unverbindlichere Form der Mitgliedschaft in einem Verein vorziehen und die Organisation nur dann gefragt ist, wenn sie für die gegenwärtige Arbeitssituation von nutzen sein kann.

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Abbildung 10: Interesse am Aufbau eines Netzwerks

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